15.07.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Ein besonderer Besuch im Schloss "Blair Castle"

Lachsleiter des River Thummel
Nix Disney Land - Pitlochry!
Bahnhof Blair Atholl
Umgebung Blair Atholl
Hinweisschild
Blair Castle
Blair Castle
Blair Castle
"Das etwas andere Restaurant"!
Britisch-amerikanische Freundschaft?
Wenn es Nacht wird in Pitlochry
Sie gehört zu mir - Lisa mit Neuerwerbung Mandy

Bei unserem Eintreffen am Vortag hatten wir bereits mitbekommen, dass an der Bahnstrecke um Pitlochry "engineering works" (sprich Bauarbeiten) vorgenommen wurden, die zu Verschiebungen im Fahrplan führten. Wir hatten geistesgegenwärtig gleich gefragt, ob die von uns vorgesehene Abfahrt um 11:26 Uhr an diesem Morgen zum Nachbarort Blair Atholl wohl auch betroffen wäre. Tatsächlich wurde uns eine verspätete Abfahrt für kurz vor 12 Uhr genannt.

 

Nach dem obligatorischen Frühstück (diesmal mit Schinken und Käse und sogar echtem Honig aus der Wabe - einfach klassse!) hatten wir also noch genug Zeit, die sogenannte Lachsleiter ("fish ladder") aufzusuchen, an der die heimischen Lachse am Sperrwehr der hiesigen Elektizitätswerke vorbei zu ihrem Zeugungsort zurück kehren konnten. Über 4800 Lachse zeigte das digitale Zählwerk der Einrichtung an.

 

Pro Jahr passieren ca. 5400 Lachse diese Umgehungsstelle, erfuhren wir anhand der ausgehängten Informationen. Über eine ziemlich "variable" Hängebrücke hatten wir diese Uferseite des Damms erreicht, jetzt gingen wir über das Wehr ans andere Ufer zurück und erreichten mehr als pünktlich unsere Zugverbindung.

Es sollte sich rächen, dass wir uns beim Eintreffen in Blair Atholl nicht gleich wieder nach dem Zeitpunkt der Rückfahrt erkundigt hatten. Beim Weg hinauf zum Blair Castle fielen uns die vielen Campingwagen und Pferdeanhänger auf. Mit den Eintrittskarten erhielten wir dann einen Prospekt, in dem wir nachlesen konnten, dass derzeit ein wohl äußerst bekanntes Reitereignis auf dem Schlossgelände stattfand. Die dreitägige Veranstaltung muss in Kreisen der Pferdesportfreunde einen besonderen Ruf genießen.

 

Wir jedenfalls als Reitsportlaien freuten uns weiterhin einzig auf den Besuch des als eines der schönsten Schlösser Schottlands gepriesenen Castles. Den saftigen Eintrittspreis von 17 Pfund für die Familienkarte (Einzelkarte ansonsten 8 Pfund) zahlten wir mit stoischer Gelassenheit des erfahrenen Schottlandtouristen. Und wieder wurden wir nicht enttäuscht.

 

Viel länger als gedacht brachten wir in den Schlossmauern zu, lasen von den Ursprüngen des Schlosses im 13. Jahrhundert, der bewegten Familiengeschichte derer zu Atholl und bewunderten die Räumlichkeiten und ihr Inventar. Gegen 13 Uhr spielte ein Dudelsackspieler vor den Toren des Schlosses, was er - so der Prospekt - zu jeder vollen Stunde tat. Sogar eine kleine Privatarmee gehörte zu diesem Schloss. Wir bekamen sie allerdings nur auf Fotos zu Gesicht. Der Erbe des letzten Schlossherrn wohnt übrigens in Südafrika und lässt sich nur zu wenigen Ereignissen im Jahr in Europa blicken.

Obwohl wir sicher noch mehr Zeit gebraucht hätten, um alles gründlich zu besichtigen, mussten wir uns schließlich sputen, um noch rechtzeitig zur geplanten Zugabfahrt um 14:34 Uhr wieder an der Bahnstation zu sein. Was wir leider übersehen hatten: inzwischen hatte sich der Fahrplan nach vorne verschoben, der Zug war bereits um 14:10 Uhr abgefahren und der nächste würde erst nach halb sechs kommen. So ein Reinfall!

