12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Kapelle von Todtnauberg aufgenommen von unserem Balkon aus
Bergwiese vor unserem Fenster
Abziehender Nebel
Bergwiese
Blick auf Todtnau
Dunst im Hang
Mietbares Ferienhaus für große Gruppen in Todtnauberg
Dorfblick

Wetterwechsel und Geschichtsstunden

Einzig bemerkenswert an unserer heutigen Weiterfahrt nach Todtnauberg war vielleicht der am Amaturenbrett ablesbare Temperatursprung von bis zu 32 Grad auf Werte knapp über dem einstelligen Bereich. Es sollte also erst einmal vorbei sein mit dem Sommerwetter. Am frühen Nachmittag trafen wir an unserem zweiten Reiseziel ein, wo uns unsere Gastgeber bereits erwarteten. Wir bekamen dasselbe Zimmer, in dem wir uns schon 2011 wohlgefühlt hatten - echtes Stammgastgefühl kam auf. Im Kurhaus fand an diesem Tag das diesjährige Schwarzwälder-Kirschtorten-Fest statt, das wollten wir uns nach dem Ausladen des Gepäcks einmal ansehen. Frische Luft und etwas Bewegung würde genau so gut tun, wie eine frische Tasse Kaffee.

 

Im Kurhaus gab das volle Programm inklusive Live-Blasmusik und Menschenmassen. Das war nun wieder gar nicht unser Ding. Schnell ein Tässchen Kaffee und ein Stück Torte verdrückt (sehr lecker!) und zurück ins Hotel, lautete darum die Devise. Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir größtenteils auf unserem Balkon mit Blick auf den Ort und die Bergwiesen. Wir sagen nicht, dass wir einzig wegen des Blicks und des 4-Gang-Menüs am Abend hier her gefahren sind, aber es gehört definitiv zu den Highlights unserer Reise. Das ist Urlaub!


Frühstück gibt es hier morgens ab 8:00 Uhr. Meistens sind wir bis dahin schon zappelig, denn wir gehen recht früh zu Bett und werden zeitig wach (dann hat man mehr vom Tag). Diesmal sind wir sogar die einzigen Gäste und werden darum noch persönlicher betreut - wie schön. Der letztjährige Umbau des Speiseraums hat ihm eine klarere, moderne Atmosphäre verschafft, die viel besser zu unseren Gastgebern passt als das bisherige, rustikale Mobiliar. Toll auch der Blick auf die umliegenden Berge. Bei guter Wetterlage sollen sogar die 150 Kilometer entfernten schweizer Alpen zu sehen sein. Ab sofort wird also zunächst prüfend in die Ferne geguckt, bevor wir das Frühstück oder Abendessen einnehmen.

 

Bei unserem ersten Aufenthalt in Todtnauberg hatten wir uns eine Reihe von Zielen außerhalb der Gemeinde gesucht und uns mit der Örtlichkeit selbst nicht weiter auseinandergesetzt. Die Geschichte unseres Urlaubsortes erweist sich bei genauerer Betrachtung allerdings in mehrerlei Hinsicht als überaus interessant. Für unseren ersten Tag vor Ort hatten wir uns darum einen Cache ausgesucht, der uns die Bergbauvergangenheit Todtnaubergs ein wenig näher bringen sollte: der "Bergwerkspfad". Er begann quasi vor unserer Haustür und leitete uns über unbefestigte Waldpfade zum Ziel (insgesamt rund 2 km Wegstrecke, angeblich auch im Winter - mit Schneeschuhen! - zu machen; wir waren froh, den Weg auch ohne Schnee einigermaßen erkennen zu können).

 

Todtnauberg kam bereits im 12. Jahrhundert zu einigem Reichtum durch den Abbau diverser Erze, u.a. Silber aus dem Bergwerk "Schulersfron" ganz in der Nähe unserer Unterkunft. Als wir nach einem Abstieg über schlüpfrige, schmale Waldpfade vor den vergitterten Eingängen des Bergwerks standen, fragten wir uns, wie die "Frone" - also die Bergarbeiter damaliger Zeit - hier wohl das abgebaute Erz zu Tal gebracht haben mögen. Außerdem müssten die Arbeiter ziemlich schmal und kleinwüchsig gewesen sein, um überhaupt ins Bergwerk hinein gelangen und dort arbeiten zu können.

 

Wir erfuhren, dass die gefährliche Arbeit immer wieder Opfer forderte. Da die Bergarbeiter aber etliche Privilegien genossen und zudem sehr gläubig waren, war der Nachwuchs stets gesichert. Statt Flucht vor der Härte der Arbeit verlegte man sich auf den Bau von Kapellen, in denen um Schutz für die Bergarbeiter gebetet wurde. Bereits im 13. Jahrhundert hatte sich die zwischenzeitlich wohlhabend gewordene Todtnauer Bürgerschaft für etwa 24 kg Silber das Recht erkauft, eine eigene Kirche zu bauen und einen Friedhof anzulegen. Ende des 13. Jahrhunderts bis Ende des 14. Jahrhunderts waren insgesamt 12 Bergwerke in Betrieb und Todtnau erhielt sogar das Recht, eigene Silbermünzen zu prägen.

 

Mit der Entdeckung Amerikas und der von dort stattfindenden Einfuhr billigeren Silbers begann ab 1580 eine große Bergbaukrise, in deren Folge die arbeitslos gewordenen Bergleute abwanderten und sich die zurück bleibenden Handwerker auf die Herstellung von Gebrauchsgütern aus Holz verlegten. Nach und nach verlor Todtnau seine einstige Bedeutung. Erst im 18. Jahrhundert gewann der Erzbergbau (Schwerpunkt Blei) wieder an Relevanz, wenn auch nur für einige Jahrzehnte.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte man schließlich den Wert des Flussspats für die Hüttenindustrie, ein Mineral, das in den vorhergehenden Abbauperioden als Abfall auf die Halden geworfen wurde. Diese vorläufig letzte Bergbauära endete in den 1970er Jahren. Vorläufig deshalb, weil es Vorkommen "seltener Erden" gibt, das sind Mineralien, die gegenwärtig stark nachgefragt werden und deren Abbau mit steigenden Marktpreisen sich in Zukunft vielleicht lohnen könnte. Da die Gewinnung dieser Mineralien allerdings mit größeren Umweltproblemen einhergeht und viele Lagerstätten sich innerhalb von Naturschutzgebieten befinden, gilt ein Wiederaufleben der Bergbautätigkeit als relativ unwahrscheinlich.