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Der Leuchtturmtag

No entry, private property!

Leutchtturm von Dunnet Head
Blick in die Bucht
"Eric, der Wikinger" in John o'Groats
Hafen mit Fähre
Stacks of Duncasby
Vogelkolonie Duncasby Head
Blick in die Kliffs von Duncasby
Leuchtturm von Noss Head
Ruinen des Sinclair Girnigoe Castle
Noch zu retten?

Nach dem Frühstück machten wir uns bald auf zu einer ausgedehnten Leuchtturmtour, von denen es in Schottlands Norden einige gibt. Den ersten steuerten wir in Dunnet Head an - also auf der A836 wieder etwas zurück in Richtung Thurso.

 

Die Leuchtturmanlage dort ist gut begehbar, der Leuchtturm selbst allerdings verschlossen (automatisiert immer noch in Betrieb). Dafür konnten wir einige sehr schöne Blicke in die Bucht werfen. Auf dem Gelände finden sich alte Militäreinrichtungen (mit einem beschilderten Aussichtspunkt!), die noch aus dem 2. Weltkrieg stammen. Von hier aus wurde die bekannte Meeresbucht mit Militärstützpunkt Scapa Flow bei den Orkney Inseln überwacht.


Duncansbay Head war das nächste Ziel - in entgegengesetzter Richtung gelegen, etwas abseits vom unattraktiven John O'Groats, dem Fährhafen zu den Orkneys. Duncansby Head beherbergt nicht nur einige wirklich sehenswerte Vogelkolonien auf eindrucksvollen Steilklippen und zudem mit seinen merkwürdigen Stacks of Duncansby - hoch aufragende Felstürme vor der eigentlichen Küste - eine Attraktion, die sicher unzählige Aufnahmen ziert.

 

Hier gibt es auch einen der vielen Leuchtturmanlagen, die wir gern näher besichtigt hätten. Leider war das aber nicht möglich und es mussten uns Aufnahmen aus der Ferne genügen.



Wie oft hatten wir uns auf unserer Schottlandreise schon über diese Schilder geärgert, die einem den Zutritt zu sehenswerten Anlagen oder Ausblicken untersagten? Irgendjemand hatte uns einmal darauf hingewiesen, dass in Schottland quasi kein Land existiert, dass nicht irgendwem gehört, wodurch es für wissbegierige Touristen oft zu Enttäuschungen kommt, weil die Eigentümer ihren Besitz gegen Zutritt sperren.



Auch in Noss Head, etwas weiter südlich in Richtung Wick erging es uns leider nicht anders. Auch hier war der Zutritt zum Leuchtturm versperrt. Ein Schild verwies auf eine Handy-Nummer mittels derer sich Besucher der dort angesiedelten Bücherei zwecks Zutritt melden konnten. Also blieb uns auch hier nur der Blick aus der Ferne.

 

Als alternatives Ziel machten wir allerdings die Ruine einer weiteren Burg aus, und siehe da, diesmal durften wir - trotz stattfindender Restaurierungsarbeiten - zumindest bis direkt vor die Überreste des Sinclair Girnigoe Castle treten. Die fast völlig verfallene Burg datiert immerhin zurück bis ins 13. Jahrhundert.

 

Es wundert allein schon die Tatsache, dass der wie ein Kamin in die Landschaft ragende linke Gebäudeteil immernoch den Widrigkeiten der hiesigen Witterung trotzt und noch nicht zerfallen ist. Hoffentlich gelingt es den fleißigen Denkmalschützern (eine private Initiative aus dem Clan der Sinclairs), dieses Relikt ihrer Vorfahren vor dem Zahn der Zeit zu retten.



Etwas versöhnter mit dem Aufenthalt in dieser Ecke Schottlands trafen wir am späten Nachmittag wieder in Mey ein und wagten einen weiteren Versuch, uns mit der Hotelküche anzufreunden. Auch diesmal wenig erfolgreich.

 

Schon bei der Frage nach der Beilage zum gegrillten Lachs, wurden wir stutzig. "Chips or potatoes" - was für eine Frage! Pommes zum Lachs - igitt! Auch diesmal gab es zum Salat nicht mal einen Hauch von Dressing.

 

Allerdings gibt es Hoffnung für Freunde von Desserts, denn die auf nur spärlich gefüllte Mägen hin bestellte Käsecreme-Baileys-Torte überraschte uns durch vorzüglichen Geschmack und exzellente Dokoration mit einem offenbar selbst hergestellten zierlichen Karamell-Gitter. Hervorragend! Vielleicht hätten wir uns eher an Süßem sattessen sollen?!



Auch an diesem letzten Abend versüßte uns der Hausherr den Aufenthalt mit jenem schottischen Volksmusikanten, der nicht aufhören wollte, "through the heather" zu hüpfen.

 

Nicht, dass wir traditionelle schottische Musik nicht zu schätzen gewusst hätten - nicht umsonst hatten wir uns bei unserer ersten Schottland-Tour Karten für das Edinburgh Military Tattoo beschafft und schwärmen noch heute von den Pipes und Drums, die wir dort genießen durften. Mit guter traditioneller Musik hatte jener Sänger allerdings wirklich nichts zu tun.

 

Da Anke in ihrer Schulzeit von ihrer noch heute hochgeschätzten Englischlehrerin a.D. dutzende Volksweisen (auch von blühenden Heidelandschaften, und zwar beispielsweise The Wild Mountain Thyme, eines der bekanntesten Volksweisen des Hochlandes) und Trinklieder (wie das irische The Wild Rover) aus Großbritannien beigebracht bekam, kann zumindest einer von uns das beurteilen.



Die CD war einfach grauenhaft. Aber der Hausherr schien sie zu lieben oder dachte vielleicht, seinen Gästen damit etwas Gutes zu tun, ähnlich wie die bayrischen Alpenvereine ausländischen Besuchern heimatliches Gejodel um die Ohren hauen, weil ein ausländischer Tourist soetwas wohl von seinem Deutschlandaufenthalt erwartet.

 

Wiederum wurde unserer Bitte um einen CD-Wechsel gern nachgekommen (die Bedienung bemerkte augenzwinkernd, dass sie die Musik selbst auch leid sei). Und auch an diesem Abend gingen wir recht früh ins Bett, nichtwissend, ob der Gastgeber die nächste Gelegenheit für einen erneuten Angriff auf die Ohren seiner Gäste nutzen würde.

 

Jedenfalls war der running gag unserer Reise nun jenes freudig erregte Hüpfen "through the heather", das wir uns gegenseitig vorschlugen, wenn wir einmal im Unklaren darüber waren, wie die Fahrt weitergehen würde.