24.03.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Deutschland / Ostsee 2008 / Samstag, 2. August 2008 / 

Süd-Fehmarn

Das sonnige Wetter lockte uns prompt nach dem Frühstück hinaus auf Entdeckungstour. Im Süd-Osten der Insel hatten wir bereits bei unserem ersten Aufenthalt hier einige interessante Punkte entdeckt. So zum Beispiel das Museum Katharinenhof. An der nahe gelegenen Küste gibt es sehr schöne Strandabschnitte und Wanderwege bis an die Steilküste von Staber Huk. Wir nutzten die Gelegenheit, auf dem Küstenweg einige Caches zu loggen und wunderten uns noch einmal darüber, dass viele Besucher in „wilden Klos“ ihre Notdurft verrichten, was den Naturgenuss deutlich beeinträchtigt. Immer wieder stießen wir auf entsprechend benutzte Taschentücher neben unverkennbaren „Haufen“. 'Gibt es auf Fehmarn eigentlich keine Toiletten?', fragten wir uns kopfschüttelnd.

 

Da uns das „Café im Hof“ in der Stadtmitte von Burg an unserem Ankunftstag sehr gut gefallen hatte, führte unsere Tour zur besten Kaffeezeit fast automatisch dorthin. Wir können sowohl den Käse- als auch den Apfel- oder den Rhabarberkuchen genau so empfehlen wie den Cappuccino. Anmerkung für Teefans: das integrierte Teekontor duftet verführerisch! Jede Sorte darf auch im Lokal verkostet werden. Wer weder mit Kaffee noch Tee etwas anfangen kann: man kann hier auch Alster trinken.

 

Einer spontanen Eingebung folgend, besuchten wir noch eines der Wahrzeichen von Burg: die St.-Nikolai-Kirche. Zwar blieb uns der dort deponierte Cache trotz eifriger Suche verborgen, aber das frisch restaurierte Innenleben des Gotteshauses entschädigte uns für dieses Frusterlebnis. Wir schossen einige schöne Aufnahmen von den Schmuckstücken des Hauses, beispielsweise dem alten Bronze-Taufbecken von 1391 und dem Flügel-Altar, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert.

 

Wieder war unsere Entdeckungstour zu einer sehr schweißtreibenden Angelegenheit geworden. Bevor wir also zum Abendessen nach Burg zurückkehren würden, war dringend eine kalte Dusche angesagt. Nach kurzer Verschnaufspause machten wir uns gegen 20 Uhr wieder auf den Weg in die Innenstadt. Bereits während des Tages ist Burg in der Hochsaison ziemlich überlaufen. An diesem Abend aber kam noch eine zusätzliche Veranstaltung (gesucht wurde „der Insel-Star“!) auf dem Rathausplatz hinzu. Resultat: es war nahezu unmöglich, einen freien Sitzplatz in den Innenstadt-Lokalen zu ergattern. Wir dehnten unsere Suche also auf die Nebenstraßen aus – und wurden fündig: das Lokal „Zur Traube“ hatte am Dienstag der Vorwoche neu eröffnet und lockte mit freien Plätzen in seinem chicem Biergarten.

 

Schnell wurde klar: besonders im Service des Hauses haperte es noch gewaltig. Die von uns als Bedienung angesehene Frau entpuppte sich als „Notstopfen“, deren Mann den Koch des Hauses gab. Ihre Service-Kraft sei „noch nicht da“, hörten wir später von ihr. Ganz offensichtlich war die Frau mit ihrer Arbeit an der Kundenfront absolut überfordert. Zu Anfang warteten wir ungewöhnlich lange darauf, eine Getränkebestellung aufgeben zu können. Dafür erhielten wir jedoch gleich zweimal die aus einer Seite bestehende Speisekarte „für die Eröffnungswoche“. Später sollten wir eine gute halbe Stunde auf unsere Vorsuppe warten, die zwar mit knackig frischen Gemüsestreifen glänzen konnte, aber bei aller Liebe nicht als Hühnerbuillion zu identifizieren war.

 

Als Hauptgang hatten wir Schweinefilet mit frischen Pfifferlingen und Spätzle vorgesehen und staunten nicht schlecht, dass auch Champignons die überschaubare Anzahl von Pfifferlingen ergänzten. Sollte das Essen etwa mit preiswerteren Zutaten „gestreckt“ werden, damit der angenehm günstige Preis (12,90 Euro) gehalten werden konnte? Man konnte schon ins Grübeln kommen. Das rein subjektiv betrachtet an der Suppe fehlende Salz wurde für unseren Geschmack zu reichlich zum Würzen der Soße verwendet, fanden wir. Da auch der auffällig unsicher herumlaufenden Hausherrin kaum Grund zum Lächeln gegeben schien, brachen wir recht unzufrieden mit unserer gastronomischen Entdeckung unmittelbar nach dem Essen wieder auf. Immerhin waren wir satt geworden.

 

Es bleibt die Frage, wie man im hohen Norden der Republik darauf kommen kann, schwäbische Küche etablieren zu wollen, zumal wenn es an Fachpersonal fehlt, das die für unser Empfinden eher durchschnittliche Küche zumindest durch kompetenten Service an den Mann oder die Frau bringen könnte. Mit einer einzelnen Servicekraft – und sei sie noch so versiert und professionell (sollte diese überhaupt noch zu bekommen sein in der laufenden Saison) ist gerade in der Hochsaison die Bedienung von Biergarten und Innengastronomie nicht zu schaffen. Kein optimaler Start für den „Newcomer“.