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Wen mag der junge Mensch wohl darstellen?
Grauman's Chinese Theatre
Auf der Promenade am Venice Beach
Man sollte immer was zu lesen dabei haben!
Sehr gelenkig!

Von Stars und anderen interessanten Menschen

Heute wollten wir einmal alles abgrasen, was Anlaufpunkt für besondere Typen sein konnte: den Hollywood Boulevard, Rodeo Drive und Venice Beach. Und wirklich, wir bekamen einiges zu sehen - wenn auch keine wirklichen Stars. Stattdessen stand an einer Ecke der Nobel-Meile eine Abordnung von Paparazzi mit schussbereiter Ausrüstung, die den Ausgang eines Ladens im Visier hatten. Weit und breit tat sich allerdings nichts, was ein Foto lohnte. So ein Pech aber auch! Die Auslagen der Geschäfte lockten zahlungsfähige Kundschaft ins Innere. Wieviel man für das eine oder andere Geschmeide auf den Tisch zu legen hätte, stand nicht daran. Wahrscheinlich interessiert das die Klientel auch nicht weiter. Rainer machte uns darauf aufmerksam, dass diese oder jene Fassade für Filmaufnahmen - beispielsweise "Pretty Woman" - hergehalten habe. Ach! Trotzdem konnten wir der Location nicht wirklich etwas abgewinnen.

 

Nächster Anlaufpunkt war das "Grauman's Chinese Theatre" am Hollywood Boulevard. Hier sind die Hand- und Fußabdrücke nebst Widmung aller möglichen Stars in das Pflaster eingelassen. Davor tummeln sich Lebewesen, die mehr oder weniger rigoros in die Rollen ihrer Idole geschlüpft sind. Einem besonders bedauernswertes Exemplar war anzusehen, dass er selbst vor plastischer Chirurgie nicht zurückgeschreckt war, um auszusehen wie Michael Jackson. Entsetzlich! Gibt man diesen "(Selbst)Darstellern" ein Trinkgeld, darf man sie ablichten. Ohne Moos, kein Bild. So einfach läuft das. "Michael" erfreute sich großer Beliebtheit, "Cat Woman" miaute oft vergeblich den Passanten hinterher. Uns liefen hier definitiv zu viele und zu merkwürdige Gestalten herum, also wechselten wir die Straßenseite und standen nun unmittelbar auf dem Walk of Fame. Eine Cola und einen beachtlich guten Cappucchino später (unsere Empfehlung: Coffee bean & Tea leaf - eine überall vertretene Kette - lohnt unbedingt einen Besuch!) brach die gesamte Gruppe endlich auf zum Venice Beach, wo es noch mehr kuriose Typen zu finden galt.

 

Einer der bekanntesten lokalen Größen dieser Szene ließ auch nicht sonderlich lange auf sich warten: Harry Perry, der Gitarre spielende, Turban tragende Inline-Skater. Bereits seit den frühen 70ern fährt dieser Mensch auf Inlinern über die Strand-Promenade und reagiert wie viele andere äußerst ungehalten darauf, wenn man ihn ungebeten (und vor allem unbezahlt) ablichtet. Horst stellte fest, dass sich auch dieses Szenenbild seit seinem letzten Aufenthalt stark gewandelt hatte. Zwar waberte nach wie vor der Marihuana-Duft und der Rauch von Räucherstäbchen durch die Luft, aber ansonsten fand man hier den gleichen Touristen-Nepp wie andernorts. Gegen Abend trafen dann auch die "starken Männer" am Muscle Beach ein und stellten sich und ihre Muskeln zur Schau. Wer's mag ...!

 

Da Rainer die Fotoreise bereits als abgeschlossen deklariert hatte, nutzten wir den Abend, um noch einmal zu dritt nach Santa Monica zu fahren - diesmal jedoch bewusst ohne eigenes Auto. Robert hatte sich und uns in den vergangenen Tagen mehr als genug durch die Gegend chauffiert und darum eine Auszeit redlich verdient! Wo wir ein gutes Bier erhalten würden, wussten wir ja schon. Was uns jedoch musikalisch erwarten würde, setzte dem ganzen noch die Krone auf. Eine junge Britin begeisterte mit Gitarrenspiel und lupenreinem Gesang, sodass wir schließlich unseren Platz im Lokal aufgaben und uns auf den Bordstein setzten, um ihr zu lauschen. Nicht lang danach nannten wir eine CD (für 10 Dollar) unser eigen und wurden auf unsere Lobeshymne hin stürmisch umarmt. Sammie Jay heißt die junge Dame. Vielleicht hört man noch von ihr.

 

Auch der deutlich ältere Mann mit spanischer Gitarre, der anschließend sein Instrument auspackte, sollte uns angenehm überraschen. Robert bedauerte mittlerweile, nicht doch seine Kamera mitgeschleppt zu haben, denn neben dem Engelsgesicht der Sängerin war der nahezu tödlich griesgrämige Blick, den uns der Gitarrespieler zuwarf, absolut fotoreif. Unschlagbar! Anke fand es zudem ziemlich dämlich, dass man außerhalb des Lokals keine Chance auf ein alkoholisches Getränk hatte. Das sichtbare Mitführen oder gar Trinken von Alkoholika auf der Straße ist in den USA absolut verboten. Auch in lauen Sommernächten auf dem Pflaster von Santa Monica, während hinter einem im Lokal fleißig weiter getrunken wird. Horst beschaffte uns schließlich je einen Becher Cola.

 

Einige Straßenmeter weiter freuten wir uns über einen augenscheinlich nimmer müde werdenden Schlagzeuger, dessen Instrument zum Großteil von Klebestreifen zusammengehalten schien. Über diesen Umweg gelangten wir noch einmal zu Sammie Jay, die unser Wiederauftauchen mit "hello Germany" registrierte und unbeirrt ihre Songs abspulte, stets begleitet vom rhytmusschlagenden Vater und unter den wachen Augen ihrer Mutter, die Visitenkarten an die Umstehenden verteilte. Gut organisierter Familienbetrieb. Am nachfolgenden Freitag würde sie einen Fernsehauftritt haben, hörten wir. In welchem Programm, haben wir nicht mitbekommen.

 

Rechtschaffend müde fielen wir nach Mitternacht in unsere Betten, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob und wann wohl am nächsten Morgen ein gemeinsames Frühstück anstehen würde. Ausschlafen lautete die Devise, an die wir uns zu halten trachteten. Morgen Nachmittag war schließlich endgültig alles vorbei.

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