24.03.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Hier geht's los...!
...und zwar hiermit!
Alle Mann an Bord!
Poel ahoi!
Nicht Ärmel sondern Hosenbeine hochkrempeln...
...und an Land waten!
Frauen und Kinder zuerst...
...oder doch erst die Räder?
Männer in tragender Rolle.
Das Haff ist ein flaches Gewässer wie man sieht.
Badewetter am Salzhaff
Nochmal: Wandertag
Watt mutt, datt mutt!

Ausflug nach Poel

Da wir am Vortag sehr früh in den Federn gelegen hatten, fing unser heutiger Urlaubstag ungewöhnlich zeitig an: bereits gegen 7 Uhr war Schluss mit der „Nachtruhe“. Wir hatten uns das Appartement ohne Frühstück gebucht und genossen unseren Kaffee zunächst ohne Beiwerk. Später würden wir uns wieder frische Brötchen für unterwegs schmieren. Wohin es gehen sollte, war noch zu entscheiden. Wismar stand ganz oben auf unserer Wunschliste, gefolgt von Poel, der Halbinsel am anderen Ende des Salzhaffs. Von hier, so wussten wir, gab es eine Schiffslinie nach Wismar, das man von Rerik aus nur per Auto oder Bus ansteuern konnte.

 

Im Hafen hatten wir gelesen, dass die Barkasse „MS Salzhaff“ im Pendelverkehr zwischen Rerik und Poel fuhr. Also begaben wir uns kurzentschlossen an die vermeintliche Anlegestelle des Schiffs. Dort lag jedoch das Fahrgastschiff „Ostseebad Rerik“, dessen Besatzung uns über die tatsächliche Anlegestelle der Barkasse aufklärte. Recht zweifelnd standen wir schließlich vor einem kleinen Holzsteg, auf dem wir uns später beim Betreten des Schiffs um ein Haar nasse Füße holten. Unser Erstaunen nahm noch zu, als einer der hilfreichen Herren in T-Shirt und Badehose uns über die Tatsache informierte, dass man Poel nur watend durch das mindestens bis zu den Knien reichende Wasser würde betreten können. Ungläubig hörten wir, dass am Vortag sogar einige hundert Meter weit durch das Wasser gegangen werden musste, während heute lediglich ca. 15 Meter zu überwinden sein würden. Insbesondere die Fahrgäste mit Fahrrädern und Kindern sowie eine Familie mit Kinderwagen empfanden diese Mitteilung als durchaus diskussionswürdig.

 

Unterwegs beglückwünschten wir uns zu der Entscheidung, bereits vor dem Ablegen an das Auftragen von Sonnenschutz gedacht zu haben, denn die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel auf uns herab, während uns der kühle Fahrtwind in trügerische Sicherheit wog. Das kannten wir schon von unserer 7-Seen-Tour auf der Müritz aus dem Vorjahr, bei der wir uns aus purem Leichtsinn einen herben Sonnenbrand eingefangen hatten – und das bei teilweise bedecktem Himmel.

 

Während wir entlang der „verbotenen Insel“ Wustrow schipperten, erfuhren wir einiges zur Historie und möglichen Zukunft dieser ehemaligen Militärbasis aus DDR-Zeiten. Der Schiffsführer machte Witze über die Deutsch-Russische Freundschaft („Die Russen bekamen alljährlich von jedem Bürger der DDR je eine Ostmark. So hatten die Russen das Geld und die Bevölkerung der DDR die Freundschaft.“) und die fehlgeschlagenen Sprengversuchen am Schutzgebäude an der Inselspitze. Außerdem erfuhren wir, dass in der Realität jeder Kontakt zwischen Soldaten der DDR und ihren „Freunden“ der russischen Armee verhindert wurde. Zu einiger Belustigung führte der Bericht, dass sich aus den Wildschweinen der Gegend und den zur Selbstversorgung gehaltenen Hausschweinen der Volksarmee eine heute wild lebende Mixtur entwickelt habe, von der sogar ein Exemplar mit „wallendem blonden Haar, wie bei der Monroe“ gesichtet worden sei. Dies entspräche wirklich und wahrhaftig den Tatsachen und sei nicht erdichtet, wurde betont.

