18.09.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Tochter - gut gelaunt!
Horst - nachdenklich.
Anke - skeptisch.
Geht's jetzt los oder was?
Flughafen Köln-Bonn
Was blüht uns?
Anke - optimistisch.
Mutter und Tochter
Auf Reiseflughöhe
...über den Niederlanden
Wolken
noch mehr Wolken
immer noch Wolken
...sehr schöne Wolken
...die britische Ostküste
Die Straßen von Edinburgh
Denkmal...!
Hotel "Greens" in Edinburgh
Nochmal Hotel Greens
Hier entsteht der erste Teil des Tagebuchs
unser Zimmer im "Greens"
Bedienunganleitung im Aufzug
Kathedrale
Hausrückseite mit Wasserleitungen
...ich lieb Dich nicht, Du liebst mich nicht!
Blick aus dem Hotelfenster
Blick Richtung Hauptstraße
...rechts herum...
Das erste Dinner
Privatschule für gehörlose Kinder
Privatschule für gehörlose Kinder
Privatschule für gehörlose Kinder

Nicht ohne meine Tochter!

"Das wird ein sehr ruhiger Urlaub", meinte Horst als klar wurde, dass Lisas Kinderausweis verschwunden bleiben würde. Das Dokument war nirgends zu finden: nicht in der Ablage, nicht in Schubladen, Fächern, Jacken oder Taschen und auch nicht in irgendwelchen dicken Büchern, wo das knittrige Dokument sich ein wenig "plattlegen" sollte. Eine Vermutung, die bei uns Hoffnungen weckte und dazu führte, dass wir etliche eingestaubten Bücher aus den ebenfalls recht staubigen Regalen nahmen, um das zu prüfen. Auch Oma versichterte uns, dass sie alles abgesucht und nichts gefunden hatte.

 

Immerhin war das glückliche Kind mit den Großeltern für die ersten 4 Wochen der Ferien an den Ossiacher See in Österreich gefahren. Die Zeiten, wo Ausweispapiere für Grenzübertritte innerhalb der europäischen Union erforderlich waren, waren zwar schon lang vorbei, aber man konnte ja nie wissen. Über die Suchaktion war der Freitag vergangen. Inzwischen war es Samstag und sämtliche Ämter geschlossen. Warum hatten wir denn auch nicht schon früher angefangen, die Papiere zusammen zu suchen?

 

Bei der Vorstellung, wir könnten sie womöglich bei Oma und Opa zurücklassen und allein nach Schottland fliegen, traten Lisa Tränen in die Augen. Horst, der sich von der bisherigen Suchaktion nur wenig hatte aus der Ruhe bringen lassen, hatte zwischenzeitlich eigene Erkundigungen eingezogen, wie wir das Problem lösen konnten.

 

In einem Telefonat mit dem für Ausweisangelegenheiten zuständigen Bundesgrenzschutz in Düsseldorf erfuhr er, dass es "völlig unproblematisch innerhalb von 5 Minuten" machbar sei, am Flughafen ein Ersatzdokument zu bekommen. 8 Euro Gebühr und die Vorlage einer Geburtsurkunde seien nötig, das war's. In die stressgeplagten Gemüter kehrte daraufhin wieder etwas mehr Vorfreude ein.



Sonntag Morgen um 5:30 Uhr war die Nacht zuende. Schliesslich ging der Flieger ab Köln/Bonn bereits um 10:10 Uhr - 2 Stunden vor Abflug sollte man dann schon am Flughafen sein, fanden wir übereinstimmend. Pünktlich um 7 Uhr waren wir "on the road" und - Vaters Bleifuss sei Dank! - schon eine halbe Stunde später im Flughafenbegäude. Die Grenzschützer waren schnell gefunden. Nur eben die Stammbuchauszüge und die Abstammungsurkunde abgeben, dann würden wir den Ersatzausweis erhalten.

 

Sehr zu unser aller Erstaunen teilte der Beamte jedoch unsere Gleichmut nicht und machte uns auf mögliche Schwierigkeiten mit den schottischen Behörden aufmerksam. Ohne ein Ausweispapier mit Lichtbild würden die Kollegen in Großbritannien uns die Einreise verweigern, unkte der Mann in Uniform. Den Optimismus der Düsseldorfer Kollegen konnte oder wollte er nicht nachvollziehen.

