26.06.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Leuchtturm von Buk
Fernblick
Hafenpromenade von Rerik
Strand von Rerik
Windmühle Stove
Der Müllermeister persönlich
Lieber Müller, mahle mir...!
Alte Mühlsteine
Habe fertig!
Kirchsee auf Poel
Ein Tässchen für Mami...!

Der letzte Windmüller Deutschlands

Für den heutigen letzten Urlaubstag hatten wir uns nochmals einige Streckenkilometer und mögliche Fundstellen für Geocaches vorgenommen. Erster Halt: der Leuchtturm Buk bei Bastorf. Auf die unseres Erachtens recht späte Öffnung (11 Uhr) warteten an diesem Morgen mit uns noch einige Familien, denen wir in Unkenntnis der Einlassmodalitäten allesamt den Vortritt ließen.

 

Der Haken: Der Leuchtturm ist mit einer so schmalen Aussichtsgalerie bestückt, dass nur wenige Personen gleichzeitig eingelassen werden können. Man muss also stets so lange warten, bis von den ersten Besuchern einige genug gesehen haben, um selbst in den Genuss des Blicks von oben zu kommen. Es dauerte also entsprechend lange, bis auch wir endlich zu der Gruppe gehörten, die als nächstes hinauf auf den Turm gehen durfte. Für den Spaß haben wir pro Person 2 Euro bezahlt.

 

Unsere nächste Station führte uns in das kleine Örtchen Rerik am Salzhaff. Ganz anders als im nahen Kühlungsborn hielten sich die Besucherströme hier in sehr überschaubaren Grenzen, was insbesondere am wunderschönen Strand deutlich wurde. Dafür sei – so die Bedienung eines Lokals nahe des kleinen Hafenbereichs – aber auch nicht viel mehr als eine Tour mit dem Ausflugsschiff an Unterhaltung geboten. Wer Ruhe und Erholung sucht, mag damit sehr zufrieden sein. Wir könnten uns jedenfalls sehr gut vorstellen, hier unseren Urlaub zu verbringen. Aber das müssen wir ja keinem erzählen, sonst ist es mit der Ruhe auch hier bald vorbei...!


Auf unserem Weg in Richtung Insel Poel stießen wir bei Boiensdorf in der Gemeinde Stove auf die dortige Holländer-Windmühle, in der an diesem Tage glücklicherweise das wöchentlich stattfindende Schaumahlen durchgeführt werden sollte (jeden Mittwoch von 13 – 16 Uhr). Müllermeister Rudolf Goldbach begann seine Führung allerdings mit der für uns nicht sofort verständlichen Bemerkung, wir hätten etwas mehr Wind mitbringen sollen.

 

Draußen drehten sich die Flügel in unseren Augen mit beachtlicher Geschwindgkeit und auch im Innenraum war der Schwung des Mühlenantriebs noch deutlich hör- bzw. fühlbar. Der Müllermeister aber klärte uns auf, dass die jetzige Windstärke 3 – 4 nicht einmal der üblichen Stärke zum Bereiten von Schrot entspräche und man durchaus bis zur Windstärke 11 Mehl herstellen könne. Man beachte: ab Windstärke 12 redet man im Allgemeinen von einem Orkan! Windstärke 5 sei das absolute Minimum für die Herstellung von Mehl. Alle Achtung!

Wir hatten das Glück, dass der Wind dann doch noch etwas auffrischte und sich ein Kunde für eine Ladung frischen Schrot ankündigte. Mitten in unserer Führung setzte plötzlich ein munteres Mühlenaufzugfahren (nein, nicht wir, nur der Müller und sein Helfer!), Rohrverstopfungsbeseitigen und Mahlprozessbeobachten ein – spannend! Auf dem doch knapp bemessenen Raum der einzelnen Arbeitsebenen standen die handvoll Besucher laufend irgendwie im Weg, während der Müller und sein Gehilfe mit Säcken hantierten, Treppenstiegen, sich per Zug am Seil mit dem Aufzug nach unten beförderten und dafür sorgten, dass aus Roggen oder Gerste das gewünschte Schrot vermahlen wurde.

 

Inzwischen wussten wir, dass Herr Goldbach der einzige noch werktätige ausgebildete Windmüllermeister Deutschlands ist – eine aussterbende Art – und sein Handwerk Ende der 40er Jahre genau in dieser Mühle erlernt hatte. Unser Respekt vor diesem alten Handwerk war deutlich gewachsen. Bereitwillig stellte sich der Müllermeister am Ende unseres Besuchs noch mit der vollen Schütte an den fertigen Mahlgutsack – anders konnten wir die flinken Hände einfach nicht auf's Foto bannen. Dann ergriffen wir noch die Gelegenheit, uns mit frischem Brot aus mühleneigener Herstellung auszustatten (3 Euro der Laib), und bedankten uns für die sehr lehrreiche Führung.


Nach wenigen Autominuten trafen wir anschließend auf der Insel Poel ein, und zwar am Hafen Kirchsee, der wirklich sehr malerisch in der Landschaft liegt. Hier machten wir einen Zwischenstop in einem der schönen Lokale am Anleger, sahen einlaufenden Yachten und „kunstspringenden“ Jugendlichen zu, bis uns aufziehende Gewitterwolken mahnten, nun doch den Heimweg anzutreten. Kaum saßen wir im Wagen, tröpfelten auch schon die ersten Regentropfen auf uns nieder. Bis zum Eintreffen am Hotel hatte sich der Schauer allerdings erledigt und wir kamen trockenen Fußes zu einem Abendessen sowie einem abschließenden Capuccino bei unserem Lieblings-Eiscafé. So endete unser letzter Tag vor Ort. Morgen nach dem Frühstück würden wir unsere Entdeckungstour im Osten der Republik beenden und zurück nach Oberhausen aufbrechen. Schade!