12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Waldszene normal belichtet ...
... und mit Spezialeffekt
Solitär-Baum mit wenig Licht
Solitär-Baum mit mehr Licht
Alleeszene I
Alleeszene II
Falke
Schleiereule
Uhu
Luchs-Portrait I
Luchs-Portrait II
Luchs im Ganzen

Übung macht den Meister (und die richtige Technik)!

An diesem Morgen sollten wir ein weiteres Basiswerkzeug der Natur-Fotografie kennenlernen: die Doppelbelichtung. Gut, dass moderne Spiegelreflex-Kameras alle notwendigen Berechnungen mittels Programm selbst vornehmen, sodass man sich um die Voreinstellungen nicht selbst kümmern muss. Allerdings ist man gezwungen, recht schnell hintereinander zu fotografieren, sonst setzt die Kamera die Einstellungen zurück, bevor man fertig ist. Und ein wenig Handarbeit war zwischen beiden Aufnahmen immer noch notwendig.

 

Wie das spätere Ergebnis aussehen konnte (nämlich wie "verwunschen"), hatten wir in der kleinen Präsentation unseres Kursleiters bereits gesehen. Nun wurde das betreffende Baummotiv im Urwald Sababurg ausgewählt, an dem wir uns „austoben“ durften. Für Anke, die weniger an Kameratechnik interessiert ist und von der schnellen Abfolge noch nie ausgeführter manueller Aktionen ziemlich gestresst schien, war dieser Aufgabenteil eine absolute Herausforderung. Nach etlichen Fehlversuchen und Objektivwechseln kamen wir zum Schluss, dass wir noch viel Übung benötigen würden, das Resultat aber eine wirkliche Bereicherung unserer Bildgestaltungsmöglichkeiten darstellte.

 

Angesichts der guten Wetterprognose nahmen wir ein weiteres Ziel in Angriff, und zwar die beeindruckenden „Solitäre“ der Baumriesen, von denen einige auf Privatgrund stehen und darum nur mit Einverständnis der Grundeigentümer abzulichten sind, darunter der wohl älteste Apfelbaum Deutschlands und eine alte Eiche, die offenbar schon Briefmarkenmotiv gewesen ist. Wieder üben wir uns in der Tugend des Wartens aufs „rechte Licht“, versuchen uns an Detailaufnahmen, umwandern den Baum, um den besten Standort für eine optimale Aufnahme zu entdecken, legen uns sogar bäuchlings ins nasse Gras, um dem mächtigen Baum darstellerisch gerecht zu werden. Am Ende hat die Hälfte der Gruppe klitschnasse Hosenbeine, ist mit dem fotografischen Ergebnis allerdings zufrieden.

 

Eine aufziehende Wolkenfront beendet die Foto-Session an dieser Stelle und lässt uns das nächste Ziel ansteuern: eine Baumallee. Hier sind die an körperlicher Größe überlegenen Herren durchaus im Vorteil. Wir überlegen kurzfristig, ob wir die in der Nähe abgelegten Holz-Gerüste zur Erhöhung unseres Standpunktes nutzen können, verwerfen das Vorhaben jedoch bald. Mit großen Kopfschütteln nehmen wir zur Kenntnis, dass der Bürgermeister der Gemeinde Hofgeismar an dieser Stelle seinen Traum von einer millionenschweren Bespaßungsanlage verwirklicht sehen wollte.

 

"Henners Traum" ist inzwischen ausgeträumt, war allerdings sogar Thema eines Dokumentarfilms. Die Eckdaten zum Mitschütteln: Fünf Hotels der Luxusklasse, 600 Villen und Ferienwohnungen, mehrere Golfplätze, eine künstliche Seenlandschaft von 34 Hektar sowie eine Trabrennbahn mit angeschlossenem Pferdezentrum und Poloplatz. Man steht mitten in dieser Naturlandschaft und kriegt einen Schauer nach dem anderen bei der Vorstellung, dass der Mann für so einen Blödsinn tatsächlich Geldgeber gefunden hätte. Noch mehr Unruhe löst die Anweisung des Kursleiters aus, innerhalb der bevorstehenden Mittagpause von gut 1,5 Stunden aus den mehreren hundert Fotos maximal 8 (in Worten: acht!) pro Teilnehmer auszuwählen, um sie am Nachmittag zu beurteilen zu lassen (hart aber fair). Das droht eine Hauruck-Aktion zu werden, raunen wir uns zu.

 

In unserer Ferienwohnung eingetroffen setzen wir zunächst Kaffee auf und bereiten eine Brotzeit vor, während wir unseren Laptop anschließen, um die Speicherkarten zu überspielen, damit wir schon einmal grob vorsortieren können, bevor wir die gewünschte Auswahl ins gewünschte Format übertragen (wir fotografieren nämlich im RAW-Format, der Kursleiter will allerdings JPGs sehen). Klagen nützt nichts, denn es geht auch den übrigen Teilnehmern nicht besser, sodass am Ende eine gute Mischung aus „Boahs“ und „Och-nös“ vorliegt, die dem Kursleiter den einen oder anderen Tipp für die Professionalisierung der Ergebnisse entlockt.

 

Die Idee, unseren Aufenthalt noch einige Tage über die Kursdauer hinaus zu verlängern, um die Chance zu haben, das Gelernte praktisch anzuwenden, erscheint auch Manfred Delpho überaus sinnvoll. Wir bilden allerdings die absolute Ausnahme. Alle anderen fahren noch am gleichen Tag heim. Mit dem festen Willen, diese Chance auch zu nutzen, beschließen wir diesen Kurs, den wir jedem ernsthaft lernwilligen Laien-Fotografen nur ans Herz legen können. Abends in unserer Ferienwohnung sind wir wieder einmal total geschafft und gehen sehr zeitig zu Bett.