 

Gedanklich titulierte ich ihn als Spielverderber, leistete die erforderlichen Unterschriften und entrichtete die geforderten Gebühren. Das Ersatzpapier in Händen seien wir nun von dem Wohlwollen der Fluglinie abhängig, wurden wir aufgeklärt. Auf dem Weg zur Gepäckaufgabe lachte ich innerlich schon über die Miesmacherei des Herrn, der vielleicht einfach nur eine besonders fiese Art von Humor besass.


Die freundliche lächelnde Dame an der Gepäckaufgabe des German-Wings-Schalters stellte uns jedenfalls allen dreien ein gültiges Flugticket aus. Na also! Von wegen Probleme: Schottland, wir kommen! Noch zwei lange Stunden Wartzeit, dann ging es auf nach Edinburgh. In der Abflughalle angekommen, beobachteten wir die wechselnden Anzeigen über den Schaltern und die passend dazu kommenden und gehenden Menschenmengen.

 

Die Zeit verstrich, Passagiere kamen und gingen, Flugziele erschienen und verschwanden, aber unser Flug tauchte nicht auf der Anzeigentafel auf. Stattdessen prangte dort eine halbe Stunde vor der Abflugzeit deutlich sichtbar der Name einer türkischen Fluggesellschaft mit Destination Antalia. Merkwürdig! Langsam zweifelten wir, trotz entsprechendem Vermerk "D11" (der Nummer des Gates) auf unserem Ticket, hier richtig zu sein. Ein Herr vom Terminalpersonal schickte uns zum Info-Schalter, und da erhielten wir die Auskunft, dass wir direkt durch die Sicherheitskontrollen und weiter zum Gate D11 hätten gehen sollen. Na Bravo! Inzwischen blieben uns noch ganze 20 Minuten. Hurry up, guys!



Leicht gehetzt liessen wir nun unser Handgepäck und uns selbst "durchchecken" und passierten eine weitere Passkontrolle - muss ja alles seine Ordnung haben. Am Gate warteten ungefähr 50 Menschen darauf, den Bus zum Rollfeld zu besteigen. Zwei Damen von der Flugbegleitung sowie eine Drehtür trennten uns noch von unserem Etappenziel Flugzeug, gleich hatten wir's geschafft. Unerwarteterweise bemängelte nun die Dame am Gate, dass weder ein abgelaufener Kinderausweis vorzeigbar war, noch ein Passfoto das frisch erhaltene Ersatzdokument zierte.

 

Während alle anderen Passagiere an uns vorbeiliefen, den Zubringerbus bestiegen und dann zur wartenden Maschine chauffiert wurden, wurden wir gebeten, auf einen Rückruf der schottischen Kollegen zu warten. Damit - so erklärte uns die Stewardess - solle sicher gestellt werden, dass wir nicht nur hinfliegen und in Edinburgh die Maschine wie gewünscht verlassen durften. Es bestand nämlich durchaus die Möglichkeit, dass uns die Behörden gleich in die nächste Maschine retour setzen würden.

 

Die Nachricht, es könne ihr in letzter Sekunde doch noch der Flug gestrichen werden, reichte aus, um Lisa weinend auf den Stühlen der Wartehalle zusammen sacken zu lassen. Mitfühlend versicherte uns die Flugbegleiterin, dass es ja keinen Sinn hätte, nach Schottland zu fliegen, um dann gleich wieder in die nächste Maschine zurück nach Deutschland verfrachtet zu werden. Da hatte sie sicher Recht. Trösten konnte uns das jedoch nicht.

 

Der erlösende Anruf aus Schottland kam nur wenige Minuten später. Als einzige Passagiere bestiegen wir einen neuen Bus Richtung Rollfeld und betraten endlich als letzte den wartenden Airbus 319.



Während der ganzen Unruhe hatte Lisa kaum Zeit gehabt, sich vorzustellen, wie so ein Flug überhaupt verlaufen würde. Schließlich war es für sie Flug-Premiere! Kaum war sicher, dass wir tatsächlich gleich in der Maschine sitzen würden, schon wich die Vorfreude auf den Flug der nackten Flugangst. Ziemlich weit hinten in der Maschine fanden wir noch eine freie Sitzreihe, verstauten das Handgepäck in den Klappen über den Sitzen und sortierten uns ein, Lisa am Fenster, ich in der Mitte, Horst am Gang.

