12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Üpprig blühender Baum in Göhren
Kirchenhügel im Rapsfeld
Rapsblüte
Rapsfeld
Rapsfeld
Sellin - Abgang zum Strand, rechts im Bild: Aufzug
Seebrücke von Sellin
Café Niedlich in Lohme
Junge Getreide
Fernblick bei Alt-Reddewitz
Bei Alt-Reddewitz
Bei Alt-Reddewitz
Bei Alt-Reddewitz
Bei Alt-Reddewitz
Bei Alt-Reddewitz
Bei Alt-Reddewitz

Vom Nordperd, dem Buskam und der Schwedenbrücke

Auf Rügen hatten wir 2008 einen ersten Urlaub verbracht, und zwar im Seebad Baabe mitten im Juli bei dementsprechend hochsommerlichen Temperaturen. Das würde in diesem Jahr nicht so sein. Bei unserem Eintreffen in Göhren, dem südlichen Nachbarort von Baabe, lagen die Temperaturen knapp im zweistelligen Bereich und es regnete fast durchgehend. Bei solchen Witterungsverhältnissen machen weder Geocachen noch Fotografieren wirklich Spaß, aber wir wollen uns angesichts des parallel stattgefundenen Winterwetters mit Schneefällen in anderen Regionen unseres Landes lieber nicht beklagen.

Spätestens beim Gang durch den Ort – zum Einkaufen, zum Essen, zur Strandpromenade – wird deutlich, warum der Ort Göhren heißt, was aus dem Slawischen übersetzt soviel wie „bergig“ bedeutet: Es geht stets hinauf und hinunter, sodass man nicht nur streckenmäßig ordentlich Meter macht, sondern auch einige Höhenmeter bewältigt. Unser Feriendomizil „Haus am Hövt“ gilt als östlichstes Haus der Insel und ist aufgrund seiner Lage prädestiniert für einen ruhigen Urlaub. Die heutigen Eigentümer verweisen in ihrem Internetangebot auf die wechselhafte Geschichte des Hauses, das sie von einem Nachfahren des Erbauers übernommen und zu wirklich ansprechenden Ferienquartieren umgebaut haben.

So ganz ohne Touristenströme ist diese einmalige Lage zumindest in der Hauptsaison nicht zu haben, denn einerseits beginnt hier der Wanderweg auf das Nordperd mit seinem Urwald-artigen Baumbestand und sehenswertem Panoramablick. Zu unserer Aufenthaltszeit war der Abstieg vom Nordperd zum Strand wegen vorangegangener Abbrüche an der Steilküste gesperrt, was sicherheitstechnisch sicher völlig in Ordnung geht. Es beschränkt den Spaziergänger allerdings in seinen Möglichkeiten für Wanderungen den Nordstrand entlang.

Andererseits lockt wenige Meter in entgegengesetzter Richtung der Abgang zum Südstrand mit grandiosem Blick auf Bornholm und Usedom. Wandert man von hier aus zum Fischerstrand, tauchen die Überreste der „Schwedenbrücke“ auf, einer an strategisch wichtiger Stelle noch unter schwedischer Regierungszeit (1813) erbauten Landungsbrücke für die Truppen des offenbar recht kriegerisch gestimmten Königs von Schweden. Nach Ende der schwedischen Herrschaft nutzten die Einheimischen das Bauwerk letztlich als Lotsenbrücke für die Durchfahrt der großen Handelsschiffe durch den Greifswalder Bodden, bevor es etwa 40 Jahre später in einem Unwetter fast völlig zerstört wurde.

Fast an gleicher Stelle entstand wieder einige Jahre später die legendäre über 1000 Meter lange Seebrücke am Fischerstrand, an der Gäste der Seebäder bei ungünstigem Wind und Seegang alternativ zu den Seebrücken an der Nordseite der Insel angelandet werden konnten. Die Länge dieser Brücke resultierte aus dem sehr flachen Boddengewässer, das die notwendige Fahrtiefe für die Fahrgastschiffe erst weit ab der Küste hergab.

