20.09.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Großbritannien / Schottland 2004 / Samstag, 28. August / 

Loch Ness - eine Begegnung der besonderen Art

Loch Ness
Ist sie hier verschwunden, die Nessie?
Segler und Surfer auf dem Loch Ness
Bescheidene Bleibe am Loch Ness
Urquhart Castle am Loch Ness
Inverness
Ankunft in Pitlochry
Bahnhof Pitlochry
Unser Eigentum?
Dundarach Hotel
Pitlochry City
Pitlochry

Loch an Loch und hält doch - Schottland ist von Seen (= "Loch") durchlöchert, das konnten wir schon in den vergangenen Tagen feststellen. An diesem Tag sollten wir zu einem besonderen Highlight der Tour aufbrechen: Loch Ness, Ungeheuersuche inklusive! Wieder nahmen wir den Zug Richtung Fort William. Von dort sollten wir mit dem Bus vom nahegelegenen Busbahnhof in Richtung Inverness abfahren.

 

Alle 2 Stunden verkehren die Überlandbusse mit dem Comfort typischer Reisebusse. Die Fahrer scheinen im Allgemeinen den Ehrgeiz zu besitzen, bei jeder Fahrt einen Temporekord aufzustellen. Straßenbeschriftungen mit der unmissverständlichen Aufforderung "SLOW" (= langsam fahren!) werden so schnell passiert, dass man sie kaum lesen kann. So erklärt sich wohl auch die Tatsache, dass an jedem Sitz ein Sicherheitsgurt verfügbar ist.

In der Nähe der Hauptstadt der Highlands Inverness (schlappe 40.000 Einwohner) am Ufer des River Ness befindet sich übrigens angeblich den Standort der Burg von Macbeth, dem Shakespeare'schen Helden, der mir aus Schulzeiten so nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Ich mimte damals einer Schüleraufführung eine der drei Hexen, die jeden Akt mit ihren misteriösen Sprüchen begleiten.

 

Der recht straffe Zeitplan gab leider einen ausgedehnten Besuch des Städtchens und seiner Sehenswürdigkeiten nicht her, denn wir hatten ja anderes vor: wir wollten uns auf die Spuren des Ungeheuers von Loch Ness begeben.

 

Gut 40 Minuten nach der Abfahrt in Fort William kam der Bus im Ort Fort Augustus am Loch Ness an und wir begaben uns unverzüglich zur Ablegestelle des Sonarbootes, das uns einen Einblick in die Untiefen und Geheimnisse des berühmten Sees geben sollte. 18 Pfund sollte der Spaß kosten. Leider nur englisch-sprachig erzählte uns der Kapitän von den diversen vergeblichen Versuchen, Nessie zu fangen oder auch nur zu fotographieren.

 

An einer auffällig mit Geröll bedeckten Böschung befände sich denn auch der Weg, den das Tier zur Flucht vor den aufdringlichen Hobby-Forschern genommen hatte. Zwar hatten wir am Ende der Fahrt einiges über den See, seine riesigen Abmessungen und eingeschränkte Filmtauglichkeit erfahren (ein Film über Loch Ness wurde zum Teil an einem anderen See gedreht, weil dieser angeblich den Vorstellungen von Loch Ness eher entsprach - bemerkenswert!). Nessie allerdings zeigte sich auch an diesem Tag nicht. Nach der knapp einstündigen Fahrt verließen wir absolut desillusioniert den geheimnisumwitterten Ort.

Strammen Schrittes begaben wir uns zurück zur Bushaltestelle, denn es blieben noch 20 Minuten bis zur Weiterfahrt (und nicht gut eine halbe Stunde - eine krasse Fehlrechnung in den ansonsten sehr korrekten Reiseunterlagen). Weil es inzwischen früher Nachmittag war, wurde als Mittagessenersatz ein Griff ins Kühlregal des örtlichen SPAR-Ladens getätigt. Sandwiches in allen Varianten gab es genug.

 

Der Bus kam fast auf die Minute pünktlich, obwohl die Hauptstraße einige Minuten gesperrt war, als sich ein Schiff durch die "locks" (die Schleusentore des Wasserweges "Caledonian Canal") seinen Weg zum Loch Ness bahnte. Während wir also wie geplant unsere Sitzplätze im Bus Richtung Inverness einnahmen, hatten es wenige Stationen später einige andere Passagiere nicht ganz so gut getroffen.

 

Wegen der in dieser Jahreszeit gehäuft veranstalteten Highland-Games (einer Veranstaltung für die ganze Familie) füllte sich der Bus schnell bis auf den letzten Platz, sodass gut ein Dutzend Fahrgäste darauf hoffen mussten, dass der Fahrer ihnen kurzfristig ein weiteres Fahrzeug beschaffen würde. Eine Frau war besonders aufgelöst, nicht mitfahren zu können, weil sie ihren Zug in Aberdeen erwischen musste. Ob das noch gelang, kann ich nicht sagen.

 

In der Regel liegen zwischen zwei Busabfahrtszeiten mindestens eine, häufig auch zwei Stunden (jedenfalls bei diesen Überlandbussen). Aus dem Bus heraus warfen wir einen flüchtigen Blick auf eine andere Attraktion dieser Gegend: Urquhart Castle. Die Schnappschüsse aus dem Fenster deuten nur an, was dieser auch zur Eheschließung genutzte historische Ort zu bieten hat.



Eine halbe Stunde nach unserer Abfahrt entstiegen wir dem Bus in Inverness und erreichten mühelos den Bahnanschluss nach Pitlochry. Gut 1,5 Stunden darauf trafen wir am Reiseziel ein und waren zunächst einmal vom Bahnhof selbst und dann von den malerischen Häusern im Umfeld angenehm überrascht. Zumal wir direkt am Bahnhof offenbar ein eigenes Hotel besaßen ("Fisher's Hotel"), wovon wir bis dahin gar nichts geahnt hatten.


Wenige Gehminuten entfernt fanden wir dann auch das Dundarach Hotel, das wohl einmal zur Hotelkette "Best Western" gehört hatte. Zwar existierte noch entsprechendes Briefpapier, aber an der Hotel-Reklametafel war der Schriftzug Best Western mit dunklen Klebestreifen abgedeckt. Hinter der verspielten, prachtvoll erscheinenden Fassade fanden wir das übliche 3-Bett-Zimmer (inklusive einer weiteren Duschfunktions-Variante, die mich später aufgrund völliger Durchfeuchtung um mein Nachtgewand brachte!) und eine leider recht begrenzte Restauration vor.

 

Bis um 20 Uhr könnten wir noch ein Abendessen einnehmen, wurde uns mitgeteilt, also hüpften wir hurtig ins Bad, zogen frische Oberbekleidung an und betraten den Speisesaal. Die angebotene Essens-Alternative für Lisa, eine vegetarische Lasagne, entpuppte sich unerwartet als Volltreffer. Horst schwärmte von seiner Zwiebelcremesuppe und auch unser Hauptgang, die dritte Version eines Lachsfilets in Kräuter-Zitronen-Butter, erwies sich als sehr lecker.

Leider war der nach dem Abendspaziergang durch den architektonischen Bilderbuchort geplante Besuch der Hotelbar ein glatter Misserfolg: man zapfte lediglich Lager-Export statt des ersehnten britischen Ales. Auch die Bitter-Variante bildete keine Verlockung. Da verzichteten wir dann komplett auf den Schlafenstrunk und begnügten uns mit der üblichen Tasse Nescafe im Zimmer. Am nächsten Tag wollten wir unbedingt einen Pub auftreiben, in dem wir diesen Verzicht ausgleichen konnten.