23.08.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Zickersche Alpen
Sonne satt auf dem Wanderweg
Typische Angaben zum Großsteingrab
Großdolmen I
Großdolmen II
Kaffeetzeit mal anders!
Stimmungsvolle Kaffeetafel
Kuchentheke
Naschwerk: verführerisch!

Mit GPS auf Entdeckungstour auf Möchsgut und Ost-Rügen

Wir haben schon oft davon erzählt, dass wir durch unser Hobby „Geocaching“ (siehe auch: Was Fredi mag!) an Orte vorgestoßen sind, die wir ansonsten wohl nicht entdeckt hätten. Zu Hause hatten wir dementsprechend vorgesorgt und uns einige interessant klingende Caches notiert, von denen es auf ganz Rügen mehr als genug für unseren Aufenthalt gab. Ein gutes Dutzend davon fassten wir für den heutigen Tag ins Auge, alle nicht weiter als ein paar Autominuten entfernt von unserem „Stützpunkt“.

 

Erste Entdeckung: völlig unverdient fristet das Örtchen Zicker im Süd-Osten der Insel ein Dasein abseits der Touristenströme. Schon auf dem Parkplatz bot sich uns ein herrlicher Ausblick auf die Küstenlandschaft. Nach Überwindung etlicher Höhenmeter – die natürlich echte Bergwanderer nur belächeln werden –, die der Cache-Owner als „Zickersche Berge“ bezeichnet (und die von Einheimischen tatsächlich "Zickersche Alpen" genannt werden), genossen wir noch einmal den atemberaubend schönen Ausblick auf Meer und Küste. Dieser Weg hatte sich wirklich gelohnt!

 

Unweit des ersten Fundortes waren wir über ein Schild mit der Bezeichnung „Nonnenloch“ gestolpert, was auch der Name unseres nächsten Caches sein sollte. Unsere Anfangskoordinaten waren allerdings ein gutes Stück entfernt. Vor Ort war des Rätsels Lösung schnell gefunden: ein sogenannter „Multi“ sollte gelöst werden, also eine mehrgliedrige Aufgabe, an deren Ende man schließlich die Fundkoordinaten des Caches errechnet haben würde. Noch einmal „in die Berge“ wollten wir an diesem Tage nicht, also verschoben wir diese Entdeckungstour. Allerdings ist die Sage, die sich um dieses Nonnenloch spinnt, eine ziemlich interessante Geschichte.

 

Schon auf dem Weg hierher war uns am Straßenrand das Flügelrad des – nach Angaben des Cache-Owners einzig noch erhaltenen - Windschöpfwerkes bei Lobbe aufgefallen. Aufgrund des starken Windes konnten wir das Relikt historischer Entwässerungstechnik in Aktion beobachten. Sollte es mit den Energiekosten weiter aufwärts gehen, werden sich die Erbauer von heutzutage mit Generatoren betriebenen Exemplaren (von denen es auf Rügen mehr als 60 Stück gibt) vielleicht doch wieder auf die gute alte Windkraft rückbesinnen.

 

Unser nächster Anlaufpunkt war eine steinzeitliche Anlage von Hügelgräbern, die der Fachmann Großdolmen nennt. Bei solchen Grabstellen, die im Volksmund auch Hünengräber heißen, sind mehrere sehr große Felssteine zu einer geschlossenen Grabkammer zusammengestellt. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, auf solchen Hügeln und vor diesen mächtigen Gesteinsbrocken zu stehen und zu wissen, dass hier in der Jungsteinzeit und Bronzezeit unsere Ahnen ihre Toten zur letzten Ruhe betteten. In ganz Mecklenburg-Vorpommern findet man eine große Zahl solcher Grabstätten, oft mitten auf bewirtschafteten Äckern.

 

Im Durchfahren der Ortschaft Zirkow, bei denen wir diese Grabstelle gefunden hatten, zeigte unser Navi einen weiteren Cache an, den wir bisher gar nicht gelistet hatten. Vor einer Kirche, an der der Zahn der Zeit schon sehr heftig genagt hatte, parkten wir den Wagen und gingen die wenigen Stationen des Multis ab, wobei wir beispielsweise darüber aufgeklärt wurden, dass die Bronzeglocke der Kirche die zweitälteste auf ganz Rügen sei. Geschafft stellten wir fest, dass bereits Kaffeezeit war und wir noch nichts im Magen hatten außer ein paar Schlucke Wasser.

 

Einer Eingebung folgend, kehrten wir in einem nahe liegenden Café ein, auf das ein Hinweisschild mit einem schokoladenverschmierten Kindergesicht verwies. Unsere Überraschung war recht groß als wir entdeckten, dass hier liebevolle Hände ein Kleinod der Kaffeehauskultur geschaffen hatten. Wir bekamen wunderbare Ananastorte zu hervorragendem „Kaffee mit Loch“ (was so viel hieß wie „mit Nachfüllgarantie bis zum Abwinken“) aus Geschirr, das uns wie Sammeltassen vorkam, und zu Preisen, über die man nicht meckern konnte. Herrlich! Gestärkt und ausgeglichen setzten wir unseren Weg fort.

 

Als nächsten und letzten Ausflugspunkt gönnten wir uns noch einen Besuch in Prora, dem ehemaligen KDF-Bad („Kraft durch Freude“ – ein Leitspruch der Nazis). Der Gegensatz zum beschaulich-verträumten Örtchen Zirkow mit seinem romantischen kleinen Café konnte kaum größer sein: mehr als vier Kilometer zieht sich der graue Beton in monotonem Baumuster am Strand entlang. Wir fragen uns, warum man dieses abschreckende Beispiel hässlichster baulicher Fehlplanung hier stehen lässt. Die wenigen Künstler und Einzelunternehmer, die sich zumindest in einem Teil des Bauwerks angesiedelt haben, verdienen Respekt für den Versuch, dem Monstrum doch noch irgendwie Leben einzuhauchen. Wir hätten es „platt gemacht“, müssen wir zugeben.

Erschöpft planten wir einen kurzen Halt an einem Einkaufszentrum ein, um unseren Vorrat an Wasser und Lebensmitteln zu ergänzen. Dummerweise hatten auch tausende anderer Touristen ähnlich gelagerte Pläne, und so spielten sich rund um die begrenzten Parkflächen und die nahe Tankstelle beeindruckende Fahrmanöver ab. Wir waren letztlich froh, mit heiler Haut und unbeschädigtem Auto aus diesem Abenteuer hervor gegangen zu sein, und beschlossen, das Abendessen in den heimischen vier Wänden einzunehmen, um uns nicht noch einmal ins Getümmel stürzen zu müssen. Für den folgenden Tag durften wir getrost annehmen, auf ähnlich quirlige Verkehrssituationen zu treffen, also planten wir einen freiwilligen autofreien Sonntag ein.