15.10.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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An der Nordküste entlang

Richtung Norden, aber ganz und gar nicht geradeaus!

Meilenweit muss ich geh'n...
Ardvreck Castle
Sonne, Wasser, Grün - was will man mehr?
Noch ein Loch!
Und noch eins...!
Ohne Worte!
Strand gibt's auch!
Kyle of Tounge
Fjord bei Kyle of Tounge
Wie immer: 7 Pfund Eintritt!
Queen Mum's Castle in Mey
Nochmal Castle of Mey
Rückseite des Schlosses

Inzwischen fanden wir die direkten Routen, auf denen man die Reiseziele sicher auch anfahren konnten, langweilig. Überzeugt davon, mehr vom Land zu sehen, wenn wir uns stattdessen die kurvigen Küstenstraßen entlang bewegen würden, suchten wir uns auch für den Weg hinauf nach Thurso eine Küstenroute aus.



Unser bis dahin tadellos funktionierendes Navigationsgerät wollte uns nur unter großem Widerstand eine entsprechende Strecke ausweisen. Aber wir hatten uns ja in Deutschland bereits über den ADAC ein Servicepaket und empfehlenswertes Kartenmaterial besorgt, die uns bisher schon gute Dienste erwiesen hatten.

 

Das schützte uns allerdings nicht vor einem bedauernswerten Irrtum bezüglich unseres Wunschzieles Cape Wrath. An diesen nördlichsten Punkt Schottlands gelangt man leider nur über eine Fährverbindung, die in unserem Kartenmaterial nicht angegeben war (jedenfalls nicht so deutlich, dass sie uns auf Anhieb ins Auge gefallen wäre). Ziemlich erstaunt standen wir dann auch vor einem verwaisten Schiffssteg, der eher einer heimischen Slipp-Anlage glich, und mussten unverrichteter Dinge unsere Weiterfahrt antreten.



Bis dahin hatten wir allerdings schon einige landschaftliche Höhepunkte passiert, zu denen der Loch Assynt mit den Ruinen von Ardvreck Castle gehört. Entlang der A835, A857 und A894 wechseln kaum zu überschauende Zick-Zack-Straßen - mit vielen, leider nicht immer angekündigten, Engstellen - mit gut ausgebauten Panoramastraßen, die jedes Naturliebhaberherz höher schlagen lassen. Diese Route ist mit braunen Hinweisschildern als Tourist Route gekennzeichnet. Man passiert bis Durness auch mehrere sehenswerte Brücken.



Natürlich nimmt so eine Tour für's Auge einige Zeit in Anspruch. Zumal wenn man zwischendurch auch noch Bilddokumente erstellen möchte. Es muss also jeder selbst entscheiden, wieviel Siteseeing er schon auf dem Weg zum Ziel machen möchte. Für Ungeduldige ist das nix. Unsere Reiseunterlagen schlugen eine Strecke von 130 Meilen und dreienhalb Stunden Fahrzeit vor. Für uns gestaltete sich die Fahrt so:


Obwohl wir bereits vor 9:30 Uhr Ullapool verlassen hatten, passierten wir die Brücke über den Kyle of Tounge erst weit nach Mittag, sodass wir das dringende Verlangen nach mindestens einer Tasse Kaffee verspürten. Einige Meilen nach Coldbackie steuerten wir daher das etwas abseits gelegene Borgie Lodge Hotel an, bei dem laut Hausprospekt wohl hauptsächlich Angler und Waldliebhaber absteigen.

 

Obwohl die Gasträume des Hotels gerade umfassend aktualisiert wurden, servierte man uns gern in der Lounge, die sonst eher den Hausgästen vorbehalten ist, einen der besten Kaffees, die wir in Schottland getrunken haben. Für vergleichsweise spottbillige 3 Pfund gab es sogar noch einige leckere Kekse dazu - andere Häuser lassen sich soetwas extra bezahlen.

 

Da das Borgie Lodge Hotel wohl weit und breit das einzige öffentliche Pub besitzt, wird mit einem Schwätzchen mit den Einheimischen und der guten Küche des Hauses mit Gemüse aus eigenem Garten geworben.