 

Wenige Minuten nachdem wir die Gurte angelegt hatten, setzte sich der Flieger in Bewegung. Lisa griff sich eine der "Kotztüten" (sicher ist sicher!) und fieberte dem Abheben entgegen, während wir ihr Mut zu sprachen ("runter kommen wir immer!"). Erstaunlich schnell hob die Maschine vom Boden ab und gewann an Höhe.

 

Auf der Bildschirmanzeige, die eben noch ein Sicherheitsvideo abgespielt hatte ('bei Druckabfall in der Kabine...' - "Mama, was ist Druckabfall?"), erschienen Geschwindigkeit, Höhe, Flugdauer und Position des Fliegers in wechselnden Bildern und Sprachen. Wir staunten über die Steiggeschwindigkeit und die Schräglage. Schliesslich erreichten wir die optimale Höhe (ca. 11.000 Meter) und Reisegeschwindigkeit (knapp 800 km/h). Inzwischen fand Lisa Fliegen einfach nur "geil". Reinhardt Meys berühmtes Lied "Über den Wolken" ging mir durch den Kopf. Wir bekamen wirklich atemberaubende Bilder zu sehen.

 

Ein makabrer Gag über die Flugzeugtoiletten ("wenn Du abziehst, wirst Du nach draussen gezogen!") zog bei Lisa die Überlegung nach sich, ob sie sich wirklich hoch über den Wolken erleichtern oder doch bis zur Ankunft in Edinburgh warten sollte. Nach Besichtigung der Örtlichkeit folgte der endgültige Verzicht. Die Landung in Edinburgh nach etwa 1 Stunde und 45 Minuten kommentierte Lisa eher gleichmütig, als wäre sie bereits zum hundersten Mal geflogen. Meine Armbanduhr hatte ich schon im Flugzeug auf die Ortzeit eingestellt.



Im Vergleich zu den Kontrollen in Deutschland war der Emfpang in Schottland wie die Ankunft in einem ganz normalen Bahnhof. Reibungslos passierten wir die Passkontrolle, holten nach kurzer Wartezeit (und dem Besuch der Flughafentoilette) den Koffer vom Rollband und verliessen den Airport in Richtung Buslinie Nummer 100 (eine blaue Doppeldecker-Buslinie, die alle 10 Minuten abfuhr), der uns nach Edinburgh Haymarket bringen sollte, wenige Gehminuten vom Hotel entfernt.

 

Wir staunten über die urigen Taxis, die großen Doppeldeckerbusse und vor allem über den Linksverkehr. An jeder Strasse war es wieder eine Ueberraschung für uns, dass sich die Autos genau aus entgegengesetzter Richtung an uns vorbei bewegten wie gewohnt. Unerwartet warm hiess uns Edinburgh willkommen. Bei Eintreffen am Hotel waren wir alle mehr oder weniger schweissgebadet, aber glücklich, endlich am ersten Reiseziel eingetroffen zu sein.


In der Eingangshalle des Hotels trafen wir auf weitere Neuankömmlinge nebst deren Gepäckstücken, die sich dort türmten. Das verhiess nichts Gutes. Aus den Gesprächen an der Rezeption konnte ich schon heraushören, dass es Schwierigkeiten mit den Zimmern in The Greens gab. Die erstaunlich gut zu verstehende Dame am Schalter erklärte uns, dass die Zimmer noch für uns vorbereitet werden müssten und leider erst um 15 Uhr neu belegt werden könnten.

 

Das war nun eine nicht ganz so schöne Überraschung, denn inzwischen war es Mittagszeit und der Hunger meldete sich. Nach schottischer Zeitrechnung war es zwar erst 12 Uhr, aber nach MESZ immerhin schon 13 Uhr. Die Aussicht darauf, jetzt 3 Stunden in einer Eingangshalle oder auf den Treppenstufen des Hotels herumhängen zu müssen, versetzte uns nicht gerade in Freudestaumel.


