24.05.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Wo bitte geht's nach Bridge of Orchy?

Warten auf den Zug
Am Haymarket
Reisefreuden?
Glasgow Queenstreet
West-Highlands
Am Bahnhof: Erläuterungen zum West-Highland-Way
Bridge of Orchy Hotel
Das beste (weil einzige) Haus am Platz
die Brücke am Orchy
Flusslandschaft
Blühende Landschaften

Von unserem Reiseveranstalter hatten wir ein Ticket für die ScotRail - die schottische Eisenbahn - erhalten, das vom Tag der ersten Nutzung an für 8 Tage seine Gültigkeit behielt. Nach einem ausgiebigen Frühstück - diesmal die orginal schottische Version: Rühreier, Bacon, Würstchen, gebratene Blutwurst ("Black pudding") und gegrillte Tomate (man muss ja alles mal probiert haben!) - machten wir uns also auf zum Haymarket, der nächstgelegenen Bahnhofstation. Zu Fuß mit unserem Koffer waren die wenigen Minuten vom Hotel dorthin etwas anstrengend, aber durchaus machbar.

 

Kleiner Tipp am Rande: dieses schmucke Häuschen steht direkt neben der Bahnstation. Im Bahnhof bekamen wir den ersten Stempel in unser Bahnticket und erfuhren, dass wir in Glasgow würden umsteigen müssen, dann aber bis Bridge of Orchy durchfahren konnten. Nur nach dem Gleis für die Abfahrt sollten wir uns noch erkundigen, da dieses von Tag zu Tag wechselte. Vom Reiseveranstalter waren wir schon darauf aufmerksam gemacht worden, dass das britische Verkehrswesen für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich vage Fahrpläne vorwies. Also waren wir entsprechend vorgewarnt. In Glasgow selbst konnten wir entweder das Gepäck in einem der Schliessfächer deponieren und uns die schottische Hauptstadt näher ansehen oder aber direkt weiter fahren.



Nach der morgendlichen Schlepperei verspürten wir übereinstimmend keinen grossen Drang danach, noch ein oder zwei Stunden zu Fuss durch Glasgows Museen oder Gassen zu schlendern. Wir beschlossen also, uns nach der nächsten Abfahrt nach Bridge of Orchy zu erkundigen, wo uns "das beste Hotel am Platz" erwarten würde. Doch vor die Weiterfahrt hatte das Schicksal noch die Auskunft beim Bahnpersonal in Glasgow gesetzt. Das Vorhaben gestaltete sich unerwartet kompliziert. Die zunächst angesprochene Dame im Info-Häuschen am Gleis gab sich so gar keine Mühe, langsam und deutlich zu sprechen. Ich verstand nicht einmal Bahnhof. Also herunter vom Gleisbereich und ab in die Ticketausgabe.

 

"Orchy? Never heard of that", meinte der Mann hinter'm Schalter. Erst als ich zu Buchstabieren begann (wie hiess nochmal Ypsilon auf Englisch?), da lächelte er plötzlich und nickte: "Oh, BRIDGE of Orchy, yes!", aber das Gleis wisse er auch noch nicht. Na klasse! Da waren wir also um eine Lektion in Englisch reicher, aber auch nicht schlauer als zuvor. Irgendwann jedoch zeigte die Anzeigentafel dann unsere Zugverbindung an und wir begaben uns wieder auf den Bahnsteig. Dort erfuhren wir von einem überaus zuvorkommenden Bahnbediensteten, dass die mittleren beiden Waggons bis Bridge of Orchy fahren würden, während die restlichen Waggons einem anderen Zugziel zugeordnet würden. Na also, es gibt sie doch, die hilfreichen Geister bei der ScotRail!


Tatsächlich war die Bahnfahrt sehr imposant. Malerische Landschaften glitten an unseren Fenstern vorbei. Das Wetter wurde zusehens besser. Knapp drei Stunden nach unserer Abfahrt in Edinburgh trafen wir am Zielbahnhof ein. Die stark abfallende Straße hinunter in den Ort lief genau auf das Hotel zu. Der äußere Eindruck war vielversprechend, immerhin war dies eine 4-Sterne-Unterkunft, die ausserhalb jeder Ortschaft nahe dem Haupt-Wandergebiet, dem West-Highlandway, direkt an der Schnellstrasse lag. Bald wussten wir, warum wir hier nur eine einzige Nacht verbringen und bald wieder weiterreisen sollten: außer wandern konnte man hier wirklich nicht viel tun. Das Zimmer machte einen sehr gemütlichen Eindruck, das Bad war wie gewöhnlich ziemlich klein. Die Badewanne nahm den meisten Raum ein, denn - so hatte uns der Reiseveranstalter erklärt - die Schotten duschen gewöhnlich nicht, sie legen sehr grossen Wert auf ein heisses Bad.

Vor dem Abendessen blieb noch mehr als genug Zeit für einen Spaziergang, der uns über die Steinbrücke führte, die der Ortschaft wohl ihren Namen verlieh. Wir folgten ein wenig dem Flusslauf. Der nächste Ort war laut Hinweisschildern schlappe 3 - 4 miles (also rund 6 Kilometer) entfernt. Angesichts der unklaren Wetterverhältnisse und der vorhandenen Fussfaulheit des mitreisenden Kindes, verwarfen wir das Vorhaben, die Schritte dorthin zu lenken. Übrigens darf man entlang des Flusslaufs ganz offiziell seine Zelte aufschlagen und Campen - nur Feuermachen ist verboten. Rucksacktouristen werden davon wohl gern Gebrauch machen. Einige davon lagerten dann auch direkt hinter der Brücke.

Warum unser Veranstalter uns hier zwar mit Frühstück, nicht aber mit Dinner gebucht hatte, ging uns auf, als wir die Speisekarte im Hotelrestaurant bekamen: kein Hauptgericht unter 15 Pfund! Für 3 Vorspeisen und ebenso viele Hauptgerichte sowie 2 Ales und 1 Cola hatten wir am Ende inklusive Trinkgeld (man gibt in Schottland stets in etwa 10 % als Tip) 60 Pfund zu zahlen, ungefähr 90 Euro. Mann-o-Mann! Qualitativ besser als in Edinburgh war das Essen nicht, nur teurer und in deutlich lauterer Umgebung, denn die Hotelbar diente einer großen Zahl von Wanderern als Treffpunkt - und wahrscheinlich auch den Bewohnern der Umgegend, denn das "beste Haus am Platz" war auch weithin das einzige mit Gastronomie. Zum Glück waren wir nicht der Versuchung verfallen, uns zum Essen eine Flasche Wein zu bestellen. Ziemlich bald nach dem letzten Bissen unserer Malzeit verließen wir diesen geräuschvollen Ort.