 

Zu schade, dass wir das nicht ausprobieren konnten, aber vielleicht bietet sich ja einmal eine andere Gelegenheit oder jemand anderer kann uns aus eigener Erfahrung berichten, ob der erste positive Eindruck sich bestätigt hat.


Den Besuch des einen oder anderen Bays entlang der A836 hatten wir uns ebenfalls für einen anderen Tag aufgehoben und durchfuhren nun recht zügig Thurso und später Dunnet auf dem Weg zur nächsten Unterkunft in Mey, unweit von John o'Groats ganz im Nordosten Schottlands. Nach insgesamt sechseinhalb Stunden Fahrt kamen wir an unserem Hotel an.



Das Castle Arms Hotel hat augenscheinlich seine Glanzzeiten schon einige Zeit hinter sich und schlägt wahrscheinlich aus der Tatsache Profit, dass kaum 10 Minuten Fußweg entfernt das Castle of Mey steht, in dem zu Lebzeiten die Königinmutter residierte, wenn sie denn in der Gegend war.

 

Insbesondere nach deren Tod dürfte ein reges Besuchertreiben stattgefunden haben, woraufhin das Schloss nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wohl auch ein Besucherzentrum angebaut wird. Wir fanden bei unserem abendlichen Spaziergang vor dem Essen jedenfalls weitreichende bauliche Aktivitäten vor.

 

Das Schloss selbst schließt seine Pforten wie die meisten Besucherattraktionen in Schottland um 16 Uhr. Üblicherweise kostet so ein Schlossbesuch 7 Pfund Eintritt. Ob und wieviele solche kostspieligen Eintritte man sich leisten möchte, muss jeder selbst wissen. Wir haben diesmal darauf verzichtet.



Leider ist nicht nur das Mobiliar unseres Hotels etwas betagt, auch der Herr des Hauses erschien uns etwas kautzig - was aber durchaus etwas Liebenswürdiges hatte. Die in der Hotelbar erhältlichen Biere waren gut zu trinken. Weniger gut gestaltete sich leider das Essen.

 

Nicht einmal ein Dressing gab es zu dem sogenannten Salat, den man bei uns als Rohkostbeilage bezeichnen würde. Wir behalfen uns notdürftig mit der vorhandenen Zitrone (die vielleicht genau aus dem Grunde mitgeliefert wurde) und etwas Salz. Enttäuschend. Zwar fährt man in der Regel nicht des Essens wegen nach Schottland, aber von allen bisher angesteuerten Adressen haben wir hier mit Sicherheit das schlechteste Beispiel der britischen Küche vorgefunden.

 

Wenn man sich überlegt, dass Bed & Breakfast hier normalerweise 84 Pfund die Nacht im Doppelzimmer kosten, wundert man sich schon etwas über diese Tatsache. Mal ganz davon abgesehen, dass wir eigentlich erwartet hatten, etwas näher an Thurso zu wohnen, wo es mit Sicherheit noch eine Alternative zum unbefriedigenden Abendessen gegeben hätte.



Und vielleicht auch ein größeres Repertoire an musikalischer Untermalung. Nachdem eine Art schottischer Heino bereits dreimal an diesem Abend immer durch die gleiche "heather" (die Heide) gesprungen war, baten wir höflichst um einen Wechsel der CD, was auch prompt geschah. Leider in Abwesenheit jenes kautzigen alten Herrn, der prompt die durchgelaufene aktuellere CD wieder durch jene mit dem durch die Heide hüpfenden Schotten-Heino austauschte.

 

Wir beschlossen daraufhin, unser Glas zu leeren und in unser Zimmer zu gehen. Von den leider sehr unruhigen Nächten in Ullapool hatten wir sowieso noch ein Schlafdefizit aufzuholen. Nur gut, dass wir nur noch den folgenden Tag und die anschließende Nacht vor Ort überbrücken mussten.

 

Das Wetter war recht gut geblieben, also planten wir einen Ausflug zu den verschiedenen Leuchttürmen und Buchten der Gegend.