Kurzentschlossen nahmen wir in der Hotelbar Platz, einem mit Oak Bar bezeichneten Raum mit Kamin und niedrigen runden Tischen, um die sich bereits weitere Wartende in den Sesseln gruppiert hatten. Während wir Mineralwasser und unser erstes britisches Bier (ein Ale) vertilgten, ich mit dem Tippen unseres Reisetagebuchs begann und Lisa sich von den bisherigen Anstrengungen bei einem Nickerchen im Sessel erholte, arbeitete das Hotelteam offenbar auf Hochtouren daran, uns zu unserem Zimmer zu verhelfen.

 

Gegen 14 Uhr kam dann unvermittelt die Nachricht, dass wir doch schon einchecken könnten. Also kurz den Anmeldeschein ausgefüllt, den Gutschein aus dem Umschlag des Reiseveranstalters geangelt und dann hinauf ins Zimmer 220. Es erwartete uns ein grosser Raum mit 3 Einzelbetten in typisch englischem Stil: sehr hohe Decken, eine Art deckenhohes Erkerfenster umrahmt von Vorhangstoffen in Rosenmuster, das sich auch auf den Bettüberwürfen wiederholte. Die Tapeten hatten das bekannte Lilienmuster.

 

Auf dem grosszügigen Frisiertisch fand bald unser reichhaltiges Sortiment an wiederbeladbaren Gerätschaften Platz: zwei PDAs, ein Handy, eine Digitalkamera und - last but not least - eine elektrische Zahnbürste warteten darauf, mit Strom betankt zu werden. Zwei Nächte würden wir in diesem Raum verbringen, bis wir uns am dritten Tag der Reise in die Nähe der Highlands aufmachen würden.

 

Doch zunächst wartete Edinburgh darauf, von uns erobert zu werden. Ausserdem machte sich der Hunger nun doch verstärkt bemerkbar. Also kurz verschnauft und dann hinaus in Richtung Innenstadt mit der Aussicht auf eine schnelle Malzeit vor dem Abendessen, das uns für 19:30 Uhr avisiert worden war.

 

Einen Lacher gab es im Aufzug des Hotels zu bewundern: diesen zierte innen ein mehrsprachiges Messingschild, dass darauf hinwies, die Schiebe-Türen in jedem Fall zu schließen (sonst fuhr das Ding nämlich nicht). Man beachte den deutschen Text!



Die erste Malzeit in Schottland war eine Pizza bei Pizza-Hut. Warum nirgends auf der Karte das in allen Sprachen gleichlautende Wort Salami auftauchte, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Ersatzweise wälten wir "ham" (also Schinken) sowie "spiced pork" (eine Art gehacktes Schweinefleisch). Nix besonderes, aber nicht sonderlich teuer und allemal schmackhaft genug, um drei hungrige Deutsche satt und zufrieden zu machen.

 

Erschöpft und glücklich machten wir uns auf den Rückweg durch die überwiegend von Bussen und Taxis bevölkerten Strassen Edinburghs. In einer der Seitenstraßen entdeckten wir per Zufall eine beeindruckende Kathedrale, in der jedoch gerade ein Orgelkonzert gegeben wurde. Bereits am Eingang wurde schriftlich darum gebeten, nicht durch Umherlaufen den Musikgenuss der Zuhörer zu stören. Wir verschoben daraufhin die Besichtigung des Inneren und setzten unsere Tour durch die Straßen weiter fort.

 

Dabei bemerkte Horst, dass die Abwasserleitungen der Häser außen an den Wänden angebracht waren. Da sogar einige Straßensteigungen vom Untergrund her beheizt wurden (wie wir auf den Schildern lesen konnten), fragen wir uns immer noch, wie dieses System wohl in Winterzeiten funktioniert. Im Hotelzimmer erwartete uns ein Vorzug britischer Dienstleistungen: ein Wasserkocher und einige Tütchen Tee, löslicher Kaffee (auch entkoffeinierter!) und Kakao standen kostenlos bereit zur Zubereitung. Einige Päckchen mit "Short Bread", einem Butterkeks, lagen ebenfalls zum Verzehr bereit. So konnten wir uns noch ein paar Minuten entspannen, bevor wir vom Reiseveranstalter gegen 19 Uhr zum Umtrunk in die Hotelbar gebeten waren.


