23.03.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Ein Cacher auf Tour
Elde bei Plau
Müritz bei Mirow
Müritz bei Klink
Reste der Eisenbahnhubbrücke von Karnin
Strand von Ahlbeck
Strandpromenade
Historische Uhr
Hotel Seeblick
Bauruine wartet auf Umbaufortschritt
Hinweisschild zur Bauruine
Ehemaliges Erholungsheim "Erich Weinert"

Heute hieß es Abschied nehmen von der Müritz. „Wir haben verschlafen, es ist schon 10 Uhr“, weckte mich Horst mit deutlichem Entsetzen in der Stimme. Ich konnte das kaum glauben, waren wir doch in den vergangenen Tagen stets vor 8 Uhr ganz von allein wach geworden. Aber die Anzeige auf dem hoteleigenen Radiowecker am Bett war eindeutig. Wir sprangen also aus den Federn, hinein ins Bad und packten in aller Eile unsere Koffer, um noch etwas vom Frühstück abzubekommen. Schnell den Zimmerschlüssel gegriffen, die Armbanduhr um.... Plötzlich stand ich wie angewurzelt in der schon offenen Tür. Mein Blick war zufällig auf das Zifferblatt gefallen. Die Zeiger tummelten sich unverkennbar im unteren Bereich – gerade mal halb sieben! Jetzt erklärte sich auch die anhaltende Ruhe im Haus. Von wegen 10 Uhr! Bis zur offiziellen Frühstückszeit hatten wir noch eine halbe Stunde Wartezeit. Toll! Der hauseigene Wecker in der Bettkonsole war offenbar defekt und hatte für dieses Verwirrspiel gesorgt. Also alles auf Anfang und mit Ruhe. Wir hatten uns sowieso nicht erklären können, wie wir dermaßen verschlafen konnten.


Nachdem die letzten Tage relativ trocken geblieben waren, stand heute reichlich Regen zu erwarten. Unsere heutige Reiseroute hatte daher zwei mögliche Varianten, je nach Wetterlage. Erst einmal hielten wir uns Richtung Neubrandenburg. Mit unserer Ankunft vor Ort setzte dann auch prompt ein nicht enden wollender Regen ein und verdarb uns nachhaltig das Vergnügen an der tollen Aussicht von einer Plattform südlich der Stadt.

 

Mit uns hatte sich eine ortskundige Frau hierher verirrt, die uns bereitwillig über die architektonischen Fehlentscheidungen der jüngeren Geschichte Neubrandenburgs Auskunft gab und auch über die Historie des Ortes einiges zu erzählen wusste. In strömendem Regen lauschten wir interessiert und bedauerten, von den herrlichen Stadttoren, die wir allesamt passieren würden, nur im Vorbeifahren etwas zu sehen. Trotz Regenjacken waren wir nämlich bereits nass bis auf die Haut, sodass wir keine große Lust verspürten, uns im Verlauf einer Stadtbegehung noch völlig durchtränken zu lassen. Also griffen wir auf Variante zwei des weiteren Reiseverlaufs zurück, und schlugen den direkten Wege nach Usedom ein.

 

Wie das Leben spielt, verbesserte sich kurz darauf die Wetterlage nachhaltig, sodass wir doch noch einen Abstecher nach Ueckermünde wagten. Gern wären wir noch ein wenig durch die hübsche Altstadt geschlendert, aber angesichts unserer nur unzureichend zu tarnenden Habseligkeiten im Auto, verkürzten wir den Stadtbummel drastisch und stärkten uns noch schnell in einer kleinen Pizzeria für die Weiterfahrt.

 

Direkt nach dem Übertritt auf die Insel hielten wir uns rechts und besuchten die Überreste der historischen Eisenbahn-Hubbrücke in Karnin. Leider scheint es dem um den Erhalt des zugehörigen Bahnhofs bemühten Verein nicht gelungen zu sein, das dort eingerichtete Museum am Leben zu erhalten. Als wir dort eintrafen, waren jedenfalls Schilder aufgestellt, die vor dem Betreten des Privatgrundstücks um das ehemalige Bahnhofsgebäude herum warnten. So mussten wir uns mit einigen Aufnahmen des verbliebenen Brückenstücks und des Bahndamms begnügen und setzten unsere Weg bald fort.


Ahlbeck empfing uns mit bedecktem Himmel, aber immerhin war unser Zimmer im Ostseehotel Ahlbeck bereits aufnahmebereit, sodass wir unser Gepäck unterbringen und den Wagen aus dem Halteverbot bugsieren konnten, bevor wir uns bei Kaffee und Kuchen von der Fahrt erholten. Von der Benutzung der hoteleigenen Tiefgarage nahmen wir angesichts der Preise Abstand – 9,50 Euro pro Tag erschien uns doch ein wenig üppig. Stattdessen fanden wir auf der Suche nach dem öffentlichen Parkraum eine private Stellplatzvermietung in fußläufiger Nähe, die uns für beide Aufenthaltstage zusammen 8 Euro abnahm.

 

Unser Zimmer lag in der 3. Etage, die leider nicht direkt per Aufzug zu erreichen war. Wir mussten im 2. Stock aussteigen und über eine Treppe in unseren Flur gehen (gehbehinderte Mitmenschen sollten das bei der Buchung beachten!). Ansonsten war das Zimmer jedoch sehr schön mit kleinem Balkon, auf dem Raucher auch mal eine Zigarette rauchen konnten. Einen Internetzugang gab es allerdings nicht.

 

Auf einem ersten Spaziergang durch den Ort fielen uns eine Reihe eindrucksvoller Villen ins Auge, aber auch ein unschönes Relikt aus DDR-Zeiten: das ehemalige Betriebserholungsheim „Erich Weinert“ (für VEB Leuna Betriebsangehörige), dessen Abriss sich mangels überzeugendem Konzept für einen Neubau schon seit 1994 verzögert. Sehr schön dagegen die alte Uhr direkt vor dem Zugang zur Seebrücke, von der man einen tollen Blick über den gesamten Strand hat.

 

Von der Möglichkeit, über die polnische Grenze hinüber nach Swinemünde zu gehen/fahren, haben wir keinen Gebrauch gemacht. Der Besuch des Polenmarktes wird jedoch vielfältig beworben. Unseren umfangreichen Abendspaziergang schlossen wir mit einem wirklich hervorragenden Abendessen vom Buffet ab. Es gab verschiedene Fleisch- und Fischgerichte, eine riesige Auswahl von weiteren kalten und warmen Speisen sowie etliche Nachspeisen. Da blieben keine Wünsche offen.

 

Das Hotel wirbt übrigens mit großen Aufstellern um auswärtige Gäste, die für angemessene 20 Euro am allabendlichen Buffet teilnehmen möchten. Dies als Hinweis für Menschen, die unsere Lobeshymnen gern einmal nachprüfen möchten, ohne sich hier einbuchen zu wollen.

 

Offenbar hatten uns die zufuß zurück gelegten Kilometer doch mehr als gedacht erschöpft, und so beschlossen wir, uns nicht an die Bar zu setzen, sondern ein frisch gezapftes Bier mit auf unser Zimmer zu nehmen. Dort saßen wir noch eine Weile auf unserem kleinen Balkon und genossen die Aussicht, bevor wir uns in die Federn fallen ließen.