12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Kirche St. Michaelsberg I
Kirche St. Michaelsberg II
Im Steinbruch
Fundstück Ammonit
Allee zum Schloss Seehof
Blick auf die Orangerie
Orangerie
Schloss Seehof mit Wasserspiel
Wasserspiel in Betrieb
Nahaufnahme
Schloss - Panorama I
Schloss II
Schloss III

Eindrucksvolle Funde

Dieser Tag stand offenbar unter dem Motto: erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! Da will man sich seine Fotos von der Speicherkarte auf den Rechner sichern und drückt die falsche Taste, schon muss das Vormittagsprogramm einer Notoperation zum Wiederherstellen der verlorenen geglaubten Aufnahmen weichen. Während das eilig downgeloadete Recovery-Programm seinen Dienst tut, werden von der nahe gelegenen Bäckerei belegte Brötchen organisiert. Gut, dass man einen Internetzugang hat! Die anschließend notwendige Nacharbeit gestaltet sich dann aber so aufwändig, dass wir gefühlte Stunden später unterbrechen (wir wissen ja jetzt, dass es geht) und eines der ausgewählten Etappenziele in der Bamberger Umgegend ansteuern: Der ehemalige Steinbruch Ludwag.

 

Hier sollen laut Geocaching-Information nicht nur Caches, sondern auch einige versteinerte Relikte der Urzeit zu finden sein, beispielsweise Ammoniten. Bereits bei der Zufahrt zum Gelände machen sich Bedenken breit, die bei Ankunft an der Grube noch verstärkt werden, denn die Beschilderung lässt keinen Zweifel: hier ist Betreten verboten! Warum also hatten die Cacher hier einen Cache auslegen können? Das widersprach doch jeglichen Grundsätzen der Cachergemeinde. Es rächte sich prompt, sich über diese Bedenken hinweggesetzt zu haben: Anke zieht sich kurz nach Ankunft am Baggersee Schürfverletzungen am Arm zu, weil sie auf dem rutschigen Gelände den Halt verliert. Es hätte zwar schlimmer kommen können, aber uns reicht es jetzt. Unverrichteter Dinge ziehen wir ab und wenden uns weniger gefährlichen Attraktionen zu: Schloss Seehof in Memmelsdorf.

 

Bei immer noch strahlend-blauem Himmel betreten wir die Schlossgastronomie, um uns erst einmal einen Capuccino zu gönnen. Offenbar ist das Schlossgelände ein begehrter Anlaufpunkt für Profi-Fotografen, die dort Hochzeitspaare und Kommunionkinder ablichten. Allein drei davon waren zu unserem Aufenthaltszeitpunkt mit ihren Auftraggebern aktiv. Die sommerliche Hitze wird das Unterfangen, im obligatorischen Anzug mit Krawatte (respektive auf hochhackigen Schuhen im Hochzeitsdress) glücklich zu lächeln, nicht eben einfach gemacht haben.

 

Die heutige Touristenattraktion und einstige Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischhöfe war über 150 Jahre lang dem Verfall preisgegeben und wurde mit Geldern des Freistaates Bayern (heute Eigentümer), einer Stiftung und der Gemeinde von 1981 - 1997 restauriert. Insbesondere dem Schlossgebäude sieht man den Renovierungsbedarf immer noch an. Wenn man sich vorstellt, dass der ehemalige private Inhaber von Schloss und Gartenanlage auf die Idee gekommen ist, alle Figuren abzubauen und - genau wie die Einrichtung des Schlosses - zu verschärbeln sowie die Kaskade (eine Art Brunnen mit treppenförmigen Wasserläufen - im Link als navigierbares Panoramabild zu besichtigen) zu verfüllen, wird einem auch als Laien in Sachen Kunstgeschichte förmlich übel. Wie man liest, sind einige der Skulpturen an anderen Orten aufgefunden worden und können wieder besichtigt werden. Immerhin.

 

Wir jedenfalls sitzen eine ganze Zeit lang wartend vor dieser ungewöhnlichen Attraktion, um sie in Betrieb abzubilden. Von Mai bis Oktober wird von 10 - 17 Uhr jeweils zur vollen Stunde für etwa 10 Minuten das Wasserspiel gestartet. Das Warten lohnt! Für Kunstinteressierte: Die Gestaltungsarbeiten mit Parkskulpturen und Kaskade wurden von Hofbildhauer Ferdinand Tietz ausgeführt und begannen 1764. Erst sieben Jahre später waren auch die Arbeiten zum Heranführen des Wassers abgeschlossen, wofür zum Teil Tunnel durch massiven Fels getrieben und mehr als 5 km Leitungen verlegt werden mussten. Eine wirklich beachtliche Leistung für die damalige Zeit. Dargestellt ist zentral Herkules, der von Ruhmes-Göttin Fama bekränzt wird. Außerdem symbolisieren zwei Flußgötter die Flüsse Main und Regnitz.


Fast schon zur Abendbrotzeit kehren wir in unsere Wohnung zurück. Der zweite Tipp unseres Reiseführers bezieht sich auf das Restaurant Altenburg auf der gleichnamigen Burg, dem angeblich höchsten Lokal Bambergs. Wir erkennen viel zu spät, dass die Entfernung und der Anstieg seinen Tribut fordern wird. Völlig abgekämpft treffen wir am Lokal ein, wo wir zunächst im Biergarten ein Radler(!) zu uns nehmen. Dann siedeln wir notgedrungen ins Lokal über, denn ausgerechnet heute wird draußen kein Abendessen serviert. Mit einem wirklich grandiosen Rotwein (für einen vergleichsweise hohen Preis) zu einem ebenfalls gut gelungenen Lammfilet werden wir für unsere Mühen entschädigt.

 

Dass Abstiege weniger anstrengend als Anstiege sind, braucht nicht erwähnt zu werden. Wir halten das Lokal für eine gute Empfehlung, wenn man bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, zumal nicht jeder jeden Abend Bierkelleratmosphäre zu Imbiss-Speisen-Qualität erträgt. Wir raten jedoch dazu, den Weg hinauf nicht von der Altstadt aus zu Fuß anzutreten. Er zieht sich doch sehr!