15.07.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Die erste Etappe

Leaving Oberhausen

Abflug
Oberhausen von oben
Irrgarten London-Stansted
Augen rechts!
Alles ok?
Sehr entgegenkommend: Linksverkehr!
Am Loch Lommond
Mietwagen Renault CLIO
Pause am Loch
Whisky-Brennerei in Oban
Vorsicht: "Single track road"!
Ziel erreicht!
Glenmore Country House
Haus mit Seeblick
Pläneschmieden

Kurz vor dem Start unserer Reise war uns aufgefallen, dass unser Flug von Düsseldorf mit einem Zwischenstopp in London-Stansted nach Glasgow gehen würde. Alles kein Problem, sagten wir uns, denn zwischen Landung und Weiterflug lag fast eine Stunde Übergangszeit. Das musste zu schaffen sein.

 

Größeres Unbehagen bereitete uns allerdings die frühe Abflugzeit: 6 Uhr 40, das hieß Einchecken spätestens um zwanzig vor sechs. Die Zugverbindung ab Mülheim-Styrum Bahnhof ging um vier Uhr 30, das bedeutete 3 Uhr Wecken - mitten in der Nacht!

Warum hatten wir ausgerechnet so einen frühen Flug gebucht, fragten wir uns, als die unruhige Nacht ein abruptes Ende fand. Mit dem deutlichen Gefühl, am falschen Ende gespart zu haben, und bepackt mit zwei Koffern für knapp 3 Wochen Ferienzeit im Kofferraum ging es zur Park-and-Ride-Anlage.

 

Die S-Bahn kam pünktlich und so erreichten wir wie geplant den Halt Düsseldorf-Flughafen, von wo schon seit Monaten ein Bus-Ersatzverkehr für den fehlerbehafteten Sky-Train seinen Dienst tut. Das Vorzeigeprojekt der Firma Siemens wird wohl das Unternehmen noch einige Vertragsstrafen kosten, bis es denn hoffentlich irgendwann einmal reibungslos funktioniert.

 

Ruck-zuck waren die Koffer aufgegeben und wir saßen bei der wahrscheinlich teuersten Tasse Kaffee Düsseldorfs im Flughafen-Cafe. Noch eine Stunde Wartezeit, dann die übliche Kontrolle - und Abflug.

Wie der Teufel es will ergab sich auf unserem Flug nicht nur die übliche Stunde Zeitverschiebung (in Großbritannien ticken die Uhren anders!), sondern auch eine nicht unerhebliche Verspätung. Genau um 7 Uhr 15 verließen wir die Maschine und folgten den Menschenmassen Richtung Transfer-Bahn zu den Abflugterminals im separaten Gebäude.

 

Dass die Abflugterminals dermaßen weit weg liegen würden, damit hatten wir nun wieder nicht gerechnet. Nicht nur, dass wir uns in eine ellenlange Schlange neuer und weiterfliegender Passagiere zu einer weiteren Passkontrolle einreihen mussten, während bereits mit dem Boarding begonnen wurde, nein, es mangelte auch deutlich an Hinweisen, wie wir zu unserem Gate 84 gelangen sollten. Dreimal mussten wir uns vergewissern, wie es weitergeht.

 

Quasi im gestreckten Galopp legten wir den Großteil der komplizierten Wegstrecke zurück, nichtwissend, ob wir jemals rechtzeitig dort ankommen würden, wo unsere Maschine hoffentlich noch wartete. Letztlich waren wir nicht die einzigen, die völlig abgehetzt und schweißgebadet in ihre Sitze fielen.

 

Wiederum mit einigen Minuten Verspätung traten wir den Weiterflug nach Glasgow an, wo wir nach gut einer Stunde Flugzeit um viertel nach 9 Uhr landeten. Nächstes Mal - das stand nun fest - würden wir einen direkten Flug buchen!

Auch unser Gepäck hatte die Reise überstanden - augenscheinlich in besserem Zustand als wir. Allerdings stand uns die größte aller Prüfungen noch bevor: eine Fahrt mit einem Rechtslenker hinauf bis an die Westküste in die Nähe von Oban.

Die Übernahme des Mietwagens war kein Problem und wir fassten wieder Mut. Einen ersten Hinweis darauf, dass wir uns nun umstellen müssten, gab es auf dem Überweg zum Parkplatz: "Look right", mahnte der übergroße Schriftzug. Ja klar, dachten wir. Alles wie Zuhause.

 

Kaum saß Horst allerdings hinter dem Steuer des Renault Clio, begannen auch schon die Schwierigkeiten: im Fußraum alles wie immer, aber der Schalthebel befand sich links. Das war schwer gewöhungsbedürftig! An was man alles denken muss. Links fahren, rechts überholen, mit dem Uhrzeigersinn im Kreisverkehr fahren und dann auch noch links schalten. Mammamia!