 

Am Ende der Fahrt hatten viele Fahrgäste große Lust auf einen Besuch von Wustrow. Dieser ist bisher nur mit Führung erlaubt gewesen, wurde dann aber auch dem bekannten Fachmann der Gegend untersagt, dessen Buch man jedoch erstehen könne. Das Verbot des Betretens wurde bereits 2004 von derzeitigen Eigentümer ausgesprochen, einem Investor, der dort schon seit einiger Zeit eine noble Unterkunftsstätte plant, sich aber mit der Gemeinde vor Ort im Clinch befände. Enttäuschung machte sich breit. Tatsächlich ist das Gebiet weiträumig abgesperrt und eingezäunt, wie wir bei unserer Rückkehr nachprüften.

Bis auf den angekündigten Gang durchs Wasser, bestanden beim Betreten von Poel keinerlei Hindernisse. Menschen mit geringerer Körpergröße (also beispielsweise Anke) entledigten sich spontan ihrer Beinkleider, da reines Hochkrempeln nicht ausreichte. Vorsichtig bahnte sich die Schlange ihren Weg über den glitschigen Haffgrund an die Küste. An dieser Stelle waren wir doch froh, keine unhandlichen Gegenstände – wie beispielsweise Fahrräder - oder gar Kinder tragen zu müssen. Kaum an Land wurde uns klar: ohne einen fahrbaren Untersatz würden wir die Erkundung der Insel wohl kaum bis zum vorgesehenen Zeitpunkt der Rückfahrt schaffen. Wir hatten die Distanzen deutlich unterschätzt. Also legten wir kurzentschlossen einen Zwischenstopp in einem kleinen Lokal ein und genossen zu Spottpreisen Kaffee und Kuchen: 2,80 Euro für frischen Apfelkuchen mit Sahne und eine Tasse Kaffee!

 

Als wir später wieder an Bord gehen wollten, war noch weniger Wasser im Haff vorhanden, sodass der Schiffsführer seine Barkasse trotz des geringen Tiefgangs von etwa 40 cm sehr weit vom Ufer entfernt festmachen musste. Aus den etwa 15 Metern vom Vormittag waren locker 150 Meter geworden, die wir zurückzulegen hatten, bevor wir ablegen konnten.

 

Noch während die Fahrgäste sich zum Schiff vorkämpften, sank der Wasserspiegel weiter, sodass uns der Kapitän schließlich bitten musste, uns alle in den vorderen Schiffsbereich zu begeben, um das Heck freizubekommen und ablegen zu können. Dieses Abenteuer sein im Fahrpreis inklusive, flachste die Mannschaft und streute das Gerücht, dass die kräftiger gebauten Personen notfalls auszusteigen und zu schieben hätten, bis wir frei kämen. Dazu kam es zwar nicht. Entgegen der Routine wurden die weiteren Anlegestellen unterwegs ausgespart. Zu groß war das Risiko, auf Grund zu laufen. In der Tat konnten wir fast durchgehend den Grund des Haffs erkennen, das nur entlang einer Fahrrinne für die großen Segelyachten auf wenige Meter ausgebaggert worden sei und vielfach kaum über einen Meter Wassertiefe habe.

 

Durch den anhaltenden Sonnenschein und den vielen Wind waren wir nicht nur ziemlich durstig, sondern auch recht müde geworden. Ein letztes Abendessen vor Ort nahmen wir beim Italiener nahe unserer Unterkunft ein, dann war auch dieser Urlaubstag Geschichte. Bald begaben wir uns in unsere Betten und bereiteten uns innerlich schon auf den frühen Abschied von hier in Richtung Rügen vor.