12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Deutschland / Süddeutschland 2011 / Donnerstag, 28. April / 
Am Eulenspiegelmuseum
Flussbiegung
Mach doch mal Pause!
Stadttor von Wunsiedel
Altes Buchgeschäft
Ägypten?
Lass doch mal sehen ...!
Eindrucksvolle Dampflokraritäten
Auf dem Außengelände gibt's auch 'was zu sehen!
Das musste mal gesagt sein!

Hier bin ich Gast, hier darf ich sein!

Unser Reiseführer hatte uns einen Besuch im Frankenwald und Fichtelgebirge mit deren sehenswerten Landschaften nahegelegt. Dahin sollte also unsere heutige Tagestour gehen. Wir folgten den Hinweisschildern und landeten nach kurzer Fahrt an die Steinachklamm bei Presseck. Diverse Wanderwege führen hier durch ausgedehnte Waldgebiete. Wir gingen vorbei am Eulenspiegelmuseum und einigen nur mit Mühe als solche erkennbare Mühlengebäude.

 

Auf unserer Suche nach einem Rundweg zurück zum Ausgangspunkt entschieden wir uns prompt für einen besonders unwegigen Steig und setzten unseren Schluss- und Wendepunkt spontan an einem Aussichtspunkt mit Bank, da unklar war, wie lang und anstrengend der Weg wohl noch werden würde. Wieder beim Museum angekommen stießen wir auf eine Reporterin, die uns um ein Interview und Foto für die Lokalzeitung bat. Ob der Artikel jemals erscheinen wird, können wir nicht sagen. Wir haben auch mehrere Wochen nach unserer Heimkehr nichts dergleichen gefunden. Wer sich übrigens auf einen Dialog mit dem Betreiber des Eulenspiegelmuseums einlässt, wird feststellen, dass der in unserem Falle vor dem Haus Gitarre spielende Herr bei Fragen unbedarfter Touristen ("Wie kommt man eigentlich darauf, ausgerechnet hier ein Eulenspiegelmuseum zu eröffnen?") recht flapsig kontern kann ("Na, denken Sie mal darüber nach, dann kommen Sie von selbst drauf!"). Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

 

Gar nicht weit entfernt von Presseck befindet sich die Ortschaft Wunsiedel, mit dem Berg "Große Kösseine", von dem man einen besonders tollen Blick über das Fichtelgebirge genießen kann (jedenfalls wenn das Wetter mitspielt). Leider waren inzwischen Wolken aufgezogen, sodass der Fernblick wohl kaum gegeben war. Wir mussten uns also anders orientieren. Kurzerhand parkten wir den Wagen nahe der Innenstadt  und entschlossen uns spontan zum Aufsuchen eines Lokals, in dem wir eine Kaffee-Pause einlegen könnten.

 

Am gegenüber liegenden Haus fiel uns sofort der Schriftzug Sechsämter auf, und wir erfuhren, dass genau hier der Hersteller des bekannten Kräuberlikörs seinen Firmensitz hat. Für ein so traditionsreiches Unternehmen bot das Gebäude allerdings ein eher trauriges Bild. Dieses setzt sich zudem an vielen Stellen im Stadtbereich fort, sodass man dem Ort zahlungsfähige, traditionsbewusste Sponsoren wünschen würde. Auch die Werbung mit einem weiteren berühmten Bürger der Stadt, dem Dichter Jean Paul, hat offenbar nicht  für ausreichend finanzkräftigen Zulauf gesorgt.

 

Da das Wetter eher unbeständig geblieben war, traten wir wohl oder übel den Rückweg nach Kulmbach an. An einer roten Ampel fiel uns ein Hinweisschild auf: Deutsches Dampflokomotivenmuseum. Warum nicht dort einen Zwischenstopp einlegen? Kurzentschlossen änderten wir die Route und ignorierten die mahnende Stimme aus unserem Navigationssystem. Und das war auch gut so! Vor Ort standen die sehr gepflegten Zeugen deutscher Dampflokgeschichte, in die man zwar nicht hineinklettern, aber von nahezu allen Seiten - und auch von unten! - hineinschauen konnte. Einzigartig! Das Herz aller Eisenbahnfans wird hier höher schlagen. Fotobelege sind aufgrund der engen Platzverhältnisse in der gut gefüllten Halle und der dort herschenden Lichtverhältnisse schwierig zu erhalten. Wir haben es natürlich trotzdem versucht.

 

Zufrieden mit der Fotoausbeute des Tages unternahmen wir in Kulmbach den dritten Versuch, ein landestypisches Bier- und Speiselokal aufzutreiben. Und wirklich: wir wurden fündig! Nur wenige Minuten vom Hotel entfernt - etwas außerhalb des Stadtkerns - stießen wir auf das Lokal "Kommunbräu", das von außen eher unauffällig gestaltet ist, im Gastraum jedoch mit genau der angenehmen Gaststätten-Atmosphäre aufwartete, die wir uns gewünscht hatten.

 

Die Bedienung war ausgesprochen aufmerksam und freundlich, die Speisekarte erfrischend humorvoll und abwechslungsreich gestaltet, die Mischung aus Traditionsgaststätte und modernem Lokal absolut gelungen. Wir bekamen einen Tisch direkt neben den einheimischen Stammtischbrüdern angeboten, wo wir uns bald angemessen "integriert" vorkamen. So sollte es sein! Wir aßen einen hervorragenden Schweinebraten mit Klößen, Biersoße und Sauerkraut, zu dem es ebenso hervorragendes hausgemachtes Bier gab. Währenddessen gab sich Laufkundschaft die Klinke in die Hand und zog jeweils mit zwei oder mehr Bügelverschlussflaschen das Lokal. Das Küchen- und Thekenpersonal hatte alle Hände voll zu tun, mit den Bestellungen hinterher zu kommen.

 

Selbst wenn wir den Fotoapparat dabei gehabt hätten, wir wären auf jeden Fall am kommenden Tag noch einmal hierher gekommen, denn selbstverständlich musste diese Ikone der Gastfreundlichkeit fotografisch dokumentiert werden! Schade, dass wir das Lokal nicht schon früher gefunden hatten, seufzten wir auf dem Heimweg.