Der gute Mann - Deutscher, aber nach eigenen Worten schon 14 Jahre vor Ort zu Hause - erschien im Kilt, der schottischen Nationaltracht, inklusive Messer im Kniestrumpf. Was er unter dem Schottenrock trug, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Dass Schotten auf das Ansinnen, dieses Rätsel eigenhändig zu lüften, mitunter sehr energisch reagieren, nahmen alle Versammelten mit verhaltenem Gelächter auf. Besonders dankbar wurde allerdings notiert, dass Duschen in der Regel mittels Stromschalter dazu bewegt werden können, warmes Wasser von sich zu geben.

 

Merke: die Badezimmer in Großbritannien weisen im Vergleich zu deutschem Sanitär einige Unterschiede auf. Die kombinierte Badewannen/Dusch-Armatur hatte dementsprechend ein Geheimnis, das ich am folgenden Morgen vergeblich zu lüften versuchte. Egal wie weit ich den Kalt- oder Warmwasserhahn auf oder zu drehte, an der Temperatur der Dusche schien das nichts zu ändern. Stattdessen lief zusätzlich Wasser in die Wanne.

 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schon aufgegeben hatte als Horst entdeckte, dass nicht etwa die Wasserhähne sondern lediglich der mittlere Stellhebel für das Duschwasser verdreht werden musste, um wohltemperiertes Brausewasser zu bekommen. Wie war das noch? Frauen und Technik...!?



Vor der morgendlichen Dusche am nächsten Tag erwartete uns jedoch noch ein erstes schottisches Dinner im Speisesaal des Hotels. Sogar eine separate Speisekarte war vorbereitet worden, aus der wir uns zur Feier des Tages einen frischen Lachs in Zitronen/Kräuter-Sauce mit frischem Gemüse der Saison und Kartoffeln aussuchten. Und was soll ich sagen: es schmeckte hervorragend! Was hatte man uns nicht alles über britische Küche erzählt ("noch schlimmer als in England" sei die Küche in Schottland). Pah! Hier jedenfalls stimmte es geschmacklich. Während Lisa sich gleich nach dem Abendessen ins Zimmer zurück zog, begaben Horst und ich uns noch für einen Abendspaziergang vor die Tür.

 

Wir erspäten ein eindrucksvolles Gemäuer wenige Gehminuten entfernt, das uns an ein Schloss erinnerte und quasi danach schrie, näher betrachtet zu werden. Doch kaum hatten wir das Tor passiert und richteten unsere Schritte in Richtung "Schloss", da wurden wir auch schon von einem "Hausmeisterpaar" zurück gepfiffen. "Private Property" bedeutete uns auch das Schild gleich hinter dem Eingangstor, das wir in unserer Neugier übersehen hatten.

 

Auf Nachfrage und nach Beteuerung, wir wollten sicher niemanden stören, erhielten wir die Auskunft, dies sei eine Schule für Ertaubte. Donnerwetter, das nenne ich eine Ehrfurcht einflössende Lehranstalt! Was uns völlig vom Hocker gehauen hat, waren die Stuckarbeiten an den Zimmerdecken der Häuser um das Hotel herum, auf die wir dank fehlender Gardinen sehr schön von den Gehwegen aus blicken konnten. Da müssen wahre Künstler am Werk gewesen sein. Unbeschreiblich!



Die letzte Überraschung dieses Tages fanden wir in Form der britischen Bettkultur vor: Wo unsereins sich zwischen Oberbett und Bettwäsche völlig universell gebettet glaubt, da schläft der Standard-Schotte ganz anders. Denn unter der rosen-geblühmten Tagesdecke fand sich eine locker in Laken geschlagene Wolldecke, die fest unter die ebenfalls in ein Laken eingeschlagene Matraze gestopft war. Fast musste man das sorgsam vorbereitete Nachtlager komplett auseinander nehmen, um endlich Platz zwischen den Laken zu finden. Auch dieser Kampf war aber schliesslich gewonnen und der erste Tag in Schottland mündete in eine erholsame, wenn auch kurz erscheinende Nacht.