12.12.2018 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
Sie befinden sich hier: Reiseberichte|Deutschland / Mosel 2015 / Moselabwärts: Burg Eltz / 
Burg Eltz
Burg Eltz
Wasserspeier an der Nordseite der Burg Eltz
Links oben im Bild Burg Trutzeltz
Steingeschosse
Burg Eltz - Haus Rübenach links, Haus Rodendorf rechts
Burg Eltz - Haus Rübenach rechts
Blick auf Haus Kempenich
Reich verziertes Fenster

Willkommen im Mittelalter!

Die etwas jüngeren Jahrgänge werden es wohl nicht wissen: Die Burg Eltz schmückte einst den 500 DM-Schein. Sie ist eine Besonderheit, die wir uns demzufolge auch unbedingt ansehen wollten. Die Fahrt von Wasserliesch nach Wierschem führt vorbei an einem weiteren sehenswerten Ort mit einer ebenso sehenswerten Burg, Cochem, und dauert rund 1,5 Stunden. Bis nach Koblenz hätte man dann noch etwa 30 Minuten zurückzulegen. Da wir wussten, dass dieser Aufenthalt mehr als zwei Stunden Zeit verschlugen hätte, hatten wir ihn nicht schon auf der Hinfahrt eingelegt.

 

Wir parkten unser Auto (kostenpflichtig) auf dem zur Burg gehörenden Parkplatz und stiegen wenige Meter weiter in das Shuttle-Fahrzeug (ebenfalls kostenpflichtig), das den ganzen Tag über zwischen Burg und Parkplatz pendelt. Anders als von uns erwartet führt die Straße bergab, sodass wir nicht nur über die kurze Anfahrt (keine 10 Minuten) erstaunt waren und sicher sind, den Weg auch zu Fuß bewältigt haben zu können.

 

Bei unserer Fahrt passierten einen Aussichtspunkt, den wir auf dem Rückweg - ebenfalls zu Fuß - ansteuerten, um die Burg noch aus einer weiteren Perspektive abzulichten. Das hat sich tatsächlich gelohnt. Diesen Rückweg empfanden wir als sehr anstrengend und bereuten demensprechend, den Shuttle-Bus nicht für den Weg hinauf zum Parkplatz statt hinunter zur Burg genommen zu haben. Wer noch weniger gut zu Fuß ist als wir, wird wohl hin und zurück den Shuttle-Bus nehmen. Geübte Wanderer suchen sich vielleicht den Waldweg abseits der asphaltierten Straße aus, für den man angeblich 15 Minuten einzuplanen habe. Wir haben es nicht nachgeprüft.

 

Natürlich kann man auch im umliegenden Wald tolle Wanderungen oder Radtouren unternehmen, schließlich liegt die Burg in einem Naturschutzgebiet. Fest steht, dass die Burg quasi uneinnehmbar auf ihrem Berg steht und auch unmittelbar von der Haltestelle des Shuttle-Busses aus sehr fotogen wirkt. Auf einem benachbarten Hügel befindet sich die Ruine der Burg Trutzeltz, eine einzig zum Zwecke der Eroberung der Burg Eltz errichtete Burg. Mit Steingeschossen, ähnlich der im Hof der Burg Eltz gelagerten, wurde sich daran versucht - wie gesagt vergebens.

 

Die Eintrittskarten erhält der zahlungswillige Tourist im Burgladen und begibt sich dann wahlweise für eine erste Stärkung in eins der beiden Selbstbedienungslokale (Tipp: selbstgemachte Eintöpfe!) oder aber direkt zur ersten Attraktion (die im Preis enthalten ist): die Schatzkammer.

 

Die Ausstellungsräume verteilen sich auf unterschiedliche Ebenen, die über Treppen zu erreichen sind - insgesamt alles nicht barrierefrei. Es hat uns erstaunt, vor dem Eingang trotzdem einer Familie mit Kinderwagen zu begegnen. Die Ausstellungsstücke belegen die interessante Familiengeschichte derer von Eltz über die Jahrhunderte. Uns überraschte die Tatsache, dass die Familie ihren Hauptwohnsitz im ost-kroatischen Vukovar hatte und eines der Oberhäupter sogar Mitglied des kroatischen Parlamentes gewesen war (1991 - 1998).

 

Die äußerlich als Einheit erscheinende Burg Eltz ist in der Tat baulich in drei unterschiedliche Häuser getrennt, die jeweils einem Familienteil zugeordnet waren: Rübenach, Rodendorf und Kempenich. Aus dem Haus Kempenich stammt das heutige alleinige Familienoberhaupt. Die Familie lebt zwar in Frankfurt, kommt jedoch gelegentlich zu Besuch und hat angeblich deshalb keine Freigabe für Fotos der Gemächer erteilt, die man im Rahmen der Burgführungen zu sehen bekommt. Das ist natürlich äußerst schade für Menschen wie uns, denn es gibt wirklich sehenswerte Bilder, Wandmalereien oder Möbel zu sehen. Unser Führer erzählte uns dazu ziemlich tolle Geschichten. 

 

Gleich zum Einstieg betonte er die Notwendigkeit, die Besucher vor dem Anfassen der Waffen zu warnen, denn es habe tatsächlich eine Besuchergruppe gegeben, die mit der vorhandenen Ausstattung eine Kampfszene nachzuspielen versucht hätte. Dem Vortrag folgte ungläubiges Gelächter der Anwesenden. Gleiches wiederholte sich später an der Stelle, als wir zum Verlassen des besichtigten Raumes aufgefordert wurden, wonach der Führer hinter uns abzuschließen habe. Das sei so, seitdem ein Besucher sich an der Mitnahme eines besonders wertvollen Gemäldes versucht habe. Unglaublich, auf welche Ideen manche Menschen kommen!

 

Beachtlich fanden wir übrigens auch, dass die Burg in ihrer wirklich sehr langen Geschichte nur ein einziges Mal unter einem Brand zu leiden gehabt hatte (1920). Die kostspielige Instandhaltung der jüngsten Zeit (2009 - 2012) wurde mit Fördergeldern von Bund und Land unterstützt und liest sich wie eine mittelschwere Rettungsaktion. Offenbar tendieren die Mauern der in drei Häuser (entsprechend der drei Erb-Familien) geteilten Burg zum Auseinanderdriften. Gut, dass wir nur (zahlende) Besucher sind und nicht Eigentümer.

To top