15.07.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Der erste Tag auf Skye

Lodge of Edinbane

The Lodge of Edinbane
Frühstücksraum und Restaurant
Dunvegan Castle - mal ohne...
...mal mit Farbe
See am Schloss
Küstenlandschaft bei Waterstein/Neist Point
Ferien im Leuchturm?
Beschwerlicher Weg
Stille ruht der Turm
Kuchen satt!

Bei unserem Frühstück mit den Soldaten (siehe Schottlandreise 2004) stellten wir fest, dass unser Reiseveranstalter noch weitere Gäste in derselben Unterkunft gebucht hatte. Munter wurden Tipps gegen die leidigen Mückenstiche (Mücken heißen hier midges) ausgetauscht und wohlwollend registriert, dass die Unterkünfte bisher den Erwartungen voll entsprochen hatten und selbst das viel gescholtene britische Essen durchaus schmackhaft war.


Bereits am Vorabend hatten wir uns unser erstes Exkurisionsziel ausgesucht: Dunvegan Castle, den Sitz der MacLeods, die über Jahrhunderte mit dem Clan der MacDonalds um die Vorherrschaft auf der Insel konkurrierten - blutige Schlachten und Mythen inklusive. Nach einer guten halben Stunde Fahrt erreichten wir den (kostenfreien) Parkplatz vor der Burg und entrichteten pro Person 7 Pfund Eintritt für den viel gepriesenen Garten und die Burg.



Passend zum eher düsteren Gemäuer hatte das Wetter auf Weltuntergang gewechselt, aber kaum betraten wir den weitläufigen Garten, brach die Sonne durch die Wolken, sodass wir uns zunächst ins Gelände wagten. So erlebten wir bei relativ gutem Wetter den Burg eigenen Wasserfall und das Ablegen eines Bootes zu den vorgelagerten Seehundbänken, auf denen sich - so lasen wir auf dem Schild - im Juni und Juli die ersten Jungen tummelten.

 

Offenbar hatten wir die Hauptblütezeit verpasst, denn die eindrucksvollen Stauden (riesige Rhododendren und Fuchsienbüsche, um die einen jeder deutsche Schrebergartenbesitzer beneiden würde) trugen nur noch wenige Blüten. Trotzdem verbrachten wir einige Minuten auf den verschlungenen Wegen des üppig bepflanzten Gartens, bevor wir uns in das MacLeod'sche Anwesen begaben.



Das wirklich beeindruckende Gemäuer beherbergt nicht nur Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Gemälde, Schmuck und Urkunden aus allen denkbahren Epochen. Der eigentliche Schatz ist wohl das bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Reststück einer alten Fahne ("fairy flagg"), die eine Elfe dem damaligen Clan-Chef vermacht haben soll. Sie sollte ihm Glück in der Schlacht bescheren, was dem Vernehmen nach auch so eintrat. Nachbildungen dieser Feenflagge gelten als Glücksbringer.

 

Das mehrfach erweiterte und restaurierte Gemäuer datiert bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die wechselhafte Geschichte des Hauses und des Clans wird in einem kurzweiligen Video vom derzeit amtierenden Clan-Chef selbst erläutert.

 

Makaberes Randerlebnis: bei Betreten des einstigen Kerkers wird ein Tonband mit Stöhnlauten und Hustenanfällen abgespielt, das einem vorgaukelt, die Puppen am Boden des "Lochs", in das man schaut, seien tatsächlich Gefangene. In diesen Kerker strömten über einen Mauerschlitz die Gerüche aus der darüberliegenden Küche, wohl um die die Gefangenen zusätzlich zu quählen.


Mit diesen ambivalenten Eindrücken verließen wir den historischen Ort und wandten uns dem nächsten Tagesziel zu: dem Leuchtturm von Neist Point. In einer Dokumentation hatten wir davon erfahren, dass die alte Leuchtturmstation inzwischen zu Ferienunterkünften umgebaut worden war. Das wollten wir uns natürlich einmal live ansehen.

 

Hätten wir nicht das wirklich sehr zuverlässig funktionierende Navigationsgerät dabei gehabt, wir wären nie im Leben dorthin gelangt, denn die Beschilderung ist alles andere als ausreichend.

 

So fuhren wir über Straßen, die - so hatten wir mitunter den Eindruck - noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte (Star Trek Fans mögen uns diesen Scherz nachsehen). Das Wechselspiel von Wolken und Licht auf den Ebenen und Bergen am Wegesrand war wirklich einmalig! Die Straßenführung allerdings auch ziemlich nervenaufreibend. Nach fast 30 Kilometern gelangten wir an einen Parkplatz, von wo aus wir die letzten Meter zu Fuß zurücklegen mussten.



Hätte uns zuvor jemand gesagt, dass der derzeitige Eigentümer seinen Besitz eingezäunt und gegen jeden Zutritt gesichert hat, wer weiß ob wir uns das nun folgende Auf-und-Nieder auf den steilen Wegen entlang des Felsens angetan hätten. Ahnungslos und erwartungsfroh machten wir uns jedoch an den Abstieg bis uns ein Zaun nebst fest verschlossenem Tor blockierte.

 

Da lag nun also der frisch renovierte Gebäudekomplex rund um den Leuchtturm ungenutzt und versiegelt in der Landschaft. Wir waren enttäuscht. Nicht einmal ein Café oder ein Imbiss entlohnte uns für unsere Mühen. Also machten wir uns an den beschwerlichen Rückweg, für den beinahe Bergsteigerqualitäten erforderlich sind. Runter war es ja noch relativ gut gegangen. Aber rauf stießen wir bald an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit.

 

Wer sich diese Tour antun möchte, sollte also über gute Kondition und festen Willen verfügen - und ca. 45 Minuten Zeit einplanen. Der Ausblick lohnt in jedem Fall! Erst viel später sollten wir davon hören, dass der Eigentümer des Neistpoint Lighthouse schwer an Krebs erkrankt war und deshalb das Projekt wohl eine ungewisse Zukunft hat. Schade!



Ganz unerwartet fanden wir an der Zufahrtsstraße zu dieser Attraktion ein äußerlich unscheinbares Lokal mit einer enormen Auswahl an selbst hergestellten Kuchen, die sehr zu empfehlen sind. Der etwas dünne Cappuccino fiel angesichts der Köstlichkeiten aus dem Backofen kaum ins Gewicht. Schon war jegliche Erschöpfung verschwunden.

 

Gut gestärkt traten wir die Fahrt zurück zum Hotel an, wo wir den Abend bei heimischem Bier und einem wirklich guten Steak ausklingen ließen.