12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Monster-Würmer
Kapelle von Todtnauberg
Weitblick I
Weitblick II
Weitblick III

Von ehemaligen und sonstigen Lagerstätten

Neben geschlossenen Stollen, die gar nicht zu betreten sind, gibt es in der Nähe von Todtnauberg zwei Besucherbergwerke, in denen der interessierte Gast sich über die schwere Arbeit der hier tätigen Menschen informieren kann. Solche Besuche bieten sich für Schlechtwetterperioden an, wie wir sie an diesem Tag erleben konnten. Das nächstliegende Bergwerk Finstergrund ist lediglich an Wochenenden und Feiertagen geöffnet. Also lenken wir unser Fahrzeug zum Besucherbergwerk Schauinsland (dem "Hausberg" der Freiburger), das auf Privatinitiative vor gut einem Jahrzehnt entstand.

 

Hier gibt es unterschiedlich lange und damit auch unterschiedlich anspruchsvolle Führungen, für die man einigermaßen mobil und bereit sein sollte, Verschmutzungen an seiner Kleidung hinzunehmen. Wir entscheiden uns für die "große Tour", die uns ganze zweieinhalb Stunden 50 Meter hinab in die Stollen des Erzbergwerks bringen wird. Die Führerin stattet die kleine Gruppe zunächst mit Helmen, Licht und Handschuhen aus – Dinge, die hier unverzichtbar sein würden, wie wir bald feststellen konnten.

 

Anders als im Kohlebergbau herrscht in den Stollen sommers wie winters eine gleichbleibende Temperatur von ca. 8 Grad. Wir waren also froh, uns warm angezogen zu haben. Wir passierten die im Mittelalter geschlagenen Stollen aus der Silbererz-Abbauzeit und erfuhren, dass die Menschen damals tatsächlich sehr kleinwüchsig waren (die Führerin sprach von ca. 120 cm, was wir nicht recht glauben können), weshalb die Gänge auch nicht sonderlich bequem begehbar waren.

 

Auch der Abstieg - ganz zu schweigen der spätere Wieder-Aufstieg! - über Sprossenleitern (wir haben davon 13 Stück hinter uns gelassen) wird alles andere als ein Kinderspiel. Sehr oft stoßen wir mit den Helmen an das Gestein und dürfen beim Verlassen des Bergwerks feststellen, dass wir uns ziemlich eingesaut haben. Dafür verfügen wir am Ende allerdings über einmalige Erkenntnisse darüber, wie beschwerlich der Alltag der Bergarbeiter vom Mittelalter bis zur Gegenwart gewesen sein muss. Der noch vorhandene „moderne Presslufthammer“, mit dem die Hauer noch bis in die 1950er Jahre vor Ort arbeiteten, macht einen derartigen Lärm, dass die Führerin ihn nur sehr kurz demonstriert. Anschließend überlegen wir in der Gruppe, welche gesundheitlichen Schäden uns am schwerwiegendsten erscheinen: Taubheit durch den Lärm oder Staublunge durch die zunächst noch ohne Wasserzuleitung arbeitenden Presslufthämmer?

 

Erstaunlich ist auch die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass die Männer von Rheuma verschont blieben, obwohl sie über die gesamte Schicht Kälte und Dreck ausgesetzt blieben. Die Forschung führe das auf die leichte Radonstrahlung zurück, der die Arbeiter ausgesetzt gewesen seien. In den insgesamt 800 Jahren, in denen in diesem Bergwerk gearbeitet wurde, drang man bis zu 600 Meter tief in den Fels vor und legte Gänge an, die teils den kompletten Berg durchschnitten – über 2 km lang -, was für die Bergarbeiterfamilien diverse Vorteile mit sich brachte. So konnte der später als Hebammen-Stollen bezeichnete Gang beispielsweise von den Schulkindern oder auch der Hebamme als Abkürzung genommen werden, denn in der Arbeitersiedlung auf der einen Seite des Berges gab es keine medizinische Versorgung und auch keine Schule. Im Winter war der Weg über den Gipfel keine Alternative, denn der Schnee lag oft mannshoch.

 

Wer beim Stichwort Schauinsland bereits neugierig geworden ist: Zum einen gibt es diesem Namen entsprechend normalerweise einen grandiosen Blick vom Gipfel, den man mit einer Kabinenbahn erreicht. Der Betrieb war an diesem Tag eingestellt, denn die Wolken hingen einfach zu tief. Das Restaurant an der Schauinsland-Bahn hat einen recht mäßigen Service (TK-Ware als Kuchen z.B.), ist aber alternativlos. In einem der stillgelegten Berkwerksstollen, dem Barbarastollen, befindet sich übrigens das Kulturarchiv des Bundes. Sollten die Deutschen irgendwann aussterben oder sich selbst vernichten, bleiben rund eine halbe Milliarde microverfilmten Kulturguts übrig - gemäß Haager "Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten" streng bewacht, nach Norm verwaltet und ständig ergänzt. Da kann ja nichts mehr schiefgehen ...!