24.03.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Deutschland / Ostsee 2008 / Montag, 21. Juli 2008 / 
Kirchenschmuck
Stundengläser
Kanzel
Taufengel vor Altar
Kitesurfer von nah...
... und von weit
Hafenblick

Haffrundgang

Grau und regnerisch empfing uns der Morgen unseres ersten Urlaubstages in Rerik. Gleich nach dem Kaffee - wir hatten das Appartement bewusst ohne Frühstück gebucht - wollten wir uns im nahe gelegenen Geschäft mit ein wenig Proviant eindecken und uns danach zu einer Führung in die Pfarrkirche begeben. Zwischen 10 und 12 Uhr jeden Montag findet diese Führung statt.

 

Die von außen recht schmucklose Kirche überraschte uns direkt beim Eintritt mit dem besagten reichlich verzierten Interieur. Der Führer erklärte uns den Sinn der Decken- und Wandmalereien, von denen derzeit hauptsächlich die barocken Gemälde sichtbar seien. Unter diesen Malereien befänden sich allerdings weitere älteren Datums, die man an verschiedenen Stellen freigelegt habe, an denen die barocken Malereien beschädigt gewesen seien. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten hätten in den letzten Jahren stattgefunden und seien noch geplant.

 

So sei der alte Taufstein der Kirche aus dem 13. Jahrhundert, der in drei Teile zerbrochen gewesen sei, wieder zusammengefügt und seinem vorgesehenen Zweck wieder zugeführt worden. Auch der im Altarbereich von der Decke herab hängende Engel würde heute wieder zu Taufzwecken eingesetzt, was die Pfarrer etliche Jahre lang abgelehnt hatten. Die Ablehnung beruhte auf den Versuchen der Gemeinde, aus den Drehbewegungen des Engels das Schicksal des Täuflings abzulesen. Um dem "Aberglauben" vorzubeugen, würde der Engel heute vor der Zeremonie herabgelassen und fixiert.

 

Die drei Sanduhren an der Kanzel gaben der Gemeinde in früheren Zeiten einen Anhaltspunkt über die Länge der Predigt, die historisch oft drei oder vier Stunden andauern konnte. In heutigen Zeiten sei das kaum vorstellbar. Schließlich hatte die Predigt damals noch eine Nachrichtenfunktion, die heute von den Medien übernommen würde. Dass sich vom Einsatz der Sanduhren als Uhrenglas(!) der Ausspruch „schenk mir noch ein Gläschen“ ableitet, war uns absolut neu.

 

Interessant fanden wir auch die Geschichte um die Kirchenglocken, von denen es leider nur noch eine kleine im Glockenturm gibt (die übrigen sind zerstört worden), die ihrerseits lange Zeit als verschollen galt, bis man sie zufällig bei Fundamentsarbeiten am Turm wiederfand. Sie müsste dringend restauriert werden, was aber mehrere zehntausend Euro verschlingen würde. Geld, das momentan einfach nicht vorhanden sei. Allein die neue Treppe hinauf in den Glockenturm (89 Stufen) habe mehr als 100.000 Euro verschlungen. Der Ausblick von dort oben lohnt die Investition, finden wir. Unseren Obolus zur Erhaltung der Kirche haben wir gern entrichtet.

 

Rerik besitzt zwei unterschiedliche Wasserseiten: einmal die Ostsee, in die auch die Seebrücke ragt und auf derem feinsandigen Strand die Urlauber in Strandkörben den Tag am Meer verbringen; außerdem das Salzhaff, das man – so man will - mit Ausflugsschiffen oder Mietbooten befahren kann, wenn man denn kein eigenes Wassersport-Vehikel besitzt. Gestartet wird in dem Fall vom kleinen Hafen des Ortes, dessen Promenade von den typischen Läden gesäumt wird, die in keinem Küstenort fehlen.

 

Etwas abseits der lebhaften Hafenszene haben die (Kite-)Surfer ihr Revier. Dank des heftigen Küstenwindes und trotz des gelegentlichen Regens konnten wir einige tolle Sprünge und rasante Fahrten beobachten, während wir unauffällig die Stationen unseres „Multi-Caches“ abliefen und schließlich unser Fundstück hoben. Den Erfolg dieses Teils unserer Tagestour krönten wir mit einem herrlichen Capuccino und frischer Sanddorntorte. Abends würden wir das Restaurant des Hotels ausprobieren, denn für heute hatten wir unseres Erachtens genug gewandert und erlebt.