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Entlang der Ostküste

Entlang der Ostküste nach Dyke bei Forres

Hinweisschild der Ranger bei Dunnet Beach
Dunnet Beach
Stürmische See
Reichlich Wellen
Fluss mit Goldgehalt!
Der Name sagt (Lateinern und Chemikern) alles!
Anweisung zum Goldwaschen
Dunrobin Castle
The Old Kirk of Dyke
Unser Schlafzimmer
Findhorn Community
Holzhäuser
Marke Eigenbau!
Sehr schön!
Wohnzimmer für Gäste

In strömendem Regen traten wir unsere Fahrt aus dem doch sehr einsamen und kargen hohen Norden Schottlands Richtung Südosten an. Das Ziel unserer Reise war Dyke, ein kleines Dörfchen zwischen der Hauptstadt der Highlands, Inverness, und Elgin in der Nähe der Nordsee-Mündung des River Spey.

 

Dort sollten wir in einer zu Ferienwohnungen ausgebauten alten Kirche, The old Kirk of Dyke, Quartier beziehen. Für diese Reise hatte unser Reiseveranstalter 3,5 Stunden und 140 Meilen Distanz vorgegeben. Unsere Erfahrung, dass dies nicht ausreichen würde, erwies sich auch diesmal als völlig richtig: wir würden letztlich gut 5 Stunden und einiges mehr an Kilometern benötigen.



Trotz des pladdernden Regens nahmen wir eine Route über Nebenstraßen, die uns zunächst zurück nach Thurso führte. Am Strand der Dunnet Bay fotografierten wir die aufgewühlte See, die tags zuvor noch ruhig und friedlich dagelegen hatte, und bekamen einen gelinden Eindruck davon, wie es an den hiesigen Küsten wohl bei Stürmen aussehen musste.



Von der A836 bogen wir beim Abzweig Golval auf die A897 und durchfuhren bei langsam besser werdendem Wetter das Binnenland - den Strath of Halladale und den Strath of Kildonan.


An einem malerischen Fluss hielten wir an, um uns die alte Steinbrücke, die hier querte, und einen auffälligen Pavilon genauer anzusehen. Wir staunten nicht schlecht über diese Zufallsentdeckung: die Örtlichkeit muss im 19. Jahrhundert einen Goldrausch erlebt haben - daher auch die Ortsbezeichnung: Baile-an-Or (Lateiner und Chemiker sind klar im Vorteil)!

 

Noch heute darf hier jeder sein Glück beim Goldwaschen probieren - sofern er gewisse Regeln beachtet. Ob die handvoll zeltenden Besucher extra deswegen hier lagerten, wissen wir nicht, aber Goldwaschen soll auch heute noch einen gewissen Suchtfaktor besitzen. Wir haben es nicht probiert.

 

Wenige Minuten nach diesem historischen Ort erreichten wir Helmesdale an der Nordsee. Von hier aus folgten wir der A9 immer an der Küste entlang bis zum ersten Etappenziel Dunrobin Castle.



Das angeblich schönste Schloss Großbritanniens erhob sich eindrucksvoll in den inzwischen deutlich aufgeklarten Himmel. Uns stand nach der langen Fahrt der Sinn nach ein wenig Füße vertreten (und dem Besuch einer Toilette), und so verzichteten wir auf den Eintritt und umwanderten das Gemäuer auf dem östlichen Weg bis zur Küstenseite.

 

Dort genossen wir den frischen Seewind einige Minuten, bis wir wiederum auf der A9 die kommenden drei Buchten überfuhren: Dornoch Firth, Cromarty Firth (kurz vor Dingwall) und schließlich Moray Firth bei Inverness. Hier bogen wir dann auch links auf die A96 in Richtung Nairn, Elgin und kurioserweise Aberdeen, das jedoch vom Ziel unserer Reise viel zu weit entfernt lag, als dass wir es auf einer Tafel in Inverness erwartet hätten.



Die Beschriftung und Positionierung der Hinweistafeln entlang schottischer Straßen ist für deutsche Autofahrer nicht minder gewöhnungsbedürftig wie das Fahren auf der "falschen Seite". Wir jedenfalls mussten auch nach mehr als zwei Wochen Aufenthalt im Lande das eine oder andere Mal umdrehen, weil wir nicht schnell genug reagiert hatten.

 

Ohne ein Navigationsgerät vermutet man sich mitunter auf völlig falscher Fährte, denn die Haupt-Verkehrsachsen gleichen gelegentlich mittelprächtig ausgebauten Landstraßen in Deutschland.



Und warum man Abzweige genau an der betreffenden Abzweigung beschildert, statt einige Meter davor, damit man entsprechend Geschwindigkeit reduzieren und die Augen offen halten kann, wird uns auf ewig ein Rätsel bleiben.

