15.10.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Tolle Fassade, Downtown LA
Noch eine interessante Fassade ...
... mit liegender Figur
Interessantes Ziergut
Spannende Geometrie
Das kulinarische Paradies hat einen Namen!
Freier Blick auf die Küche
Empfangstisch im Restaurant-Bereich
Es darf eingekauft werden!
Welches Törtchen darf's denn sein?
Der Whisky-Mixer ...
... mixt den Whisky!
Es gibt auch eine Weinauswahl

Endspurt

Heute hieß es Abschied nehmen von LA und den Staaten insgesamt. Die Autos mussten um 16 Uhr wieder bei der Vermietung abgeliefert werden, die Maschine selbst würde erst kurz nach 20 Uhr abheben. Zeit genug, um noch einmal eine Extra-Tour nach Down-town LA zu starten.

 

Unsere Fahrt führte über die Autobahn und dann durch etliche enge Straßen mit bunten Verkaufsständen, an denen man zwar gern zu Fuß vorbeigeschlendert wäre, aber kaum einen Stellplatz für das Auto erhalten hätte. Außerdem wollten wir die schon mitgenommenen Koffer und Taschen nicht im Wagen liegen lassen. Man weiß ja nie ...! Etliche Männer boten auf Pappschildern "public parking" in irgendwelchen Hinterhöfen an - 20 Minuten für 5 - 8 Dollar. Holla, welch ein Bargain!

 

Einige Links- und Rechtswendungen später standen wir in einer numerierten Parklücke, die mit vier Dollar pro Stunde zu belegen war - wenn denn nur diese dumme Parkuhr unsere Kreditkarten akzeptieren würde. Tat sie nicht. Auch der freundliche Wachmann vom Geschäft gegenüber verstand nicht, was das widerspengstige Stück Metall von uns wollte. So ein Ärger. Jedenfalls kramten wir in Windeseile alle verfügbaren Münzen hervor, um auf diese Weise den fälligen Betrag zuzammen zu bekommen. Das klappte. Puh!

 

An den eindruckvollen Fassaden entlang schlenderten wir einfach drauf los. Zwei Blocks weiter trauten wir kaum unseren Augen: eine erst 2007 eröffnete Patisserie bot alles, was der europäisch orientierte Gaumen nach zwei Wochen Amerikaaufenthalt ersehnte. Da gab es unterschiedliche Brotsorten, dazu eine unüberschaubare Auswahl an frischen Obst-Törtchen und verlockend verzierten Desserts in liebevoll gestaltete Tresen und Auslagen sowie einladend dekorierte Bistro-Tischchen. Hier mussten wir einfach hinein! Gesagt, getan: schon standen wir mitten im kulinarischen Paradies! Einzige Bedingung des Managers zum Thema Fotografie: keine Personen/Gesichter aufnehmen. Gebongt! Wenn das Frühstück nur halb so gut war wie der Laden aussah, musste das eine Wucht sein.

 

Es WAR eine Wucht! Der Kaffee entpuppte sich als absolute Offenbarung! Und das alles auch noch zu einem Preis, der im Vergleich zur bisher genossenen Qualität an Frühstücksbestandteilen wirklich erstaunlich niedrig war: 1,75 Dollar für RICHTIGEN Kaffee im Refillverfahren. Grandios! Schade, dass wir das Lokal erst am Ende unserer Reise entdecken durften. Das Kompliment, man habe wahrscheinlich den besten Kaffee der Stadt, quittierte der Kellner denn auch sehr selbstbewusst mit einem schlichten "yes". Man beziehe eine lokale Röstung und lege ausgesprochenen Wert auf hohe Qualität, wurde uns versichert. Dachten wir uns schon. Überaus zufrieden mit dem Verlauf unseres Ausflugs in die Innenstadt, traten wir nun den Rückweg an.

 

Melita hatte genau wie Jochen einen früheren Flug retour und musste darum gegen 14 Uhr im Hotel sein, um das Shuttle zu erreichen. Wir hatten noch etwas Zeit, bis zum Abflug. Bleiben wir in Kontakt? Ja, klar, bleiben wir in Kontakt! Ein Stündchen später hatten auch wir den Weg zum Flughafen angetreten. Noch reichlich Wartezeit vor der Brust, begaben wir uns erstmal auf die Suche nach einem Imbiss und einer Möglichkeit, zollfreie Waren einzukaufen. Beides war schnell erledigt. Insbesondere die Wucherpreise in den Flughafen-Lokalen machten uns noch einmal recht sprachlos. Eine Salatbox für knapp 14 Dollar und ein 200g-Tütchen Knabbereien für 8 Dollar verschlagen einem förmlich den Appetit.

