16.06.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Anleger Ralswiek
Schloss Ralswiek mit Festspielplatz
Blick auf Festspielbühne
Wittower Fähre
Blick auf Hiddensee
Hiddensee voraus
Pferdefuhrwerke
Alte Windmühle (leider ohne Flügel)
Gerhard-Hauptmann-Haus
Blaue Scheune

Hiddensee

Bereits um kurz nach halb 8 Uhr saßen wir im Auto Richtung Ralswiek. Über fast menschleere Straßen erreichten wir unser Ziel deutlich schneller als erwartet, sodass wir am Anleger noch ausreichend Zeit für die Betrachtung der Landschaft hatten. Als der Zeitpunkt der Abfahrt näher rückte, trafen immer mehr Reisende ein, die gleichfalls nach Hiddensee oder auch zu einer Radtour ab Breege-Juliusruh aufbrechen wollten. Später erklärte uns der Kapitän, dass ca. 120 Personen allein in Breege zusteigen würden, wo das Schiff einen Zwischenstopp auf seinem insgesamt 2,5 Stunden dauernden Weg durch die Boddengewässer einlegt.

 

Wir genossen die ruhige Fahrt bei bestem Sommerwetter und erfuhren vom Kapitän noch einige wissenswerte Details zur Geschichte dieses Landstrichs, der offenbar wegen seiner guten Lage einmal ein umkämpfter Flottenstützpunkt für Handels- und Kriegsschiffe gewesen sein muss. Dänen und Schweden stellten zu jener Zeit die Machthaber. Vor Auftreten der Dampfschifffahrt seien allein in Breege mehr als 50 Segelschiffe in das entsprechende Verzeichnis eingetragen und mehrere hundert Mann Besatzung hier ansässig gewesen. Erstaunlicherweise musste das Schiff eine kurvenreiche Fahrt durch die Boddengewässer lenken, denn die Fahrrinne war recht schmal und der Bodden außerhalb des Fahrwassers oft nur knapp einen Meter tief. Tatsächlich standen gar nicht weit entfernt Badende im Wasser und winkten uns zu. Die Begegnung mit anderen Fahrgastschiffen oder großen Seglern geriet zur Maßarbeit.

 

Schon bei Eintreffen in Hiddensee hatten wir nicht nur eine Menge neues gelernt, sondern auch reichlich Sonne getankt und traten dementsprechend vorbelastet den Weg vom Hafen der Ortschaft Vitte in der Inselmitte nach Kloster am Nordende der Insel an. Dort würde sich nicht nur das Gerhard-Hauptmann-Haus, sondern auch der Leuchtturm auf dem Dornbusch befinden, den wir erklimmen wollten. Leider erwies sich der Weg nach Kloster als völlig unbeschattet. In Kloster angekommen hing uns förmlich die Zunge aus dem Hals (obwohl wir unseren mitgebrachten Wasservorrat im Rucksack schon deutlich dezimiert hatten) und unser einziger Gedanke war der an ein kühles Getränk und ein schattiges Plätzchen, um uns zu erholen. Wir ließen also den noch gut 1,5 km entfernten Leuchtturm Leuchtturm sein und begaben uns ohne Umwege in eine der Gastwirtschaften.

 

Hiddensee ist mit Sicherheit eine liebenswerte Insel mit historisch interessanten Gebäuden und Geschichten. Aufgrund der anhaltenden Hitze konnten wir weder das eine noch das andere gebührend würdigen. Für eine Tagestour sollte man einen Mindestaufenthalt von 4 Stunden haben, um zum Beispiel die ca. einstündige Wanderung zwischen Kloster und Vitte ohne großen Stress bewältigen zu können und noch Reserven für eine Leuchtturmbesichtigung und eine Rast zu haben. Nicht zu unterschätzen ist zur Sommerzeit die pralle Sonne, vor der es größtenteils keinen Schutz gibt. Das Ausleihen von Fahrrädern sei dringend empfohlen - im Hafen ist das etwas teurer als in den Ortschaften.

 

Wer in Neuendorf im Süden von Hiddensee die Gegend erkunden möchte, hat mit Sicherheit ein Zeitproblem, denn der Weg zwischen dieser Ortschaft und Vitte ist beträchtlich länger als der Weg ziwschen Vitte und Kloster. Die im Ort und am Anleger verfügbaren Pferdefuhrwerke fahren nicht zu allen Zeiten dorthin. Wir entdeckten lediglich eine Hinweistafel für eine Nachmittagsfahrt, die mit der Abfahrt unseres Schiffes kollidierte. Es gibt einen Linienbus, über dessen Takt wir uns allerdings nicht informiert haben.

 

Von und nach Ralswiek fuhr das Schiff der Reederei Kipp leider nur einmal am Tag, und das auch nur von Montag bis Freitag. Ab Breege hätte man jeweils drei unterschiedliche Abfahrts- und Ankunftszeiten wahrnehmen können, sodass der Aufenthalt auf Hiddensee deutlich länger als 4 Stunden hätte dauern können und damit deutlich mehr Zeit für die Besichtigung der Insel gelassen hätte. Als Alternative zur Reederei Kipp sei noch die Reederei Hiddensee erwähnt, die ab Schaprode, Stralsund und Wiek alle drei Ortschaften der Insel mehrfach am Tag ansteuert und damit sehr viel mehr Flexibilität für einen Besuch ermöglicht.

 

Der Rückweg von Kloster zum Hafen Vitte forderte nochmal vollen Einsatz an Willensstärke und brachte uns an den Rand unserer Leistungsfähigkeit. Einige unserer Mitfahrer hatten von der Alternative zum Fußweg Gebrauch gemacht und sich mit Pferdefuhrwerken für 9 Euro pro Person nach Kloster und zurück chauffieren lassen. Die Kutschen konnten schon auf dem Schiff vorab gebucht werden. Dies wäre der deutlich schonendere Weg gewesen, mussten wir zugestehen. Wir hatten die Auswirkung der Sonnenbestahlung absolut unterschätzt. Die Rückfahrt auf dem Schiff brachte zwar dank des Fahrtwindes ein wenig Erholung, fand allerdings ebenfalls unter strahlend blauem Himmel statt, an dem nicht ein einziges Wölkchen zu entdecken war.

 

An diesem Abend mussten wir uns förmlich unter der Dusche weg zwingen, um noch ein Abendessen zu bekommen, bevor wir völlig erschöpft in unsere Federn fielen. Am Ende dieses Tages hatte sich Ankes Neuerwerb, ein Paar gute Wanderschuhe, als absoluter Fehlkauf erwiesen, denn es war zu schmerzhafter Blasenbildung gekommen. Der nächste Tag sollte insbesondere mit Rücksicht auf diesen Tatbestand mit weniger Fußweg und deutlich weniger Zeitdruck ablaufen, nahmen wir uns vor. Als Expeditionspunkt wurde Kap Arkona ins Visier genommen.