15.10.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Wo ist er denn nur?

See mit Waldwanderweg gesucht

Loch Moy
Uferlandschaft
Brücke bei Carrbridge
Viadukt bei Clava Cairns
Frontansicht Cawdor Castle
Gartenansicht
Garten
Blütenpracht
Toller Baum
Zugbrücke
Speisekarte des Schlossbistros
Dallas - oder doch lieber New York?

Nach dem recht autolastigen Vortag sollte es heute ein wenig fußläufiger zugehen. Auf unserer Straßenkarte erkannten wir den großen Lochindorb etwas südlich im Landesinneren, den wir uns als erstes Ausflugziel vornahmen.

 

Die Sonne prallte ziemlich auf uns hernieder und der See erwies sich als schwierig zu finden sowie wenig baumumstanden, sodass wir kurzentschlossen in westliche Richtung abdrehen, auf der Suche nach Loch Moy (an gleichnamiger Orschaft etwas unterhalb von Inverness angesiedelt).


Der einsam gelegene See ist einer der romantischsten Orte, die wir bisher finden konnten. Zu seinen Ufern gelangt man fast ausschließlich auf Trampelpfaden durch den ihn umgebenden Wald. Eine Umrundung ist uns trotz allen Suchens nach weiteren Zuwegungen nicht gelungen, aber die schönen Landschaftsaufnahmen zeigen deutlich, dass sich ein Ausflug hierher lohnt.

 

Verlassene Grillstätten zeugten davon, dass man es sich hier gern ausgiebig gemütlich macht. Eine Familie aus Finnland hatte aktuell ihr Lager hier aufgeschlagen. Ob sie sich ihr Mittagessen aus dem See fischte? Wir beschlossen, die Finnen unbehelligt zu lassen, und brachen zum nächsten geplanten Halt auf: Cawdor Castle.



Unerwartet tauchte auf unserem Weg eine alte Tragesel- oder Packpferde-Brücke auf. Der Ort, an dem sie steht, heißt Carrbridge (wahrscheinlich wegen der Brücke). Die Brücke hatten wir gar nicht auf unserer Karte. Wir parkten den Wagen auf dem nahegelegenen Parkplatz und erkundeten die ziemlich mitgenommene und daher auch nicht mehr begehbare Brücke zu Fuß. Wegen der großen Hitze gönnten wir uns anschließend ein Eis aus dem gegenüberliegenden Shop und setzten unseren Weg fort.



Wir passierten DIE historische Stätte Schottlands: das Culloden Battlefield, auf dem die Schotten eine tragische Niederlage hinnehmen mussten und das daher wohl eine ewige Wunde in der schottischen Seele bleiben wird.

 

Die Nebenstraßen B9006 und B9091 leiten uns direkt weiter nach Cawdor, dessen Schloss in den Reiseführern als einziges mit noch funktionierender Zugbrücke beschrieben wird. Außerdem wird es für seinen außerordentlich schönen und weitläufigen Garten gelobt.



Wir verzichteten also bewusst auf den Besichtigung des Inneren und beschränkten uns auf den wirklich herrlichen Garten (unter anderem mit sensationell schönen riesigen blauen Disteln) sowie einen nachmittäglichen Snack im schlosseigenen Bistro.

 

Der freundliche Kellner wird aufgrund seines Lobes für das wirklich hervorragende Wetter derzeit in schottischen Landen ebenfalls mit der Erklärung versehen, dass immer gutes Wetter herrscht, wenn Engel wie wir reisen. Darauf hin werden wir verpflichtet, ihm mitzuteilen, wohin unsere nächste Urlaubsreise gehen wird, damit er sich danach richten kann. Schotten sind wirklich sehr witzig. Wir haben bisher fast ausnahmslos freundliche, nette und humorige Landsmänner/-frauen kennengelernt.



Allerdings ist der typisch schottische Akzent nicht immer einfach zu verstehen. Nachfragen werden jedoch stets mit angepasstem Vokabular und deutlicher Aussprache beantwortet. Also keine Scheu, traut euch nachzufragen! Die Schotten sind ein geduldiges und hilfsbereites Volk - jedenfalls abseits der hektischen Großstädte, in denen man auch schonmal auf stressgeplagte Eilige treffen, die unterwegs telefonieren, um ja stets informiert zu bleiben. Der Unterschied zwischen Highländern und Bewohnern von Großstädten ist durchaus sicht- und erlebbar.



Auf dem Rückweg nach Dyke ließen wir ein anderes historisches Gelände im Wortsinne links liegen: Fort George, die im 18. Jahrhundert für unvorstellbare Summen errichtete Festung an der Spitze einer Landzuge, von wo aus die Moray Firth millitärisch überwacht werden sollte. Wir kennen einige Abbildungen dieser millitärischen Einrichtung, was uns für einen Eindruck von dieser Geldverschwendung durchaus reicht.



Nach einem Zwischenstopp in unserer Unterkunft machten wir uns wiederum auf nach Forres, wo wir zu einem angemessenem Preis eine Lasagne und eine durchaus essbare Pizza sowie einen durchschnittlichen Salat genossen. Der große Wurf war das wieder nicht, aber wir waren satt und müde.



Es reicht "zu Hause" gerade noch für ein kaltes Bier aus dem Gästekühlschrank in der Lounge und einen flüchtigen Blick ins deutsche(!) TV, bevor wir uns in unsere Betten mümmeln, dachten wir uns.



Wie wir bereits seit dem Morgen wussten, erwartete unsere Gastgeberin heute eine 6-köpfige Gruppe von Amerikanern, die allerdings erst sehr spät ankam. Gegen 22 Uhr warfen uns unbekannte Köpfe ein kurzes Hello in den Raum, ohne sich jedoch noch lang auszulassen, wer sie sind.

 

Einzig die Herkunft unseres Biers war einem der Besucher eine Nachfrage wert. Nein, das ist selbst mitgebracht und nicht im Kühlschrank vorrätig, bestätigten wir dem offensichtlich enttäuschten jungen Mann, der daraufhin den Rückzug antrat.

 

Wir würden aller Hektik in der Frühe aus dem Wege gehen und ausnahmsweise einmal früh um 8 Uhr zum Frühstück erscheinen, beschlossen wir spontan. Schade, dass wir diese Luxusstätte am nächsten Tag schon verlassen mussten. Es würde für jeden Nachfolger schwer werden, an diese Top-Leistung heranzureichen.



Kleiner Gag am Rande: In Forres fanden wir auf dem Weg vom Parkplatz zum Restaurant ein Richtungsschild nach Dallas. Moment mal: Dallas?! Liegt das nicht irgendwo in Texas/USA? Beim Näherkommen dann der Lacher schlechthin: Genauso erstaunte Mitmenschen wie wir nahmen den noch freien Platz auf dem Schild zum Anlass, einen weiteren Ort hinzuzufügen: New York!

 

Was Dallas angeht: auch in Schottland gibt es tatsächlich einen Ort dieses Namens. Ob die Bewohner Cowboystiefel und Westernhüte tragen, haben wir nicht herausgefunden.