 

Vor uns lagen bei Betreten der Maschine nach München knapp 12 Stunden in überwiegend sitzender Haltung - kein sonderlicher Grund zur Vorfreude, zumal an Schlafen nicht wirklich zu denken war. Jedes Wegnicken wurde prompt mit Nacken- und Schulterschmerzen quittiert, also hielt man sich zwangsweise mit Kaffeetrinken und Filmegucken über Wasser. Unterwegs waren wir der Nacht voraus geflogen. Bei der Landung war es Sonntag geworden. Gut, dass wir uns klugerweise noch eine Woche Heimaturlaub gegönnt hatten, bevor wir uns wieder ins Büro schleppen mussten. Zeit für ein Resumee:

 

Am Ende unserer USA-Reise haben wir knapp 3000 Meilen zurückgelegt und vier Bundesstaaten durchquert: Kalifornien, Utah, Arizona und Nevada. Den Grenzen nach New Mexico und Colorado waren wir ziemlich nahe gekommen. Wir hatten den Küstennebel in San Francisco erlebt, ein Stück amerikanischen Regenwald durchwandert, uns durch Salzwüste und über Gebirgskämme gequält, um stets bei bestem Lichte auf den Auslöser unserer Kameras drücken zu können. Wir hatten die Farbenpracht und Lichtspiele in den diversen Canyons genossen, unter Schlafentzug, unmenschlicher Hitze und rotem Sand in allen Ritzen gelitten sowie die unterschiedlichsten Charakterköpfe und Landschaftsbilder abgelichtet.

 

Und wir haben viel gelacht! Über phlegmatisches Achselzucken angesichts der ständigen Zeitknappheit ("Ach, Duschen wird völlig überschätzt!" - "Und Frühstücken!" - "Und Schlafen!") wie über wiederkehrende natürliche Phänomene ("Da isser wieder, der Acht-Uhr-Rabe!" - "Etwas spät dran heute!"). Anhand des zunehmenden Wortwitzes der Fahrzeugbesatzung konnte unmittelbar auf die jeweilige Geländehöhe  geschlossen werden (Nach einem Lachanfall: "Sind wir schon wieder auf 3000 Fuß?" - absichernder Blick auf's GPS - "Jo!"). Der Suche nach dem richtigen Ausdruck für den kleinen Joystick an Ankes Kamera entstammt der meistgebrauchte Fragesatz der ganzen Tour: "Ist das jetzt eigentlich ein Pinnörkel oder ein Plömpel?" Außerdem wurde stets auf die korrekte Haltung der Mitstreiter zum Fotografieren geachtet ("Jochen, was ist denn mit Bauchlage?") und mit guten Ratschlägen nicht gespart ("Der Horizont ist schon wieder schief!" - "Dann halt einfach die Kamera grade." - "Schlaumeier." - "Mein Akku ist leer." - "Setz den Ersatzakku ein." - "Der liegt im Hotel." - "Da liegt er gut.").

 

Es waren also ziemlich anstrengende, erlebnisreiche zwei Wochen, die uns auf jeden Fall unvergessen bleiben werden.

 

Müssen wir das noch einmal haben?

 

Naja, nicht unbedingt in dieser gestrafften Form, aber mit deutlich mehr Zeit an den einzelnen Stationen: sehr gern! Es wird nicht unser letzter USA-Aufenthalt und auch nicht unsere letzte Fototour bleiben.

 

Apropos Fototour: Es hat Vorteile, mit dem unbestrittenen Meister seines Fachs auf Fotoreise zu gehen. Zumindest hat man mal gesehen, was mit dem richtigen Auge beim richtigen Licht mit dem richtigen Werkzeug alles machbar ist. Wir könnten uns nach dieser Tour vorstellen, dass es auch andere Vorgehensweisen gibt, nicht-professionelle Fotografen mit der hohen Kunst der Fotografie in Berührung zu bringen.

 

Besonders an Wild-Life-Aufnahmen interessierte Hobby-Fotografen finden unserer Erfahrung nach in Robert Goppelt einen hoch-kompetenten Tourleiter, der sein Wissen gern und vorbehaltlos weitergibt. Außerdem plant er bei seinen Reisen bewusst mehr Zeit für ein Begleit-Programm ein, sodass auch der Geselligkeit abseits der Fotografie genug Raum gelassen wird. Wir jedenfalls betrachten unsere Schicksalsgemeinschaft auf dieser Tour als ausgesprochenen Glücksfall und würden ihm wünschen, dass ihm lauter Foto- und Outdoor-Begeisterte förmlich die Türen einrennen.

Mehr Bilder zum Genießen - ohne Kommentar!