17.01.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Der Tag des Alkohols...aber in Maßen

Whiskyprobe

Frühstücksraum der Old Kirk
Mercat Cross - das kleine Scott-Monument
St. Laurence Church
St. Leonard's Church
Sueno's Stone
Whisky-Brennerei
Besucherzentrum
Ausstellungsraum: alles fest verriegelt!
Maischtonnen
Gärungstonnen
Roh- und Feinbrandkessel
Geschenkladen

Auch an diesem Morgen erwartete uns hervorragendes Wetter: Sonnenschein und im Tagesverlauf um die 25 Grad, was wir unserer Gastgeberin damit erklärten, dass immer Sonnenschein herrscht, wenn Engel reisen. "Das behaupten sie alle", schmunzelte sie und verwöhnte uns mit einem vorzüglichen Frühstück, bei dem wir nicht nur Vollkornbrot(!!!) und Graubrot, sondern auch eine gute Auswahl an Käse und Wurst vorfanden.

 

Natürlich hätten wir uns auch vom Cerealien-Buffet bedienen oder ein "cooked breakfast" bestellen können, aber wir wussten diese Alternative zum schottischen Standard sehr zu schätzen und griffen darum gern zu.



Gestärkt und gut gelaunt machten wir uns weit vor 10 Uhr auf zu einer Ortsbesichtigung in Forres, wo es unter anderem den Nelson's Tower gibt, ein zum Gedenken an die Schlacht von Trafalgar von 1805 und den siegreichen Admiral Lord Nelson gebauter Turm auf einem bewaldeten Hügel mitten im Grant Park. Von dort oben soll man einen wundervollen Blick über die Stadt haben, was einen zum Durchhalten auf den etwas unübersichtlich beschilderten Waldwegen hinauf zum Turm ermutigt.

 

Leider ist der Tower aber erst am frühen Nachmittag geöffnet (ca. 14 - 16 Uhr), mussten wir auf dem dort angebrachten Schild zur Kenntnis nehmen. Was für eine Enttäuschung! Wieder erweist es sich als Fehler, sich nicht im Vorfeld über die Öffnungszeiten der Besichtigungsobjekte informiert zu haben.



Auf eine mehrstündige Wartezeit am Fuße des Turmes verspürten wir keine Lust, also nahmen wir uns direkt die weiteren Sehenswürdigkeiten des Ortes vor: mehrere recht ansehnliche Kirchen, das Mercat Cross (in seinem Erscheinungsbild bewusst dem Scott Monument in Edingburgh nachempfunden) und - die Hauptattraktion des Ortes - der Sueno's Stone.

 

Dieser 6 Meter hohe Stein aus dem 9. Jahrhundert steht inzwischen hinter Glas, um ihn vor Umwelteinflüssen und Rowdietum zu schützen. Gute Fotos sind daher schwierig zu erhalten. Um die auf ihm abgebildeten Figuren und Zeichen gibt es einiges Rätselraten, das auf den Schautafeln neben dem Glasbehälter angesprochen wird. Für Geschichtsinteressierte außerordentlich interessant.



Mehr als 2 Stunden verbringt man allerdings kaum in den Straßen und auf den Plätzen dieser Kleinstadt, zumindest, wenn man sich - wie wir - weniger für das Innere von Kirchen interessiert, also blieb an diesem Tage noch genügend Spielraum, um sich auf den Malt Whisky Trail zu begeben.

 

Entlang dem so gekennzeichneten Weg (braune Hinweisschilder entlang der Route) gibt es einige auch hierzulande bekannte Brennereien, die ihre Türen fast jeden Tag (standardmäßig zwischen 10 und 16 Uhr, in manchen Fällen auch darüber hinaus) für eine - in aller Regel kostenlosen - Besichtigung ihrer Anlagen verbunden mit einer Whiskyprobe öffnen. Das wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.



Wir hatten uns eine der großen Brennereien ausgesucht: Glenfiddich (was Gälisch für Tal des Hirsches ist, wie wir jetzt wissen) in Dufftown, das wir in einer gut einstündigen Fahrt nach Süden erreichten. Hier erfährt man so ziemlich alles über das "Wasser des Lebens" und seine Herstellung sowie über die Geschichte der Gründerfamilie Grant.

 

Am Anfang jeder Besichtigungstour gibt es eine Videovorführung, die bei entsprechend großer Anzahl deutscher Besucher tatsächlich in deutscher Sprache abgespielt wird. Kopfhörer für eine Reihe anderer Sprachversionen (unter anderem Japanisch!) sind an jedem Sitzplatz vorhanden.

 

Man könnte dem ganzen sicher hervorragend folgen, wenn die Musikuntermalung nicht ständig mit voller Wucht in den letzten Teilsatz einer Erläuterung einbrechen würde. Daran sollten die ansonsten professionell organisierten Eigner vielleicht noch etwas arbeiten.



Weiterer Kritikpunkt: Leider ist - für uns völlig unverständlicherweise - die Mitnahme eines Präsentes eine ebenso reichlich angepriesene wie reichlich teure Angelegenheit, die gut überlegt sein will. Während man zum Beispiel in hiesigen Supermärkten knapp 23 Euro für eine Flasche Glenfiddich Whisky bezahlt, muss man im Gift-Shop der Brennerei vor Ort knapp 25 Pfund dafür hinlegen, was umgerechnet 37,50 Euro entspricht. Bei aller Liebe erschien uns dieser Mehrpreis abschreckend genug, um auf dieses Mitbringsel zu verzichten.

 

Stattdessen verfielen wir auf den in Oberhausen und Umgebung unseres Wissens nach nicht vertriebenen Whiskylikör des Hauses, für den wir knapp 15 Pfund auf den Tisch legen müssen, der aber wirklich vorzüglich schmeckt.



Einen Moment lang liebäugelten wir mit einem ganzen Karton (wird ja nicht schlecht, so ein leckeres Tröpfchen), können uns aber gerade noch bremsen - nicht zuletzt wegen des zu erwartenden Übergewichtes unseres Fluggepäcks. Wer einen locker sitzenden Geldbeutel dabei hat, kann hier durchaus auch mehrere hundert oder gar mehrere tausend Pfund für eine Flasche Whisky ausgeben, beispielsweise für einen 30 oder gar 50 Jahre alten Whisky. Für gut betuchte Whiskyliebhaber sicher eine extrem verlockende Sache.



Um den erfolgreichen Tag mit einem schönen Essen abzuschließen, suchten wir nach unserer Rückkehr einen der vorhandenen Italiener in Forres auf. Uns stand der Sinn nach Pizza oder irgendetwas vergleichbar Deftigem.

 

Was wir dann später auf dem Teller liegen hatten, würden wir als spärlich bestücktes Backwerk der Marke vertrocknetes Brot bezeichnen. In unserem Reiseführer waren wir ja auch gewarnt worden, dass es in Großbritannien schwierig werden könnte, eine gute Pizza zu bekommen. Der Salat allerdings war nicht zu beanstanden, und so begaben wir uns letztlich mit der Beute des Tages zurück in die alte Kriche, wo wir in dem beeindruckenden Gästewohnzimmer den Abend mit einem Dosenbier ausklingen ließen.

 

Für das Abendessen des letzten Tages am Ort nahmen wir uns vor, eine bessere Wahl zu treffen. Ganz einfach würde es wohl auch diesmal nicht werden.