 

Ich befragte eine gleichfalls hereingefallene Gruppe von englisch-sprachigen Reisenden nach Alternativen zu dieser sehr späten Zugverbindung. Nach deren Meinung bestand wegen der Reitveranstaltung keine Chance, an ein Taxi zu kommen, und Busse würden auch nicht fahren. Na toll! Hängenden Hauptes freundeten wir uns mit der Vorstellung an, hier drei lange Stunden in einer Pinte oder entsprechender Örtlichkeit zu verbringen.

 

Ein Mühlencafe wurde unser Zufluchtsort. In der auch zur Besichtigung offenen Wassermühle aßen wir hausgemachten Kuchen, tranken Kaffee, Tee und Cola und haderten mit unserem Schicksal, als Horst zum wiederholten Male seine Auffassung bekundete, er habe auf der Hauptstraße sehr wohl eine Bushaltestelle gesehen und wir sollten uns doch besser noch einmal ansehen, ob der Fahrplan nicht doch eine frühere Verbindung zurück nach Pitlochry ausweisen würde.

Gesagt getan. Die Haltestelle war kaum gefunden, da näherte sich auch schon ein Bus. Noch ein vergewissernder Blick in den Fahrplan: ja, der fuhr tatsächlich "nach Hause"! Auch der Busfahrer bestätigte die unerwartete Lösung unseres Problems. Noch vor 16 Uhr saßen wir wieder in den Sesseln unseres Hotels und lasen in den Unterlagen nach, ob sich der Aufbruch in die kleinste Whisky-Distillerie Schottlands "Edradour" noch lohnen würde. Leider schloss die Brennerei aber um 17 Uhr ihre Tore, sodass die angedachte Whisky-Probe nun doch ausfallen musste.

 

Dass Whisky in etwa mit "Lebenswasser" übersetzt werden konnte, war uns inzwischen bekannt. Das existenziell wichtige Getränk stand darum in Gedanken schon länger auf unserer Einkaufsliste. In den Geschäften des Ortes wurde die Flasche "Edradour Whisky" mit 27 Pfund (ungefähr 45 Euro) dermaßen teuer angeboten, dass wir den Gedanken daran, uns ein hochprozentiges Lebenselexier als Urlaubsandenken mitzunehmen, gleich wieder fallen ließen.



Auch an diesem Abend fanden wir leider keinen der laut Unterlagen doch vorhandenen Pubs, in dem wir unseren Bedarf an Ale hätten decken können. Allerdings fanden wir ein MacDonalds' Restaurant (hier wirklich ein "etwas anderes" - getreu dem Werbeslogan der Kette mit dem M) sowie einen Dodge mit dem britischen Kennzeichen "0004 USA". Was mag der Besitzer sich wohl mit diesem Sonderwunsch gedacht haben? Wie schon am Tag davor begnügten wir uns mit Sprudelwasser aus dem örtlichen Supermarkt (auch an Sonntagen bis 22 Uhr geöffnet!) sowie der einen oder anderen Tasse Nescafe.

Als gebrannte Kinder erkundigten wir uns nochmals nach der voraussichtlichen Abfahrtszeit des morgendlichen Zuges nach Edinburgh. Um 8:16 Uhr sollte dieser losfahren, das hieß für uns sehr früh aufstehen, statt ausgiebigem Frühstück ein Sandwichpaket aus der Hotelküche und weiterer Genuss von selbst zubereitetem löslichem Kaffee auf dem Zimmer.

Weil ich in den letzten Tagen einfach nicht dazu gekommen war, am Reisetagebuch weiter zu schreiben, hatte ich mir fest vorgenommen, die Zugfahrt zum Haymarket zur Wiederaufnahme der Schreibtätigkeit zu nutzen.

Es sollte allerdings wieder einmal ganz anders kommen.