12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Von Bath nach Hailsham (Süd-England) - ca. 236 km
Straßenbild in Hastings
Tolles "Wartehäuschen" in Hastings
Hastings
Liebespfahl
Hastings my Love
Hastings, ein Schlachtplatz
Strandbild mit Pier
Abgebrannt
Bodiam Castle
Hier hätte sie sein müssen, die Zugbrücke
Außenansicht Bodiam Castle
Du kommst hier nicht rein!

Abpfiff

Wenn man zu Beginn einer Fußballweltmeisterschaft in das vermeintliche Mutterland des Fußballs fährt, überrascht es einigermaßen, dass von Fußball-Euphorie nicht die Rede sein kann. Bereits von unserem Gastgeber David Archibald im Lake District erfuhren wir, dass Rugby oder Cricket für viele Briten Nationalsportarten von weitaus größerer Bedeutung seien. Wir hatten jede Menge Golf-Clubs passiert und sogar einen Trabrennbahn, aber nirgendwo ein Fußballstadtion gesehen. Vielleicht wird in Großbritannien gar nicht so viel Fußball gespielt, wie der Kontinental-Europäer vermutet?

 

In Bath jedenfalls fand zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts neben einem Cricket-Tournier (junge Damen) auch ein Wettkampf des örtlichen Bowling-Clubs (Herren) statt. Um das am selben Tag stattfindende Match der Englischen Elf gegen Italien wurde kaum Aufhebens gemacht. Wir erfuhren das Ergebnis (Niederlage gegen Italien mit 1:2) bei einem Einkauf am Folgetag und wurden mit besten Wünschen für das Spiel unserer Mannschaft bedacht.

 

Das schien genutzt zu haben, denn "wir" schlugen Portugal an diesem Abend vernichtend mit 4:0! Wie wir wissen, ist England zwischenzeitlich aus dem Turnier ausgeschieden. Eine Schande!



Apropos Schande: Viele Engländer betrachten es als nationale Schande, wie mit ihrer Kultstätte Stonehenge umgegangen wird. Das jedenfalls wissen wir inzwischen dank entsprechender Nachforschungen. Für den Abreisetag in Richtung Hailsham - der letzten Station unserer Reise - hatten wir uns nämlich einen Zwischenstop an den Steinkreisen aus prähistorischer Zeit vorgenommen - und standen einigermaßen fassungslos vor dem frisch eröffneten (Ende 2013) "Heritage Center" - ein riesiger Komplex.

 

Auf unsere vorsichtige Nachfrage beim Info-Point, ob denn gar keine Möglichkeit bestünde, zu Fuß zu den Steinen zu gelangen, wurden wir belehrt, das sei "viel zu weit weg" und man empfehle unbedingt eine Mitgliedschaft im Verein (English Heritage Pass). Die Jahresgebühr beinhalte einige weitere kostenpflichtige Attraktionen. Blablabla.

 

Was war aus dem Ziel aller heimlichen und bekennenden Druiden unter uns nur geworden? Man parkt sein Auto heutzutage gut 2 km entfernt auf einem kostenpflichtigen Parkplatz, reiht sich in die Besucherschlangen an den Kassen ein und erwirbt eine knapp 14 Pfund teure Eintrittskarte, die zum Benutzen des Pendelfahrzeuges berechtigt.

 

Damit wird Mann und Maus zum Zielpunkt gekarrt, wo man vorschriftsmäßig im Touristenstrom um die sorgsam abgesperrten Steine kreisen darf - fast wie die Pilger in Mekka. Immerhin dürfte man auf halber Strecke aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen sowie Gesänge anstimmen. Herzlichen Dank auch! Wahrscheinlich könnt ihr euch denken, wie wir uns hinsichtlich des Besuchs entschieden haben.


Ab diesem Punkt war zumindest für Anke irgendwie die Luft raus aus der Urlaubsreise. Und auch das Wetter ließ zu wünschen übrig, sodass wir kaum noch auswertbares Fotomaterial beisteuern können.

 

Der Aufenthalt in Hailsham, genauer in Hailsham Grange, einem alten Pfarrhaus mit einem "kleinen Garten von rund 4500 qm" (so wörtlich unser Gastgeber), wird uns dadurch in Erinnerung bleiben, dass wir es bedauerlicherweise nicht nach Brighton geschafft haben.

 

Und das, obwohl wir nie näher am Spielort des Films Quadrophenia waren. Wer ihn nicht kennt, sollte ihn sich unbedingt einmal ansehen. Immerhin haben die legendären The Who die Musik beigesteuert - und Sting spielt eine nicht ganz unbedeutende Nebenrolle.

 

Statt Brighton besuchten wir - sehr zum Bedauern unserer Gastgeber - die in Deutschland ebenfalls nicht unbekannte Küstenstadt Hastings. Genau, da gab es diese nicht ganz bedeutungslose historische Schlacht.

 

Unser Eindruck: man muss Hastings schon sehr lieben, um hier leben zu wollen! Manche Bewohner verleihen eben dieser Liebe ein sichtbares Zeichen mit Liebesschlössern an einem extra aufgestellten Pfahl.

 

Hoffentlich führt der geplante Um- und Wiederaufbau des 2010 abgebrannten Piers zu einer Wiederbelebung des Städtchens, das gegenwärtig einen wirklich sehr heruntergekommen Eindruck macht.

 

Es zeigt sich, dass sich ein Abstimmungsgespräch mit seinen Gastgebern unbedingt lohnt und es sich rächt, wenn man es auslässt. Wir haben versprochen, es beim nächsten Besuch besser zu machen. Wann der sein wird, steht allerdings noch in den Sternen.

 

Nicht noch einmal besuchen werden wir sicherlich auch Bodiam Castle. Die mittelalterliche Wasserburg haben wir lediglich von außen besichtigt. Wollte man auch einen Blick hinein werfen, hätte man dem "Wächter" am Eingang ein gütliges Ticket vorzeigen müssen - käuflich zu erwerben im Visitor Center. So schließt sich der Kreis.

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