12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Todtnauer Wasserfall
Katakombenheiliger in St. Märgen
Holzboot am Ufer im Taubergießen
Im Taubergießen
Weiteres Holzboot
Schau mir in die Augen, Kleiner!
Ufervegetation
Das Militär horcht genau hin ...
... wir schaun lieber genau hin!
Ein Reiher - wie bestellt!
Abflug!
Nistplatz
Ende der Tour: Boot im Schlepp!

Taubergießen

Stahlender Sonnenschein lockte uns an unserem letzten Urlaubstag vor Ort noch einmal hinaus zum Todtnauer Wasserfall, den wir bisher noch nicht im rechten Lichte fotografieren konnten. Wir hatten Glück: der Lichteinfall war ideal, da lacht das Fotografenherz! Auch zum Lachen: die Besucher, die uns auf dem Waldweg zum Objekt eiligen Schrittes überholt hatten, hatten sich mit Handtüchern auf den massiven Liegen direkt am Wasserfall positioniert - ein wenig Mallorca-Feeling im Schwarzwald!

 

Auf unserem Stichpunktzettel gab es noch zwei weitere Orte mit lohenden Motiven, die wir uns für heute vornehmen wollten: St. Märgen mit seiner pittoresken Innenstand samt Kloster-Kirche und St. Peter mit seiner bemerkenswerten Barrok-Bibliothek. Beide Ziele waren innerhalb von rund 40 Minuten erreichbar, also los!  Ein Parkplatz vor Ort war schnell gefunden, und so versuchten wir uns an Innenaufnahmen der frei zugänglichen Kirche St. Märgens, in der offensichtlich Kommunion- und Oster-Feierlichkeiten stattgefunden hatten.

 

Besonders merkwürdig mutet der Altar mit den (hinter Glas präsentierten) Gebeinen des Katakombenheiligen Constantius an. Leider war das Klostermuseum bei unserer Ankunft geschlossen und der Sonnenstand aufgrund der Tageszeit wenig ideal für Außenaufnahmen. Was nun? Spontan verzichteten wir auf den anschließend geplanten Besuch in St. Peter. Sehr wahrscheinlich wäre unser Hauptziel, die Bibliothek, sowieso geschlossen. Ein Blick in unseren Reiseführer bestätigte die Vermutung. Also hielten wir nach einem alternativen Programm Ausschau und stießen unvermittelt auf die Ravennaschlucht, die wir kurzentschlossen erwanderten. Das dichte Blätterdach ließ kaum Licht hinab in den Wasserlauf, sodass Fotoaufnahmen nicht nur aufgrund des unwegigen Geländes nahezu unmöglich wurden.

 

Das absolute Highlight des Tages stand indes für den Abend auf dem Programm: eine geführte Bootstour durch den Taubergießen. Per Zufall waren wir auf diese zum Naturschutzgebiet deklartierte Rheinauenlandschaft zwischen Oberhausen-Rheinhausen (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen beiden Ortschaften im Ruhrgebiet!) und Rust aufmerksam geworden. Die ortsansässigen Fischer bieten (zu vertretbaren Kosten, wie wir finden) neben Bootsfahrten auch geführte Wanderungen an. Wir hatten vorgebucht und freuten uns auf eineinhalb Stunden allein mit dem Bootsführer auf Fotopirsch. Die verbliebene Wartezeit bis zum Start der Tour wollten wir in einem örtlichen Lokal bei Kaffee und Kuchen verbringen, was sich als gar nicht so einfach erweis, denn das Angebot an Gaststätten war mehr als dürftig. Wir hätten wohl doch in St. Märgen oder anderswo eine umfangreichere Pause einlegen sollen.

 

Unsere Gastgeber in Todtnau hatten wir bereits vorgewarnt, dass es heute Abend ein wenig später werden könnte mit dem Abendessen, aber da wir die einzigen noch verbliebenen Hotelgäste wären, würde man sich zeitlich nach uns richten, wurde uns versichert. Wir überlegten, was wir dem Gastgeber ohne schlechtes Gewissen würden zumuten können. Immerhin waren für die An- und Abfahrt jeweils eine Stunde Fahrzeit einzukalkulieren. Und irgendwie mussten wir nach Ende der Bootstour auch wieder zurück an den Ausgangspunkt der Fahrt kommen. Dafür hatten wir ursprünglich einen Fußmarsch unter kundiger Führung vorgesehen, bei dem wir etwas über die Flora und Fauna am Ufer erfahren wollten. Im Nachhinein entschlossen wir uns jedoch, das Angebot des Bootführers anzunehmen, uns im Auto mit zurück zu nehmen. So saßen wir letztlich gegen 21 Uhr vor unserem Abendessen - spät genug, wie wir fanden.

 

Während der Kahn nahezu lautlos durch das Wasser glitt, erläuterte Herr Kossmann Wissenswertes über die Besonderheiten des Taubergießens. Er hatte uns genau den richtigen Zeitpunkt für diese Tour vorgeschlagen, denn das Farbspiel aus sattem Grün, Braun und Blau war unbeschreiblich intensiv. Dass Herr Kossmann im Taubergießen zu Hause ist, wurde besonders deutlich, als er mitgebrachte Brotscheiben an die mit Namen gerufenen Schwäne auszuteilen begann. So nah heran an die Tiere kommt man wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Auch handgefütterte Schwäne gehören allerdings nicht zu unseren Lieblingsmotiven.

 

Am Ufer entdeckten wir einen Reiher, der wie für uns bestellt mehrere Minuten auf seinem Standort hockte, bis er letztlich seine Schwingen ausbreitete und davonflog. Die unbeschreibliche Ruhe, nur unterbrochen von Hinweisen des Ortskundigen auf leicht zu übersehendes wie Vogelnester auf kleinen Inseln mitten im Wasser, Bisams oder zarte Libellen, übertrug sich auf uns. Wenn sich bis dahin noch Überreste von Alltagshektik in uns befunden haben sollten, waren sie nun ausgetilgt. Tief sogen wir die Eindrücke in uns auf. Wir können diese besondere Art von Naturerlebnis absolut empfehlen und werden auf jeden Fall eine Gelegenheit finden, die Tour zu wiederholen - möglichst wieder außerhalb der Saison, in der dutzende Touristengruppen in vollbesetzten Booten hier hindurch geschleust werden. Außerdem müssen wir die heute abgesagte Wanderung noch nachholen, bei der es die ufernahe Vegetation und Tierwelt zu entdecken gilt.