12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Kunst am Deich: "Charon"
Familie Storch ...
... im Storchennest
Natur pur
Auch die Schwalben ...
... brauchen Nistmaterial
Deutsch-Deutsche Vergangenheit: Grenzturm an der Elbe

Pfingsten 2013 am Storchennest

Lenzerwische ist eine aus mehreren Ortschaften bestehende Gemeinde im Landkreis Prignitz, das ist der nordwestliche Zipfel von Brandenburg. Lenzerwische befindet sich damit unweit des Inbegriffs der Anti-Atomkraft-Bewegung meiner Jugendzeit: Gorleben. Mit dem Wissen von heute scheint es mir noch viel unvorstellbarer als seinerzeit, dass hier mitten in einem empfindlichen, schützenswerten Naturraum ein Atommüll-Endlager betrieben werden soll.

Anders als beim Stichwort Gorleben, zuckt wahrscheinlich keiner der Kontrahenten in Sachen Energiewende bei der Nennung der Städte Dömitz und Lenzen, den nächstgelegenen Städten links und rechts von Lenzerwische. Gleichwohl findet mancher Naturfreund hierher, vermutlich nicht nur wegen des Elberadwegs, sondern auch wegen der Storchenpaare, die hier alljährlich ab Mai die nächste Storchengeneration aufziehen.

Zu unserem Aufenthaltszeitpunkt war das Nest auf einem Pfahl direkt vor dem Haus bereits bezogen, und die Altvögel wechselten sich mit dem Brutgeschäft ab. Etwa acht Wochen später, so die Nachbarin, würde das Beringen der Jungvögel stattfinden, wobei der interessierte Fotograf wohl auch einmal einen Blick ins Nest werfen kann. Ansonsten blieben einem die Jungvögel wahrscheinlich verborgen, denn die Nester seien nicht nur sehr hoch platziert, sondern innen auch einigermaßen tief. In der Tat konnten wir kaum den Kopf des Altvogels ausmachen, der gerade auf dem Gelege saß. Nur wenn „Schichtwechsel“ angesagt war, konnten wir für kaum eine Minute beide Altvögel bewundern.

Wettertechnisch schienen wir einen weniger guten Zeitpunkt für unsere Reise gewählt zu haben, denn es blieb insgesamt bei wenigen trockenen Phasen, die von teils heftigen Regenfällen eingerahmt waren. Demzufolge begaben wir uns kaum einmal zu Fuß auf Entdeckungstour und waren heilfroh, in unserer Ferienwohnung viel Platz zum Ausspannen zu haben.

Fest eingeplant hatten wir im Grunde die Einnahme eines Abendessens in der benachbarten Gaststätte. Vorgewarnt durch die hilfreiche Nachbarin, erkundigten wir uns noch am Ankunftstag nach den Öffnungszeiten und wurden enttäuscht: Weil die Wirtsleute sich auf Gäste zum Mittagessen und Kaffeetrinken konzentrieren und bereits um 17 Uhr schließen wollten, wären wir gezwungen, bis 16:30 Uhr zum Abendessen zu erscheinen. Das war uns denn doch etwas zu früh.

Eine Erkundungstour entlang der Hauptstraße Richtung Lenzen ergab genau eine weitere Gastronomie in fußläufiger Nähe. Es dauerte noch einen weiteren Tag, bis wir herausfanden, dass Fußgänger das Hotel-Restaurant „Alter Hof am Elbdeich“ nicht nur relativ unkomfortabel auf der Hauptstraße, sondern weit gefahrloser und auch landschaftlich interessanter immer auf dem Deich entlang laufend erreichen konnte. Im Nachhinein völlig unverständlich, dass wir das nicht sofort versucht hatten.

In diesem Restaurant wurden wir zu fairen Preisen an allen drei Abenden mit gut schmeckenden Kreationen aus der Küche versorgt, und in uns wuchs die Überlegung, bei einem erneuten Aufenthalt vielleicht gleich eine der hier vorhandenen Ferienwohnungen zu mieten.

Damit hätten wir dann ein weiteres Problem erschlagen, das uns unerwartet ereilte: Einkaufsmöglichkeiten beschränken sich nämlich auf die schon erwähnten Orte Dömitz und Lenzen (wobei Dömitz näherliegt). In dieser ländlichen Idylle hatten allerdings die beiden Supermärkte in Dömitz über Pfingsten geschlossen, und wir beschafften am Pfingstsonntag an einer Tankstelle einen Notbedarf für das Frühstück. Das wäre uns als Gästen des Hotels natürlich nicht passiert.