15.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Kahnablegestelle mit traditionell gekleideter Kahnführerin
Anlegestelle im Fließ - es wird Gurke gereicht
Typische Fließ-Szene
Typische Fließ-Szene
Typische Fließ-Szene
Unser Kahnführer an der Anlegestelle in Lehde
Behältnisse für lebenden Fischvorrat
Paddler auf dem Fließ
Erholsamer Ausflug
Natur pur!
Riesenschnecke?
Typische Fließ-Szene

Mit dem Kahn von Lübbenau nach Lehde und retour

Wir hatten die Vorstellung, im Spreewald käme man einzig über die Wasserwege weiter, die hier Fließe heißen. Da befanden wir uns im Irrtum. Allerdings gibt es kaum einen entspannteren Weg, den Spreewald zu entdecken, als sich von einem der Kahntouren-Anbieter hindurch staken zu lassen - jedenfalls außerhalb der Hauptsaison.

 

Der Vergleich zu Venedig mit seinen Gondeln liegt nahe und wurde bereits von Theodor Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" gezogen. Die hiesigen Gondoliere singen allerdings eher selten. Dafür erzählen sie mit ernster Mine alles, was Touristen interessant finden könnten (und selten wissenschaftlich belegt ist).


"Unseren" Geschichten erzählenden Kahnführer finden wir direkt am Ortseingang zu Lübbenau, wo wir unseren Wagen direkt an der Anlegestelle parken können. Wir besteigen den startbereiten Kahn, ohne vorher zu wissen, welche Tour wir erwischt haben mochten, was sich sofort als Glücksfall erweist. Wahrscheinlich aufgrund unserer Fotoausrüstung bekommen wir die beiden vordersten Plätze im Kahn - freie Sicht in alle Richtungen, wie schön!

 

Allerdings müssen wir dann doch sehr die Ohren spitzen, um den Anlass für manches schallende Gelächter mitzubekommen. Immerhin ist so ein Kahn knapp 10 m lang, und auch die 20 Mitfahrenden haben sich einiges zu erzählen. Manche versuchen sich sogar in einem Wettstreit ums Wissen mit dem Kahnführer.

 

Das seien ihm schon mit die Liebsten, bekennt er offen. Die längste Tagestour mit lauter Naturfreunden machen zu müssen, sei jedoch seine persönliche Höchststrafe: "Neun Stunden Schweigen, damit man die Tiere nicht verscheucht", kopfschüttelt er. Wir grinsen uns an und nehmen wieder den Uferstreifen ins Visier. Es könnte ja doch noch ein unerschrockenes Tier vor die Linse kommen.

 

Unsere Tour dauert keine neun, sondern etwa drei Stunden mit einem längeren Aufenthalt im Dorf Lehde. Hier wird erst einmal der Fahrpreis kassiert, denn es sei bereits vorgekommen, dass Mitfahrende sich im Ort verlaufen hätten und unbeabsichtigt zu Fuß zurück nach Lübbenau gelaufen seien. Wieder erschallt Gelächter.

 

Auf die 13 Euro Fahrpreis pro Person werden uns die Parkgebühren angerechnet. Das scheint fair. Wir begeben uns gut gelaunt auf Entdeckungstour und wollen auf jeden Fall pünktlich zur Weiterfahrt erscheinen.

 

Lehde selbst besteht lediglich aus einer handvoll Häusern und einem Museumsdorf, in dem sorbische Lebensweise und Kultur dargelegt werden. Wer will, erfährt in Lehde außerdem einiges über Gurkenanbau und -verarbeitung. Die "Gurkenköniginnen" der letzten 20 Jahre sind ebenfalls zu bestaunen (allerdings nur als fotografische Aufnahmen).

 

Über die Traditionen des Spreewalds gäbe es einiges zu erzählen. Die Prämierung der Gurkenkönigin jedenfalls gehöre tatsächlich nicht zu den überlieferten Traditionen, sondern sei eine Erfindung neuerer Zeit, erläutert unser Kahnführer. Wichtig zu erwähnen sei unter anderem die Sprache und Kultur der Sorben (oder auch Wenden, je nach Region).

 

In Deutschland leben insgesamt etwa 60.000 Sorben. Sie bilden eine von vier anerkannten nationalen Minderheiten in Deutschland. Viele Straßen- und Ortsschilder im Spreewald sind zweisprachig beschriftet. Es gibt zweisprachige Grundschulen und Gymnasien, die ein zweisprachiges Abitur ermöglichen. In Leipzig befindet sich die einzige Hochschule in Deutschland, an der Sorbischlehrer und Sorabisten ausgebildet werden - Unterrichtssprachen sind Ober- und Niedersorbisch. Das eine ähnelt mehr dem Polnischen, das andere dem Tschechischen.


Anders als zu Beginn angekündigt, beenden wir unsere Kahnpartie letztlich doch ganz ohne Eskimorolle. Wir lassen den Wagen stehen und besuchen die Innenstadt von Lübbenau. Dort staunen wir über den Betrieb im größten Hafen des Spreewalds und statten dem direkt gegenüber liegenden Schloss (heute Hotel) eine Stippvisite ab.

 

Anschließend verkosten wir unseren allerersten Hefeplinsen (eine Art Pfannkuchen) - neben Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl das typische Spreewald-Gericht und damit Pflichtprogramm für unseren ersten Aufenthalt.

 

Apropos Leinöl: Dieses Geschmackserlebnis müssen wir nicht noch einmal wiederholen, Gesundheit hin oder her. Uns erinnert es stark an nassen Jutesack. Das kann auch der beste Quark nicht herausreißen. Von unserem Vorhaben, Leinöl als Geschenk an unsere Daheimgebliebenen mitzubringen, nehmen wir darum wieder Abstand. Wir bleiben doch lieber bei Gurkenvariationen.

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Zum Genießen: Fotos aus dem Fließ ohne Kommentar

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