17.11.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Deutschland / Lüneburger Heide 2011 / Donnerstag, 13. Oktober / 
Holzgestühl in St. Jacobi
Orgel in St. Jacobi (mittelalterliche Malereien auf Säule rechts)
Altar in St. Jacobi
Astronomische Uhr in St. Marien
Fenster-Ausschnitt in St. Marien
Abgestürzte Glocken von St. Marien
Gewölbe von St. Marien
Blick auf den Marktplatz (vom Turm St. Petri)
St. Marien und Rathaus am Markt
Holstentor (rechts) und alte Salzspeicher (links unten)
Liebesschwüre am Brückengeländer

Alte und neue Sehenswürdigkeiten in Lübeck

Wer Lübeck besucht, kommt auf keinen Fall daran vorbei, die Wahrzeichen der Stadt zu besuchen, von denen es eine ganze Reihe gibt. Wir haben davon profitiert, dass eine gute Freundin hier hervorragend vorgearbeitet und uns einen eindrucksvollen Bericht mit vielen Anregungen von ihrer Reise mtigebracht hatte. Unter anderem erhielten wir den dringenden Rat, auf jeden Fall die Kirchen Lübecks auch von innen zu erkunden, was wir uns dann für diesen Tag vorgenommen haben.

 

Erste Station: die St. Jacobi Kirche im Norden der Stadt. Sie gilt offiziell als Kirche der Seefahrer und Fischer und beherbergt eine Kapelle, in der das einzig erhaltene Beiboot der 1957 gesunkenen Pamir ausgestellt ist. Von den über achzig Seeleuten an Bord haben lediglich sechs den Untergang überlebt. Besonders berührend in diesem Zusammenhang: die Oma unserer Freundin hatte damals deren minderjährigen Vater daran gehindert, auf der Pamir anzuheuern - für genau diese Unglücks-Fahrt. Mit leichter Gänsehaut stehen wir also vor den hier ausgestellten Dokumenten, lassen unseren Blick über die in Stein gemeißelten Namen der Opfer schweifen und denken darüber nach, wie das Schicksal diesem Mann mitgespielt haben würde, wäre er doch mit an Bord gewesen. "Danke, Oma!", lautete der Stoßseufzer der Tochter, unserer Freundin, in ihrem Reisebericht. Wir schließen uns an.

 

Weiter geht es zur St. Petri Kirche. Dort gelangt man mit einem Fahrstuhl hinauf in den Kirchturm, von wo man einen einmaligen Rundblick über die Stadt genießen kann. Was wir vorher leider nicht wussten: Die Geocacher-Gilde hat natürlich auch hier einen Cache ausgelegt, an den man leider nur herankommt, wenn man Eintritt bezahlt und die Zutrittsregelung passiert hat. Wir haben auf das nochmalige Entrichten des Eintrittsgeldes verzichtet, als wir später davon erfuhren, und somit ein weiteres Ziel für einen neuen Besuch in der Stadt.

 

In der St. Marien Kriche bezeugen die an ihrer Absturzstelle belassenen zerstörten Glocken, dass die Luftangriffe im zweiten Weltkrieg dem alt-ehrwürdigen Gebäude ziemlich zugesetzt haben. Wir verstehen zu wenig von Architektur, aber dass diese Kirche eine Sonderstellung genießt, wird auch uns sofort klar, als wir das riesige Gewölbe des Hauptschiffes erleben. Wir verwenden einige Zeit, um die reich verzierten Decken und die zu einem Teil übermaltgewesenen und nun wieder freigelegten frühmittelalterlichen Wandgemälde abzulichten. Man könnte ganze Bildbände mit Detailaufnahmen füllen, denn an jeder Säule, jeder Wand und in jeder Nische gibt es Bestaunenswertes zu entdecken.

 

Auch die astronomische Uhr beeindruckt schon allein durch ihre schiere Größe und ihre farbenprächtige Gestaltung. Auf einem besonderen Flyer wird die Funktionalität der Uhr erläutert. Spannende Geschichte! Kleiner Gag an der Außenseite der Kirche: hier sitzt ein nackter Teufel aus Bronze, bei dem nicht nur die Hörner oben am Kopf, sondern auch ein "Fortsatz" weiter unten deutliche Abriebspuren aufweisen, weil wohl die Touristen genau dort gern hinfassen. Na sowas!

 

Unversehens neigt sich der Tag dem Abend zu und wir beschließen, uns irgendwo ein nettes Plätzchen für ein Bier und ein Essen zu suchen. Nahe dem Holstentor und dem alten Salzspeicher, also quasi auf dem Heimweg, liegen entlang der Obertrave einige nette Lokale, also schlendern wir dorthin. Dabei müssen wir ein noch junges Bauwerk passieren, das der Volksmund bereits "Liebesbrücke" getauft hat. Die ob ihrer Sinnhaftigkeit umstrittene Brücke trägt auch den Beinamen "Professorenbrücke", verbindet sie doch die Musikhochschule mit der Holstentorhalle am gegenüber liegenden Ufer. Selbstverständlich liegt auch an dieser Stelle ein Cache. Die Schwierigkeit besteht darin, einen unbeobachteten Moment für's Heben zu finden, denn hier befindet sich auch der Anleger zweier Schifffahrtsgesellschaften, die Rundfahrten auf der Trave anbieten.

 

Besucher und Einwohner zweckentfremden das Brückengeländer, indem sie eifrig Schlösser mit eingravierten Namen und Daten an ihm befestigten und anschließend den Schlüssel feierlich im Fluss versenken. Die - je nach Standpunkt - (Un)Sitte soll ihren Ausgangspunkt in Italien gehabt haben und greift seit einiger Zeit auf immer mehr Städte in aller Herren Länder über. Auch in unserer Heimatstadt Oberhausen ziert die neue Brücke im Kaisergarten (also nahe dem Standesamt im Schloss) bereits eine muntere Zahl solcher "Liebesschlösser". Ob's hilft, weiß man nicht. Mitunter bringt diese neue Variante der Liebesschwüre nicht nur die Gemüter der Einwohner in Aufruhr, sondern auch die Statik der betreffenden Brücken ins Wanken, heißt es. Ein schönes Fotomotiv sind sie allerdings in jedem Fall.

 

Wir machen uns kurz nach Sonnenuntergang auf den Weg zurück ins Hotel, wo wir dank der reichlichen Eindrücke und langen Fußwege bald ermattet in die Federn sinken. Am nächsten Tag wollen wir der nächsten Empfehlung unserer Freunde nachkommen: einer Schiffstour nach Travemünde.