 

Wer sich also erstmalig mit einem Mietwagen oder gar dem eigenen Auto hier hoch wagt, sollte sich damit abfinden, etliche Mehrkilometer zurückzulegen, weil einem kaum ein Richtungswechsel auf Anhieb gelingt - es sei denn, man besitzt ein gut funktionierendes Navigationsgerät mit aktuellem Kartenmaterial.

 

Dieses warnt einen dann auch hinreichend vor den beliebten Roundabouts, den Kreisverkehren, die man hier in Massen antrifft, und die leider auch nicht immer eindeutig beschildert sind. Ihre Anzahl scheint jedoch stetig zu wachsen.

Wahrscheinlich hat uns die Vorfreude auf unserer Unterkunft etwas voran getrieben, denn ungewöhnlich früh standen wir bereits auf der Matte unserer neuen Gastgeberin, die uns mit wohlwollender Kritik darauf hinwies, dass man einer B&B-Hausherrin kaum eine größere Ungelegenheit bereiten könne als vor 16 oder 17 Uhr bei ihr einzutreffen. Sie selbst habe eben erst den Staubwedel aus der Hand gelegt und so wäre unser frühes Erscheinen trotzdem kein Problem.

 

Merke: es ist nicht gut, unterwegs ordentlich auf's Gas zu drücken. Besser, man lässt sich Zeit und die Landschaft auf sich wirken, dann klappt's auch mit der Vermieterin!



Hinter den Mauern der Old Kirk erwartete uns der pure Luxus. Die deutschstämmigen Besitzer haben die Kirche erst im Jahr 2001 übernommen und als 4-Sterne-Unterkunft angeboten. Wir hatten daheim einmal einen Bericht von dieser ungewöhnlichen Unterkunft gesehen und freuten uns schon seit unserer Buchung im Januar 2006 darauf, hier zu Gast sein zu dürfen.

 

Fast schon zu wenig erschien uns die Anzahl von 3 Nächten, die wir hier verbringen würden. Die Fotos sprechen sicherlich für sich. Nicht nur der ungewohnte Empfang in deutscher Sprache erstaunte uns - merkwürdig, wie schnell man sich daran gewöhnt, sich nur noch auf Englisch zu verständigen -, auch die reiche Auswahl an deutschem Fernsehprogramm entlockte uns soetwas wie heimatliche Gefühle.



Auf Anraten unserer Gastgeberin begaben wir uns in die nahegelegene ehemalige Hippie-Kolonie Findhorn Community, um die Zeit bis zum Öffnen der umliegenden Lokale (meist nicht vor 17 Uhr) mit einem guten Kaffee und einem hausgemachten Kuchen zu überbrücken. Beides gelang hervorragend.

 

Die Siedlung selbst lässt einen erahnen, wie die Gründer der Community hier glücklich ihr Leben fristeten, denn aus allen Ecken brandet einem alternativer Lebenstil entgegen. Angefangen bei den alten Wohnwagen über die neueren Holzhäuser und die diversen Werkstätten (Töpferei, Weberei, eigene Druckerei etc.) bis zum Versammlungshaus, in dem einige Musiker gerade eine abendliche Veranstaltung planten und dem ein empfehlenswertes Café vorgelagert ist.



Nach einem kurzen Abstecher ans Meer der Findhorn Bay begaben wir uns dann auf die Suche nach einem Speiselokal für das Abendessen. Die beiden Hafen-Pubs machten uns keinen sonderlich attraktiven Eindruck und so versuchten wir unser Glück in einem größeren Lokal auf dem Weg zurück "nach Hause". Leider endete dort allerdings der Service an Bar Meals um halb 3 nachmittags, also nahmen wir lediglich ein Pint of Tennant und nahmen uns beim benachbarten Chinesen etwas mit zum Verzehr zu Hause.



Im SPAR-Markt an der Ecke beschafften wir uns noch einen kleinen Getränkevorrat, da in der Nähe von Dyke nirgendwo ein Pub für ein abendliches Glas Bier existierte. In der großen Lounge (mit Kirchenfenster) befand sich nämlich ein Gästekühlschrank, wo man seine Vorräte kühlen konnte. Davon machten wir dann auch gern Gebrauch.

 

Rechtschaffend müde von unserer Reise gingen wir recht bald zu Bett und freuten uns auf ein ordentliches Frühstück, das neben Scottish Breakfast auch kontinentale Varianten beinhalten sollte.

 

Mir persönlich stand schon lange der Sinn nicht mehr nach Eiern und Schinken. Die Aussicht auf Käse und sogar Wurst klang zu schön um wahr zu sein.