07.02.2012 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Wir sind eine Familie

Fredi ist verheiratet und hat eine nunmehr volljährige Tochter. Die Zeiten der "Erziehungsberechtigung" gehören also offiziell der Vergangenheit an - die Pubertät noch nicht ganz. Es bleibt also spannend im hiesigen dreiköpfigen Haushalt. Zumindest in Form von Diskussionen nehmen am Familiengeschehen auch andere Pubertierende respektive Volljährige teil - der sogenannte Freundeskreis des Nachwuchses -, die man eher selten persönlich zu Gesicht bekommt (da Eltern ja prinzipiell nicht vorzeigbar zu sein scheinen, seufzt die Mutter - weil die Freunde nicht wirklich vorzeigbar sind, argwohnt dagegen der Vater).

 

Zu den Dingen, die sowohl Eltern als auch Kind inzwischen richtig gut finden, gehört, dass nun keine gesetzlich vorgeschriebenen Formulare zur Übertragung der Erziehungsgewalt (Stichwort: Jugendschutzgesetz) mehr ausgefüllt und abgezeichnet werden müssen. Dass trotzdem Absprachen getroffen (und eingehalten!) werden, erleichtert das Verdrängen von Schreckensbildern zu nächtlichen Überfällen und anderen Katastrophen, mit denen so ein Heranwachsender auf Tour konfrontiert sein könnte. Da allein 5 oder 6 Jungs mit dem Trendvornamen Dennis, mindestens 4 Svens und etliche Julias und Lisas zum Freundeskreis gehören, gerät der Informationsaustausch über gemeinsame Aktivitäten bisweilen ein wenig kompliziert (natürlich nur für die Eltern).

Ein letzter Hinweis zur Generationsfrage: das Gesamtalter der beiden Fredis beträgt derzeit 100 (Status: 05/2011).


Fredis Wurzeln

Dass Fredi im Grunde zwei Personen sind, hatten wir schon erwähnt. Insofern ist es nicht ganz einfach zu sagen, wo Fredis Wurzeln sind. Während die Wurzeln eines Teils der Fredis im süddeutschen Raum liegen, reicht der Familienstammbaum des anderen Teils bis in die Ukraine.

 

Unsere Tochter spielt bereits mit dem Gedanken, in absehbarer Zeit von Zuhause auszuziehen. Das ist der Gang der Dinge. Die Vorstellung, dass wir Eltern unseren Wohnsitz vielleicht einmal nach San Francisco verlegen könnten, ruft dagegen ziemliches Kopfschütteln hervor. Zur Verwirklichung dieses Traums fehlt uns allerdings die Million im Lotto, die einfach nicht kommen will.

 

Die Fredis leben und arbeiten im "Ruhrpott". Ja, ganz ganau: Das ist die Gegend von Deutschland, die immernoch mit Bildern von rauchenden Schloten und rußgeschwärzten Gesichtern der Kohlekumpel asoziiert wird, seltener aber mit der anderen, der grünen und modernen Seite des "Reviers". Wer es ganz genau wissen will: Wir leben in Oberhausen, und zwar ausgesprochen gern! Über das Ruhrgebiet und Fredis Heimatstadt gibt es einiges zu erzählen. Wenn man den Medien glauben darf, dann steht Oberhausen für den gelungenen Strukturwandel in der Region. Hervorzuhebendes Kennzeichen dieses Umbruchs ist das ehemalige Stahlwerksgelände, das zur "Neuen Mitte" erhoben und mit einem weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmt-berüchtigten Einkaufszentrum versehen wurde, dem CentrO.

 

Die vornehmlich samstags in Scharen einfallenden Einkaufswilligen landen früher oder später auf der zentralen Kreuzung Konrad-Adenauer-Allee/Mülheimer Straße/Duisburger Straße/Essener Straße. Hier konkurrieren sie dann mit denjenigen Autofahrern, die einfach nur von einem Ortsteil in den anderen wollen (beispielsweise von Osterfeld oder Sterkrade in die "alte Mitte") oder eben in die Nachbarstädte Mülheim, Essen und Duisburg. Die Staumeldungen können Interessierte praktisch jedes Wochenende im WDR-Rundfunk verfolgen. Fredi meidet darum diese Gegend während der Hauptgeschäftszeiten - und meist auch sonntags.

 

Dann strömen nämlich neuerdings Touristen zum neuen Wahrzeichen der Stadt, dem Gasometer, der sogar im 'Oberhausen-Lied' des Kabarett-Duos 'Missfits'  (alias Gehrburg Jahnke und Stefanie Überall) verewigt wurde. Natürlich hat Fredi die Abschiedstour der Missfits an einer anderen Oberhausener Kultstätte verfolgt: dem Ebertbad. Dort läuft auch die eine oder andere Regiearbeit von Frau Jahnke höchstselbst, in der sogar Ebertbademeister und Dauerverlobter Hajo Sommers eine Rolle spielt. Gelegentliches Durchstöbern des Programms kann nicht schaden!

 

Mal sehen, was das Kulturhauptstadtjahr 2010 uns noch so bringt ...

 

 


My home is my castle? Och nö!

Fredi lebt seit 1999 in den eigenen vier Wänden. Nicht im Eigenheim, aber immerhin in einem Neubau! So ein Neubau-Erstbezug und das Zusammenwirken von Eigentümergemeinschaften ist eine Erfahrung, die nur schwer demjenigen zu beschreiben ist, der das nicht selbst miterlebt hat (siehe auch Kapitel "Was Fredi mag"). Zumindest ist Fredi jetzt sicher, dass endlich jemand reges Interesse an seiner Existenz hat, und zwar sein Kundenbetreuer bei der Bank, die ihm die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt hat.

 

Noch deutlich vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters wird dieses Interesse spürbar nachlassen, denn dann hat Fredi - hoffentlich - das Darlehen getilgt. Bis dahin hofft Fredi, noch den einen oder anderen Interessenten für sich erwärmt zu haben, damit er nicht völlig einsam und verlassen in seiner Behausung sein Rentendasein fristen muss. Wie gut, dass man einen Internetzugang hat! Sollte die Reiseaktivität aufgrund etwaiger Mobilitätsprobleme später einmal nachlassen, bleiben einem so immer noch Tastatur und W-Lan. Das stimmt zuversichtlich!