20.10.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Nachmittagslicht im Canyon
Die Farben wechseln mit dem Licht
Tiefe Furchen
Spots
Größenvergleich: Rainer auf dem Plateau
Vom Plateau aus aufgenommen: Melita und Anke (unter dem Mond) in sicherer Distanz
Jochen ganz vorn an der Kante

Endlose Weiten: Grand Canyon

Das fängt ja schon gut an: der voreingestellte Wecker hatte nicht funktioniert, und so sprangen wir entgegen unserem Plan nicht erst unter die Dusche sondern sofort in die Klamotten. Ein Coffee-to-go, erworben beim Kaffeestand im Foyer, musste für den Anfang genügen. Wir würden auf dem Weg zur nächsten Station, dem Grand Canyon, ein "richtiges Frühstück" einnehmen.

 

Durch die starken Baustellenaktivitäten war der Hoover Dam nicht abbildbar, also blieb uns Zeit für eine ausgedehnte Frühstückspause. Was der Amerikaner und der Europäer unter richtigem Frühstück versteht, ist durchaus nicht dasselbe, wie wir inzwischen wissen. Eine weitere Merkwürdigkeit ist, dass offenbar auf fast allem Ess- oder Trinkbarem Zimt (Cinnamon) aufgestreut wird. So bereits geschehen mit Capuccino und an diesem Tag dann auch mit French Toast zu den obligatorischen Rühreiern in einem kleinen Lokal am Wegesrand. Hier gab es einige Kuriositäten zu begutachten wie seltsame Plakate zur "Terrorismusbekämpfung seit 1492" oder eine goldene Schallplatte von Jimmy Hendrix. Einige hier speisende Trucker wurden zunächst zu ihrer Bereitschaft abgelichtet zu werden befragt und dann mit ihrem Einverständnis fotografiert. Wenige Minuten später setzten wir die Weiterfahrt fort.

 

Routiniert absolvierten wir bei unserer Ankunft das Einchecken in Maswik Lodge und machten zum Tagesabschluss noch einige Abendaufnahmen des eindrucksvollen South Rim des Grand Canyons. Atemberaubend gestaltete sich der Blick in die schier endlosen Tiefen und Breiten. Rund 450 Kilometer lang, bis zu 30 Kilometer breit und fast zwei Kilometer tief ist dieses Naturwunder. Hier bewiesen die Männer einmal mehr, was sie für ein gutes Foto riskieren würden:

 

Über eine nicht befestigte Zuwegung direkt am Abrund erreichten sie einen Felsvorsprung, von dem aus offenbar besonders sehenswerte Aufnahmen zu machen waren. Hatte Anke zuvor noch gescherzt, es machte nichts, wenn Horst in den Canyon stürze, denn dann sei ja die Versicherungssumme fällig, so bekräftigte sie nun, dass dies doch gar nicht so ernst gemeint gewesen sei und er doch bitte nicht zu viel riskieren solle. Melita und Anke jedenfalls beobachteten gemeinsam mit etlichen anderen Besuchern aus sicherer Entfernung, wie sich Jochen ganz vorn auf der Kante des Felsvorsprungs niederließ und sich Rainer, Robert und Horst völlig angstfrei auf der Plattform tummelten.

 

Zum Sonnenuntergang hatten sich etliche Menschen zum Teil mit Picknick-Equipment eingefunden, sodass man durchaus um einen freien Blick auf den Canyon konkurrieren musste, wenn man nicht auf jenem Felsvorsprung stand. Plötzlich setzte Indianergesang ein und kleine Felsstückchen wurden von wem auch immer in den Canyon hinunter geworfen. Zunächst war nicht klar, ob es da einen Zusammenhang gab. Es dauerte einige Zeit bis wir realisierten, dass der unbekannte Sänger sich irgendwo unterhalb unseres Standpunktes  niedergelassen und offenbar mit einer Art Ritus begonnen hatte. Ob dies für eine spezielle Reisegruppe arrangiert war oder tatsächlich zum Kulturgut der hier lebenden Indianer gehörte, lässt sich schlecht sagen. Jedenfalls passte es atmosphärisch gut zur einsetzenden Dämmerung. Dass wir auf unserem so sicher geglaubten Standpunkt auf einem Vorsprung über dem Kopf des Sängers standen und so quasi mehrere hundert Meter über dem Abgrund schwebten, haben uns die Männer erst später mitgeteilt.

 

Das Aufkommen an Menschenmassen ließ für den nächsten Morgen, an dem wir - wie üblich - weitere Aufnahmen vorgesehen hatten, nichts Gutes erwarten. Zumindest war eine frühe Weckzeit einzukalkulieren. Aber das kannten wir ja schon.

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