17.01.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Auf der "Road to the Isles" - die West Highland Railway Line zur Atlantikküste

Beinahe "Queen's View" - toll!
Steinernes Viadukt - uralt und immer noch genutzt
Ist das jetzt "Queen's View"?
West-Highland Hotel, Malaig
Malaig - auf dem Weg zum Hafen
Blick aus dem Hotelfenster
Felsenbegehung
Abendstimmung

Nach einem original schottischen Frühstück stand uns an diesem Morgen nicht der Sinn. Auf der hiesigen Speisekarte fanden wir stattdessen den erklärungsbedürftigen Vorschlag "boiled eggs with soldiers". Soldaten zum Ei? Meine Nachfrage, welche Art von "Soldaten" denn nun die Frühstückseier bewachen, wurde von der hilfsbereiten Bedienung mit großem Gelächter quittiert. Nein, nein, alles ganz harmlos! Es handele sich lediglich um in Streifen geschnittenes Toast-Brot. Beruhigend zu wissen. Lisa blieb diesmal trotzdem bei Croissants - sicherheitshalber?!

 

Gänzlich versöhnt mit der Wahl dieser Station unserer Reise waren wir dann wenige Minuten später am Anstieg zur Bahnstation: ein netter Mann bot sich an, unseren Koffer in sein Auto zu laden. Wir könnte und ihn dann oben am Berg beim Post-Office wieder abholen. Das ließ Horst sich nicht zweimal sagen! Ihm hatte es schon vor diesem Weg gegraut. Dankbar nahmen wir also die freundlich Einladung an. Nette Menschen gibt es ja in Bridge of Orchy. Und landschaftlich ist diese Gegend mit Sicherheit ein Erlebnis. Trotzdem bleibt für uns das Resumee: des Wanderers Highlight ist für Liebhaber dezenter Lokale und Familien mit Kindern (insbesondere mit Familienmitgliedern, die auf verrauchte Gaststätten allergisch reagieren) eher weniger empfehlenswert. Vielleicht noch ein Hinweis für Rucksacktouristen: das direkt am Bahnsteig liegende Gebäude beherbergt eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit, den West Highland Way Sleeper. Solche billigen Hotelalternativen werden mit Bunkhouse oder Hostel bezeichnet und sind sehr breit gestreut.



Unser nächstes Etappenziel war Mallaig an der Atlantikküste. Etwa 3 Stunden Bahnfahrt lagen heute vor uns, und es bestanden attraktive Unterbrechungsmöglichkeiten Fort William oder Glenfinnan, was zeitlich durchaus machbar, aber auch von Mallaig aus noch nachzuholen wäre. Wir entschlossen uns wiederum, uns auf direktem Wege zum Zielort zu begeben. Die Fahrt war wunderschoen, in unseren Reiseunterlagen völlig zu Recht als "eine der schönsten Bahnfahrten der Welt" bezeichnet. Die Highlands waren in Sonnenlicht getaucht, die diversen Seen und Küstenabschnitte an der Strecke bildeten den reinsten Augenschmaus. Sattsehen unmöglich! Wie sich die Wolken teils wie Watteschichten über die Gipfel der Berge wälzten, gehört zu den schönsten Eindrücken, die wir von dieser Fahrt mitnehmen werden. Die Zeit verging fast wie im Fluge.



Bei der Einfahrt in Mallaig konnten wir dann schon "unser" Hotel (das West Highland Hotel) etwas oberhalb am Hang erkennen. Die Aussicht vom Zimmer aus (in der zweiten Etage des Hotels) in die Bucht war einfach grandios. Schnell den Koffer abgestellt und flugs wieder vor die Tür! Der Hafen und die felsige Küste erwarteten uns bereits. Sogar das Wetter zeigte sich unerwartet sonnig und warm. Im T-Shirt sassen wir schliesslich auf den Felsen und schauten Lisa dabei zu, wie sie die Pfützen auf den Felsbrocken in Ufernaehe auf Muscheln und anderes Seegetier untersuchte. Schließlich musste ich selbst in Augenschein nehmen, welche tollen Funde sie ausgemacht hatte. Die ganze Atmosphäre war einfach unbeschreiblich. Als "alter Nordsee-Fan" fühlte ich mich sofort wie zu Hause. Das war genau meine Gegend!



Zufrieden mit uns und unserem Schicksal genossen wir unser Dinner (inklusive Käsecreme-Kuchen mit Erdbeeren und flüssiger Sahne als Nachspeiese - einfach toll!), verpassten leider um wenige Minuten den eindrucksvollen Sonnenuntergang und nahmen uns daraufhin für den nächsten Tag vor, früher zu den Felsen aufzubrechen, um das Verschwinden der Sonne hinter den der Küste vorgelagerten Inseln mitzuerleben. Heute konnten wir nurmehr das Farbenspiel am Himmel nach dem Sonnenuntergang geniessen. Aber das war auch schon ein Erlebnis. Ziemlich durchgepustet und glücklich begaben wir uns zurück auf unser Zimmer und bereiteten uns auf unsere erste Nacht zu Mövengeschrei vor.