24.03.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Die ScotRail - ein vorzüglicher Dienstleister

Wer früh aufsteht, braucht viiiiiel Kaffee!
Weckzeit? Nö, Schlafenszeit!
Schottland...
...im Sonnenlicht...
...ist einfach...
...immer...
...ein Erlebnis.
Ob grün,...
...ob braun...
...Hauptsache Wasser!
Und das bisschen...
...Regen, das kann doch...
...keinen Seemann erschüttern!

Nach einer unruhigen (weil nervös zugebrachten) Nacht weckte uns der hoteleigene Radiowecker mit der sonoren Stimme des Nachrichtensprechers zur vorbestimmten Zeit: 6 Uhr. Boah, was war ich müde! Auch Horst bestätigte, nicht sonderlich gut geschlafen zu haben und noch rechtschaffend müde zu sein. Half uns allerdings alles nix, wir mussten raus aus den Federn. Nur Lisa schien vom Weckruf verschont geblieben zu sein.

 

Ein paar Tassen Nescafe später musste dann auch sie die warmen Federn verlassen und sich für die Rückreise fertig machen. Mehr als pünktlich übernahmen wir an der Rezeption unseren Reiseproviant (3 Sandwich-Pakete: ungetoasteten Toast mit Schinken, Käse und Butter).

 

Mittlerweile war uns allen die Lust auf Weißbrot in jeglicher Form vergangen, also verstaute ich die Pakete in meinem Rucksack für einen Zeitpunkt, an dem das Hungergefühl die Abneigung gegen dieses Nahrungsmittel übersteigen würde. Die Aussicht auf "vernünftiges" Brot bzw. Brötchen in deutschen Landen machte den Gedanken an die Heimreise etwas weniger traurig. Noch vor 8 Uhr standen wir auf dem zugigen Bahnhof und warteten auf die erste Abfahrt dieses Tages.


Kaum dass dieser Zeitpunkt erreicht war, schallte auch schon die Ankündigung des Bahnbeamten durch die Lautsprecher, der Zug würde nun planmäßig einfahren. Dann passierte lange Minuten nichts. Schließlich korrigierte der gleiche Bahnbeamte bedauernd seine Ansage und verkündete eine "delay" mit der Aussicht, dass um 8:55 Uhr statt der Bahn ein Bus Richtung Perth die Wartenden befördern würde.

 

Damit taten sich bei uns diverse Fragezeichen auf. Würde der Zug denn nicht nur verspätet sein, sondern gar ganz ausfallen? Und wieso eigentlich Perth? Wir wollten doch nach Edinburgh-Haymarket. Würde der Bus denn auch so rechtzeitig eintreffen, dass wir unseren Rückflug um 11:25 Uhr erreichen könnten? Horst und ich fragten uns so lange durch, bis klar war, dass der Bus tatsächlich auch in Haymarket halten würde - aber erst um 11:10 Uhr, viel zu spät für einen Flughafentransfer!

 

Die Erkenntnis war so ärgerlich wie die Lösung unkompliziert: der Bahnbeamte orderte uns kurzerhand ein Taxi, das uns binnen einer guten Stunde zum Flughafen verbrachte. So einfach kann Dienstleistung sein, wenn der Bürokratie eine Absage erteilt wird! In Deutschland hätten wir für dieses Taxi höchstwahrscheinlich ellenlange Belege ausfüllen und womöglich sogar in Vorlage treten müssen. Hier sammelte uns der Taxi-Fahrer einfach ohne große Worte und Unterschriften ein.



"This is for the driver", war der zutreffende Kommentar, als Horst nach dem Einladen des Gepäcks von der üblichen Seite ins Auto steigen wollte - klar doch: Beifahrer sitzen in Schottland links! Auf der völlig entspannten Fahrt erfuhren wir noch diverse Details zur Landschaft und deren Bewohnern. Zum Beispiel die Tatsache, dass die andauernden Streicharbeiten an der Forth Bridge kurz vor Edinburgh sich in dem geflügelten Wort für ewig dauernde, nie fertig werdende Vorgänge niederschlugen "it's like painting the Forth Bridge".

