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Schätze der Highlands

Corpach - Info required!
Selenit-Kristalle
Calcit-Kristalle
An der Bahn in Corpach
Blick über den Loch Eil
Am Hafen von Corpach
Dampfzug "Jacobite"
Fort William
Abends im Hafen von Malaig
Die Fischer von Malaig

Zwar sollten wir unsere Bahnfahrkarte nur dann benutzen, wenn wir einen Hotelwechsel vorzunehmen hatten, aber außer am ersten Nutzungstag hatte bisher kein Schaffner dem Ticket ein weiteres Nutzungsdatum hinzugefügt und so riskierten wir nichts, wenn wir auch für den heutigen Ausflug unsere Bahnfahrkarte nutzten. Als Ausflugsziel hatten wir uns aus den diversen Vorschlägen des Reiseveranstalters den kurz vor Fort Williams angesiedelten Ort Corpach ausgesucht, in dem sich ein bekanntes Mineralien- und Zeitgeschichtemuseum befand ("The Treasures of the Earth").

 

Nach kaum einer Stunde verließen wir den Zug und mussten uns denn doch ein wenig durchfragen, bis wir von der Bahnstation zum Museum gelangten. Dazu fragten wir in der Hafenmeisterei nach, weil wirklich nirgends auch nur das kleinste Hinweisschild aufgestellt war. Der Eintritt lag mit gut 7 Pfund nicht sonderlich hoch. Wir erhielten ein eingeschweißtes Blatt mit deutsch-englischen Erläuterung und betraten die Ausstellungsräume. Hier wurden uns eindrucksvolle Gesteinsfunde aus aller Herren Länder präsentiert. Kostbare Mineralien wechselten mit versteinerten Fossilien - sogar das Gebiss eines steinzeitlichen Säbelzahntigers befand sich in einem der Schaukästen.

 

Für Horst als Mineralienfan gab es viele Raritäten in Form und Größe zu bestaunen. Lisa beeindruckten dagegen am meisten die im Dunkeln unter UV-Licht leuchtenden Steine, die im Hellen völlig unscheinbar in der Vitrine lagen. Auch die Plasmakugel, der Blitze im Inneren beim Auflegen der Hand oder der Fingerspitzen dorthin konzentriert wurden, fand sie faszinierend, sodass sie das Experiment mehrfach wiederholte. Leider waren die meisten Ausstellungsstücke hinter Glas und daher sehr schlecht zu fotographieren. Mehr als eine Stunde brauchten wir jedenfalls nicht, um allen Darstellungen und Funden die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen.

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof kauften wir für die hungrige Lisa die Nationalspeise der Briten "Fish and Chips", die sie auf den Mauern eines nahegelegenen Info-Platzes verspeiste, während ich mich im wohl einzigen Shop nach Alternativen zur erst am Nachmittag wieder verkehrenden Bahn zurück nach Mallaig oder weiter nach Fort William erkundigte. Leider war die Frau mit den Busfahrplänen genau so wenig vertraut wie mit den Distanzen, die wir zu Fuß hätten zurücklegen müssen, um der Einöde dieses Örtchens zu entgehen.

 

Im Hafenbereich hatte ich jedoch bereits erfolgreich nach dem Museum gefragt und so begaben wir uns nach dem Imbiss wieder in das Hafenbüro, um zu erfahren, wie es weiter gehen würde. Der nette Herr vor Ort erklärte uns, dass der Weg zu Fuß nun doch vermeidbar wäre, denn es verkehre regelmäßig eine Buslinie nach Fort William (alle 20 Minuten), die wir sehr dankbar nutzten (Erwachsenen-Ticket: 1 Pfund), um die verbleibenden Stunden bis zur planmäßigen Zugfahrt zu überbrücken.

Die Kleinstadt Fort William wies eine Reihe kunterbunter Geschäfte auf, sodass für ausreichend Abwechslung für unsere Augen gesorgt war. Zum Abschied von Fort William konnten wir noch das Eintreffen und die Wiederabfahrt der aus den Fünfzigern stammenden Dampflok der bekannten Dampfeisenbahnlinie ("Steam Train" respektive The Jacobite zwischen Fort William und Mallaig miterleben. In den Prospekten zu diesem Zug wird berichtet, dass Teilen der Bestseller-Verfilmung "Harry Potter" mit diesem Zug gedreht wurden.

 

Als wir am frühen Abend schließlich wieder in Mallaig eintrafen, war die Fotosammlung um etliche sehenswerte Bilder angewachsen und wir dachten mit Wehmut daran, dass wir bereits am kommenden Morgen den schönen Küstenort verlassen müssten. Als nächstes und letztes Etappenziel stand der insbesondere von Lisa schon herbeigesehnte Zwischenstopp am Loch Ness und zwei weitere Nächte im Dundarach Hotel in Pitlochry auf dem Programm.

Wir fanden es schade, lediglich die Silhouette der Inseln Skye, Eigg, Muck oder Rum zu Gesicht bekommen zu haben und auch auf den Besuch des Badeortes Morar mit seinem berühmten Loch gleichen Namens (immerhin der tiefste Binnensee Europas) verzichten zu müssen. Golfspieler hätten bestimmt den Ort Arisaig mit seiner Golfanlage besuchen wollen, Bergwanderer wären vielleicht auf die höchste Erhebung der britischen Inseln geklettert, den Ben Nevis bei Fort William (1343 m!).

 

Eine schöne Aussicht soll auch vom Nebenberg Aonach Mor gegeben sein, auf den sogar eine Seilbahn führt - also auch etwas für weniger Wanderlustige. Keine Gelegenheit gab es leider auch, das berühmte Glenfinnan-Monument - ja, genau: in Glenfinnan! - aufzunehmen oder z.B. den Loch Shiel näher in Augenschein zu nehmen. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, dass man locker die doppelte Zeit an jedem der 4 vorgesehenen Stationen der Reise hätte verbringen müssen, um einen ungefähren Überblick über die Gegend uns seine Sehenswürdigkeiten zu bekommen.

 

Trotzdem ist für uns klar, dass die vielen Hotelwechsel innerhalb der mit 9 Tagen sehr knapp bemessenen Urlaubszeit in Schottland, den Genusswert der Reise keinesfalls geschmälert haben. Für ein Resumee ist es an dieser Stelle allerdings zu früh. Immerhin liegen noch zwei ereignisreiche Reisetage vor uns.