12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Deutschland / Lüneburger Heide 2011 / Sonntag, 2. Oktober 2011 / 
Frühnebel
Erste Sonnenstrahlen
Durch diese hohle Gasse ...
Spinnennetz
Tautropfen
Tautropfen II
Pause am Wegesrand
Blühende Heide
Sandige Heidewege
Pralle Sonne in der Heide

Sommerfeeling in der Heide

Bereits bei der Buchung unserer Unterkunft in Undeloh ahnten wir: Auch die Gastgeber waren bestrebt, den Alltagsstress gering zu halten und überflüssiges Tempo herauszunehmen, denn der frühestmögliche Zeitpunkt für das Frühstück war mit 8:30 Uhr angegeben. Zu dieser Uhrzeit befänden wir uns üblicherweise bereits auf Entdeckungstour, hatten wir am Vorabend lamentiert, ohne unseren Gastgeber von unserer "Notlage" zu überzeugen. Früher als 8 Uhr habe man noch nie ein Frühstück fertig gehabt, versichtert uns Halim, also müssen wir von Anfang an umplanen. Immerhin gibt es auf dem Zimmer die Möglichkeit, uns Cappucchino, Tee oder Kaffee aufzubrühen, damit kann die Wartezeit überbrückt werden.

 

Wir absolvieren also einen Morgenspaziergang in die nähere Umgebung und trudeln schließlich sehr zufrieden mit den ersten Foto-Resultaten zum Frühstück ein. In den Feldern hatte sich wie erwartet einiger Nebel gehalten, und die reichlich vorhandenen Spinnweben glitzerten wie Kristalle in der Morgensonne. Toll! Direkt nach dem Frühstück brechen wir erwartungsfroh zur ersten Wandertour in die Heide auf. Die recht umfangreiche Fotoausrüstung findet auf dem in weiser Voraussicht angeschafften Trolley Platz, um uns die Schlepperei zu ersparen.

 

Wir hatten gelesen, dass die Heide ziemlich sandig sei, was den Einsatz von Fahrrädern zu einer ziemlich mühseligen Angelegenheit machen konnte. Heute dürfen wir darüber hinaus erleben, dass sie ziemlich durchwurzelte Wege und zudem sehr wenig Schutz vor der Sonne bietet. Im Laufe unserer Wanderung klettert die Temperatur auf gut 28 Grad (die sich anfühlen wie 40 Grad!), sodass wir doch froh sind, dass die mit "Wilseder Berg" bezeichnete Erhebung, die wir erklimmen, nur schlappe 169,2 Meter hoch ist. Wie mochte sich wohl der Hochsommer anfühlen, wenn schon Temperaturen deutlich unter 30 Grad zur Qual werden?

 

Kaum oben angekommen, entfliehen wir dem gut besuchten "Berggipfel" mit dem Ziel, im nächstgelegenen Biergarten einen Schattenplatz und ein kühles Getränk zu erobern. Das erweist sich als leichter gesagt als getan, denn außer uns haben ganze Horden von Touristen Wilsede als Reiseziel angepeilt, wie es scheint. In unserem Reiseführer war zu lesen, der beschauliche Ort Wilsede mit seiner handvoll Einwohnern (Wikipedia schreibt von 40, was sich aber nicht nachprüfen lässt) beherberge zur Hochsaison an die 100.000 Touristen. Ballermann ist ein Dreck dagegen, vermuten wir.

 

Kaum ergibt sich die Gelegenheit, die müden Beine doch noch unter einem freiwerdenden Tisch auszustrecken, der zu allem Überfluss auch noch im Schatten steht, fragen auch schon zwei weitere Wanderer, ob sie sich vielleicht mit an unseren Tisch setzen dürften. Man ist ja kein Unmensch, also wird das bejaht. Gemeinsam erregen wir die Aufmerksamkeit der stark beschäftigten Bedienung und nehmen letztlich das lang ersehnte Kaltgetränk in Empfang (wir schätzen die gesamte Prozedur auf rund eine Stunde). Aus unserer Komfortlage beobachten wir, wie immer mehr verzweifelte Besucher die aussichtslose Lage sondieren. Das konnte noch heiter werden an diesem unerwartet sommerlichen langen Wochenende, sinnieren wir.

 

Erklärtes Ziel unserer Reise war u.a., Heidschnucken abzulichten und mindestens einmal einen Heidschnuckenbraten zu verspeisen. Letzteres gelingt - völlig ohne Kampf um freiwerdende Plätze - am Abend im Lokal Waldschenke. Zum Thema Heidschnucken hatten wir gelesen, dass diese besonders robuste Verwandte des Hausschafs durch Verbiss dafür sorgt, dass die Heidelandschaft in ihrer heutigen Form erhalten bleibt. Laut unserem Reiseführer wird jeden September eine größere Anzahl von Schnucken geschlachtet und von den heimischen Betrieben zu traditionellen Gerichten verarbeitet - übrigens nicht nur zu Braten, sondern auch zu Würsten. Je höher der Absatz, desto besser die Aussicht, die traditionelle Heidschnuckenschäferei weiter betreiben und damit die Heide erhalten zu können. Anke hat darum bereits vor Antritt unserer Reise die Losung ausgegeben: Rettet die Heide, esst Heidschnuckenbraten! Wie schwierig es werden sollte, die ungewöhnlichen Herdentiere nebst Schäfern abzulichten, ahnen wir noch nicht.