Bemerkenswert ist auch das erste überhaupt gebaute Seemannsheim, dass die Gräfin von Schimmelmann (eine Hofdame der Kaiserin) 1887 am Fischerstrand für die auswärtigen Fischer errichten ließ. Diese verbrachten oft auch im eisigen Winter Tage und Nächte auf dem Wasser in ihren Booten zu, was – so ein Zeitzeuge – nur mit einer Menge Alkohol überhaupt zu ertragen gewesen sei. Mit dem Bau der Zuflucht und ihrer Fürsorge trachtete die Gräfin, das Elend dieser Menschen zu mindern und auch die Handgreiflichkeiten einzudämmen, die dem Alkoholzuspruch folgten. Vom Seemannsheim wie auch vom einstigen Salzhaus sind keine sichtbaren Überbleibsel erhalten geblieben.

Eher unspektakulär erscheint dagegen der Blick vom Nordperd (Nordstrand-Seite) auf eine weitere Attraktion: der Buskam. Dieses steinerne Relikt der Eiszeit mit sensationellen Abmessungen – je nach Quelle: um die 1600 t Gewicht, rund 40 Meter Umfang und an die 600 Kubikmeter Volumen - liegt etwa 300 Meter vor der Küste und ragt je nach Wasserstand 1 bis 1,5 Meter aus den Fluten. Hätte ich nicht zuvor von ihm gelesen, der Buskam wäre mir wahrscheinlich nicht sonderlich ins Auge gefallen. Bestimmte Vertiefungen auf seiner Oberfläche deuten darauf hin, dass hier bereits in grauer Vorzeit rituelle Handlungen vollzogen wurden; Quellen berichten z. B. von Tänzen zu Hochzeiten. Hin zu schwimmen kann gefährlich werden und ist daher seit einigen Jahren untersagt. Auch scheinen die Abmessungen unter Vorbehalt zu stehen, nachdem jüngere Messungen geringere Werte ergeben haben. Nichtsdestotrotz handelt es sich unstrittig um den größten Findling, den man bisher in Norddeutschland gefunden hat.

Als Menschen, die gern Fisch essen, freuen wir uns natürlich besonders auf Gerichte mit fangfrischem Seefisch, wenn wir an der Nord- oder Ostsee sind. Wir haben schon etliche Variationen verkostet, können aber immer noch überrascht werden. Diesmal erweiterten wir unsere Kenntnisse des heimischen Fischvorkommens um den Hornfisch respektive Hornhecht. Diesem in seiner Form an einen Aal erinnernden Fisch aus der Familie der Hechte sind jedes Jahr im Mai die Rügener Hornfischtage gewidmet, an denen sich etliche Gastronomen beteiligen.

Da wir zuvor noch nie von einem derartigen Fisch gehört hatten, mussten wir uns erst einmal erklären lassen, was uns optisch und geschmacklich erwartet, wenn wir ihn bestellen. Ungläubig hörten wir von grünen Gräten, die man dementsprechend leicht vom hellen Fleisch würde trennen können. Geschmacklich sollte es in Richtung Makrele gehen, was wir nicht bestätigen können. Uns kam das Fleisch angenehm mild vor, also weniger kräftig im Geschmack als Makrele. Auch fanden wir die tatsächlich deutlich grünen Gräten weniger einfach aus dem Fleisch heraus zu sortieren als erhofft.

Dass wir erst gegen Ende der Hornfisch-Saison zuschlugen, brachte uns eine Portion deutlich unangenehm riechender Fischstücke ein, die aber nach Reklamation sofort zurückgenommen und einwandfrei riechendem Fisch ersetzt wurden. Unser Vertrauen in die betreffende Gastronomie blieb allerdings nachhaltig beeinträchtigt, sodass wir hier nicht noch einmal einkehrten.

Das „älteste Gasthaus mit eigener Fischräucherei“ Rügens lockt allerdings mit einem besonders gestaltetem Gastraum. Gespeist werden kann beispielsweise in einem zu einem „Séparée“ ausgebauten Weinfass. Mit einer mangelhaften Leistung der Küche wird das wohl nicht versöhnen, aber man könnte jedenfalls gefahrlos ein Bier konsumieren, wenn man das Ambiente erleben möchte.

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