12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Das Wichtigste zuerst: ...
... riesige Baumwurzeln ...
... fast ohne Tageslicht fotografiert!
Speziell für Weitwinkel: Baumkrone zum gefallenen Riesen im Vordergrund liegend!
Wappeneiche von vorn ...
... und von hinten
Kamineiche
Bussard mit Trainer
Abflug!
Schnee-Eule
Falke
Weißkopfadler
Im Anflug: Schnee-Eule ...
... Bussard
Wolf mit Beute-Schaf
Im Vordergrund: Der "Prügel-Knabe" des Rudels (kneift den Schwanz ein)
Das Rudel formiert sich zum Angriff!

Auf der Jagd nach dem richtigen Bild

Pünktlich um halb acht trafen wir vor dem Tierpark auf unsere Gruppe und begaben uns gemeinsam zum Parkplatz vor dem Urwald Sababurg. Dort lernen wir zunächst die Vorteile von individuellen Belichtungsvorgaben gegenüber Automatik-Programmen der Kamerahersteller kennen. Außerdem wird deutlich, welche hervorragenden Dienste ein Polfilter tun kann, so man einen besitzt. Allerdings unterscheiden sich Objektive im Durchmesser, sodass man mit einem einzigen Polfilter in aller Regel nicht auskommt. Da wir exakt einen Polfilter besitzen, der leider nicht auf alle unsere Objektive passt, mussten wir uns zwangsweise mit schlechteren Ergebnissen zufrieden geben. Also steht fest: demnächst wird in einen weiteren Polfilter investiert, damit wir alle Objektive mit dieser Zusatzausstattung benutzen können.


Bereits kurz nach Betreten des - so wird uns erklärt - ehemaligen Hutewalds bekommen wir die ersten Aufgaben zugeteilt. Damit wir uns nicht gegenseitig im Bild herumstehen oder -laufen, werden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, die nun die markantesten Merkmale der augenscheinlich riesigen Bäume in Szene setzen sollen: die bemoosten Wurzeln. Es ist erstaunlich, wie lange man sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit unterschiedlichen Ergebnissen an so einer Aufgabe aufhalten kann. Unser Kursleiter bestätigt uns, dass Geduld die hervorragende Tugend guter Fotografen sei. Vielleicht ist ein wenig „Bekloppt-Sein“ auch nicht verkehrt, denn wer steht, hockt oder liegt(!) schon mehrere Stunden vor dem auserkorenen Objekt, um auf einen wie auch immer gearteten Idealzustand der Szenerie zu warten?

 

Wir jedenfalls erfuhren an diesem Vormittag, dass Sonnenlicht für Waldfotografie tödlich ist (das macht nämlich entweder "ausgefressene" helle Flecken oder taucht den Vordergrund in undurchdringliches Dunkel) und man ohne Stativ und Fernauslöser überhaupt keine vertretbaren Ergebnisse erreicht. Falls wir noch einmal auf Fotopirsch in unsere Wälder aufbrechen, werden wir unseren Zeitplan und unsere Wetter-Präferenzen korrigieren müssen, denn – hört, hört! - im Wald fotografiert man am besten bei „schlechtem Wetter“ (kein Sonnenschein, im Nebel, während oder kurz nach dem Regen). Zwischendurch mahnt Manfred Delpho uns zum Aufbruch zur nächsten Anlaufstelle, denn mit fortschreitender Stunde minimieren sich die Chancen, noch zu guten Bildern kommen zu können.

 

Überraschend schnell ist es dann auch schon Mittagszeit. Nach einer kurzen Mittagspause treffen wir uns zum zweiten Teil des Workshops im Tiergarten. Hier wollen wir als erstes Erfahrungen mit der anspruchsvollen Fotografie von Greifvögeln sammeln. Erwartungsgemäß bekommen wir im Rahmen der Flugschau einen Begriff davon, wie schnell man als engagierter Laie an die Grenzen seiner Möglichkeiten kommt. Auf den Fotos landen vornehmlich unscharfe Umrisse, Teile von Schwingen oder Fängen der Vögel oder auch Hinterköpfe der Zuschauer oder Kursteilnehmer. Wichtigste Erkenntnis an dieser Station: Scharfe „Action“-Aufnahmen sind auch für Profis mit viel Glück verbunden, denn Falken, Bussarde oder Adler sind verdammt schnell unterwegs.

 

Hilfreicher Tipp des Experten: Lieber der Kamera eine Untergrenze für eine Belichtungszeit vorgeben und ihr die freie Wahl lassen, mit welchem ISO-Wert sie arbeitet (das nennt der Profi dann „ISO-Automatik“, die wir vorher noch nie benutzt haben). Das garantiert am ehesten ein scharfes Bild, wenn man schon einmal das Objekt auf das Bild bekommt. Allerdings muss man dann damit leben, dass das Bild notfalls „pixelig“ erscheint (ein Begriff, um den es in der Folge einen regen Austausch mit dem Dozenten gibt), weil statt dem üblichem Wert von 200 auf 400 oder mehr ISO zurückgegriffen wird.

 

Wohl dem, der ein lichtstarkes Objektiv und eine Kamera hat, die hier noch gute Ergebnisse gestattet. Horsts D700 ist in diesem Fall rein technisch absolut im Vorteil gegenüber Ankes D200. Dass frisch-gelernte Lektionen sich erst noch setzen müssen, dürfen wir an der nächsten Station erleben: dem Wolfsgehege. Manfred Delpho hat eigens Frischfleisch beschafft und diese Sonderaktion mit der Tierparkleitung abgesprochen, um uns spektakuläre Szenen zu ermöglichen. Bei der Auswertung unserer Fotoausbeute durften wir erkennen, dass konsequente Anwendung der „ISO-Automatik“ wahrscheinlich hilfreich gewesen wäre. So waren die wenigen „Action“-Szenen, deren Dokumentation uns überhaupt gelungen war, allesamt der Bewegungsunschärfe zum Opfer gefallen. Das war schade, aber nicht mehr zu ändern. Lektion begriffen.

 

Die letzte Station dieses Tages bildete das Luchs-Gehege. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, es handele sich lediglich um eine besondere Art von Katzen, so „handzahm“ näherten sie sich unserem Standort (vor dem Zaun!). Diesem Irrtum saßen offensichtlich auch die Eltern des kleinen Mädchens auf, das neben uns seine Fingerchen durch die Maschen schob, ohne dass die Erwachsenen davon Notiz nahmen. Zum Glück blieb die Aktion ohne Folgen. Damit endete der erste Unterrichtstag. Uns schwirrte der Kopf, aber das Angebot, uns in lockerer Runde am Abend noch einmal zu treffen, ließen wir uns dennoch nicht entgehen. Das lag nicht zuletzt an der Aussicht auf einen Einblick in die Profiarbeit unseres Kursleiters (unsere Empfehlung: dessen Internetseite besuchen!).

 

Manfred Delpho gab sich nicht nur während des Tages für alle Vorschläge und Fragen aufgeschlossen, sondern ließ uns auch am Abend die Wahl, wie wir ihn gestalten. Übereinstimmend plädierten wir für eine Kurzform seines Fotovortrags Namibia, in dem es zum einen um die einzige existierende Herde wild lebender Pferde und zum anderen um ein autark lebendes Volk von Himba ging, die Manfred Delpho mit seiner Frau besucht und abgelichtet hatte. Da uns die kurze Nacht und die anstrengende Tagestour noch in den Knochen steckte, wurde es ein ziemlich kurzer Abend, und wir schliefen kurz nach Eintreffen in unserer Ferienbleibe mit viel Vorfreude auf den kommenden Tag ein.