 

Wir bestaunten die riesige Eisenbahnbrücke Firth of Forth Rail Bridge, die zu der Zeit vom Architekten Sir Thomas Bouch geplant wurde, als in einem Orkan 1879 dessen Brücke über den River Tay einstürzte (auch wiedergegeben in einem Gedicht von Fontane "Die Brück' am Tay" mit den Zeilen "Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand"). Ein Zug, der sich zu diesem Zeitpunkt auf der Brücke befand, stürzte in den Fluss. Über 70 Tote hatte der Einsturz zur Folge gehabt.

 

Die Vorschläge des Planers Bouch für die Forth Bridge wurden daraufhin verworfen. Die Angst vor einer Wiederholung spiegelte sich dementsprechend in der massiven Konstruktion der Firth of Forth Brücke wieder, die noch heute die zweitgrößte Auslegerbrücke der Welt ist. Die auf ihr fahrenden Züge schienen wie Spielzeugfahrzeuge zu sein, so winzig waren sie im Vergleich zu den Ausmaßen der Brücke.

Am Flughafen angekommen waren wir mehr als versöhnt mit den Unbillen der schottischen Staatsbahn, hatte sie uns doch zu so viel mehr Einblicken in das Leben der Schotten verholfen und uns die Gesellschaft eines Taxifahrers verschafft, der sicher auch als Fremdenführer geeignet wäre. Außer einem Tip von 5 Pfund für unseren Private-Guide ergaben sich aus dieser Sonderfahrt keine weiteren Ansprüche.

 

Die Fahrt von Pitlochry nach Edinburgh gehört so zu den besonderen Highlights unserer Schottland-Premiere. Dass der Rückflug nach Deutschland mit knapp 20 Minuten Verspätung endete, ist da schon kaum noch der Erwähnung wert. Immerhin hatte der starke Rückenwind eine Top-Speed von 1000 km/h zugelassen. Damit hätte die ursprüngliche Verspätung der Maschine fast wieder hereingeholt werden können, aber eine junge Passagierin hatte es vorgezogen, sich nach dem Einchecken nicht rechtzeitig an Bord zu begeben, wodurch bereits mit dem Wiederausladen ihres Gepäcks begonnen wurde (eine Sicherheitsmaßnahme), als sie endlich - sichtlich unangenehm berührt - den Weg in die Maschine fand. Nun ging es also wieder zurück nach Hause.

Über die Irrfahrten meines Vaters in den Parkhausfluren des Köln-Bonner Flughafens könnte ich noch die eine oder andere Zeile niederschreiben, aber das ist denn doch "reine Familiensache".

Das Wichtigste ist, dass wir jederzeit wieder eine solche Bahntour durch Schottland buchen würden. Vielleicht hätten wir - nach den gemachten Erfahrungen - noch den einen oder anderen Verlängerungstag in Edinburgh gebucht, wären eventuell noch einen weiteren Tag in Mallaig geblieben, um doch noch den verpassten Ausflug auf eine der Inseln oder die so hochgelobte Küstenfahrt mit der Aussicht auf "Whale-Watching" durchzuführen.

Der mitzuschleppende Koffer erwies sich als weitaus weniger hinderlich als erwartet, das Essen als unproblematischer und hochwertiger als befürchtet (wenn man von dem gewöhnungsbedürftigen Frühstücksangebot absieht) und die ScotRail trotz Überraschungen im Fahrplan als absolut kundenorientierter Dienstleister von dem Bahnpassagiere in Deutschland sicher begeistert wären.

Die Schottland-Premiere mit dem Veranstalter Rob-Roy-Tours war überaus empfehlenswert und rundum gut gelungen. Kurz: Schottland hat einen Suchtfaktor! Wir werden auf jeden Fall zum Wiederholungstäter, gern auch wieder per Bahn und Bus. Vielleicht schon im kommenden Jahr, passend zum Edinburgh-Tattoo 2005?!

Wir wurden zum Wiederholungstäter! ;- )
Anderer Tartan, andere Route, anderes Verkehrsmittel - Schottland 2006