 

Nach den ersten Beinahe-Geisterfahrten und einer Ehrenrunde in einem verzwickten Kreisverkehr stand fest, dass es wohl noch eine Weile dauern würde, bis wir uns an die neuen Gegebenheiten gewöhnt hätten.

Dank der ungewohnten Fahrweise flogen die ersten landschaftichen Höhepunkte fast unbemerkt an uns vorbei. Außerdem machte sich ein deutliches Hungergefühl breit. Nach unserer Zeitrechnung war es fast Mittag, als wir eine Gaststätte am Loch Lomond zu einer ausgiebigen Kaffeepause nutzten. Wir genossen unsere home-made sandwiches with cheese and turkey, ein kleiner Vorgeschmack auf die heimische Küche. So gestärkt ging es dann weiter.

Nach einander passierten wir Crainlarich, Tyndrum und Glen Orchy, Lochawe, Fearnoch Forest und Conell, ohne uns die Zeit für ausgiebige Zwischenstopps zu nehmen. Eine kurze Zigarettenpause musste genügen, denn wir wollten eigentlich nur noch unsere erste Unterkunft erreichen.

Gegen 13 Uhr 30 erreichten wir endlich Oban, die bekannte Küstenstadt, und erkannten, dass der Ort Kilmelford, in dem wir unser Quartier beziehen sollten, doch noch etliche Meilen wieter südlich lag.

 

Die hiesigen Straßen würden wohl jeden Ralleyfahrer oder Biker in Entzückung versetzen, denn sie sind äußerst kurvenreich, teils mit überraschenden Verengungen ("single track links"), sodass nur ein Wagen jeweils passieren kann, und ziemlich hügelig ("blind summit" heißt so eine unübersichtliche Kuppe, hinter der alles und nichts lauern konnte). Einheimische sind da völlig schmerzfrei und rasen selbst an Stellen mit ungebremster Geschwindigkeit weiter, die einem als Ortsfremden das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Nach erlebnisreicher Fahrt gelangten wir schließlich gegen 14 Uhr zum Glenmore Country House, wo uns die hilfsbereite Schwiegermutter der Vermieterin mit einer Kanne kühlem Wasser über die anstehende Wartezeit bis zum Eintreffen der Hausherrin half. Offenbar hatte man mit uns erst nach 16 Uhr gerechnet, aber das war uns relativ egal. 13 Stunden auf den Beinen und etwa 180 Kilometer hinter einem Rechtslenker hatten uns geschafft.

 

Wir genossen den romantischen Blick über den Loch Melfort mit seinen still daliegenden Schiffen und schmiedeten mit unserer großen Schottlandkarte eifrig Pläne für Unternehmungen in die Umgegend.

Kurz nach 16 Uhr traf dann auch die Frau des Hauses ein und entschuldigte sich mehrfach für die Ungelegenheiten, die uns ihr Fortbleiben bereitet haben könnte. Wir versicherten nochmals, dass wir die Zeit bis zu ihrer Rückkehr gut überstanden hätten und wurden prompt zu einem Kaffee bei hausgemachtem Gebäck eingeladen, den wir nach dem Bezug unseres Zimmers mit Blick auf den Loch gern annahmen.

 

Die Spezialität unserer Gastgeberin war eine Komposition aus Mürbeteig, Karamell und Schokolade, die sie selbst als eine Form von Shortbread bezeichnete. Lecker! Auch der Kaffee - zubereitet mittels Bodum-Gerät - konnte mit jedem deutschen Lokal mithalten. Endlich waren wir angekommen - Urlaub!

Leider mussten wir später nach dem Abendessen im nahegelegen Pub der Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Italien beiwohnen. Die Wirtin hatte uns gern das TV-Gerät eingeschaltet und litt mit uns bei jedem vergeblichen Versuch, das Ergebnis zu retten.

 

Was haben wir mitgezittert, und was sind wir für die tadellose Leistung unserer Jungs gelobt worden! Offenbar hat die Fußballweltmeisterschaft auch in Schottland einen sehr positiven Eindruck vom Veranstalter hinterlassen. Das freut einen natürlich, auch wenn sich das Nationalbewusstsein erst noch zögerlich seinen Platz in Kopf und Herz erobert. Merkwürdig: zu Beginn der Weltmeisterschaft gab kaum einer einen Heller für das Weiterkommen "unserer" Mannschaft.

 

Ich persönlich fand das Aufgebot an Fahnen zumindest irritierend. Aber spätestens nach Überstehen des Achtelfinales setzte dieses absolute Wir-Gefühl ein und man war tatsächlich versucht, sich ebenfalls eine Deutschlandfahne zuzulegen, weil man mit Sicherheit Weltmeister werden würde. Aus der Traum! Wie schade!

 

Mit dem gesammelten Bedauern aller anwesenden Schotten begaben wir uns in unsere Betten. Der Tag war ja aufregend genug gewesen.