19.09.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Rund ums Loch

In netter Gesellschaft

Frühstücksbuffet
Kochstelle
Loch Muick
Brücke am Muick (2006 gebaut)
Kleiner "Wegelagerer"
Uferlandschaft
"Strand" gibt's auch!
Sonniger Wanderweg
Sonne, Wasser, Grün
Gut 8 Meilen lang: der See-Wanderweg
Wasserfall
Blick in eine Bucht
Rafael: der nettestes Barkeeper der Gegend!
Der verfluchte Zapfhahn!
Modernes Raubrittertum: Zigarettenpreise in Schottland!

Bereits am Vorabend hatte Horst den männlichen Teil, Hanno, eines weiteren Besucherpaares getroffen, und zwar anlässlich seiner üblichen Freiluftzigarette vor den Türen des Schlosses.

 

Es ist nämlich nahezu unmöglich, in Schottland im Hause zu rauchen, seit es ein sehr restriktives Rauchverbot für Lokale und Unterkünfte gibt.

 

Das Paar hatte etwa unser Alter und stammte aus Köln. Recht bald war man über diese für Raucher hinderlichen Beschränkungen ins Gespräch gekommen und selbstverständlich hatte es bei der Frage nach dem bisherigen Reiseverlauf auch die Empfehlung gegeben, sich im Falle einer Suche nach einem Lokal zum Abendessen ja nicht in jenes italienische Restaurant in Ballater zu begeben.

 

Kopfschüttelnd wurde das Erlebnis nun auch am Frühstückstisch mit dem weiblichen Teil des Paares, Britta, diskutiert. Man war sich einig, dass man so ein Lokal auf alle Fälle meiden sollte.

 

Nach den unvermeidlichen Eggs und Bacon für uns und vielgelobten frischen Zutaten für ein Müsli mit Obst für Britta, wurden nun die Pläne für den angebrochenen Tag geschmiedet.



Da sowohl Britta und Hanno als auch wir ein genug im Auto gesessen zu haben bekundeteten und daher wenig die Gegend erwandern wollten, empfahl uns Sabrina eine kurze Autofahrt an den Loch Muick (sprich: Meck!). Einzuplanen seien für einen Rundgang um den See ungefähr 3 Stunden, was uns Ungeübten schon recht üppig erschien. Allerdings lohne sich der Weg in jedem Fall, riet uns die Gastgeberin, und so machten wir uns bald nach dem Frühstück auf den Weg.



Obwohl wir über unterschiedliche Wege separat anreisten, traten wir die Wanderung letztlich doch gemeinsam an, was zwar nicht beabsichtigt war, sich aber als glückliche Fügung erwies. Und obwohl keiner von uns vorhatte, den See tatsächlich komplett zu umrunden, führte die nette Gesellschaft dazu, dass wir tatsächlich in mehr als 4 Stunden mit viel Gelächter und einigen Pausen zum Ausruhen und zum Schießen von Beweisfotos den See umwanderten.



Unterwegs "überfiel" uns ein gefiederter Wegelagerer, ein kleiner Vogel, der offenbar an die Touristenmassen gewöhnt war und hartnäcking den Weg "versperrte". Erst als Britta aus ihrem Rucksack ein wenig Naschwerk hervorzauberte und als Wegezoll entrichtete, gab der kleine Schreihals Ruhe und machte sich mit seiner Beute davon ins Astwerk des kleinen Wäldchens.



Wegen des herrlichen Sonnenscheins kamen wir bei der Wanderung ziemlich ins Schwitzen und fingen uns zudem ein weiteres Mal einen Sonnenbrand ein. Am Ende waren Horst und ich regelrecht ausgedörrt, aber guter Dinge. Britta und Hanno wollten sich in Ballater ein Lokal zum Essen suchen, wir wollten nach einem kühlen Getränk oder einem Eis Ausschau halten, und so trennten sich unserer Wege wieder.



In meinem Reiseführer war der Besuch der Gaststädte am alten Bahnhof von Ballater empfohlen worden. Bei unserer Ankunft dort war auch gerade ein Platz an einem der Fenster frei geworden. Hier genossen wir unser Wasser, später dann noch ein Eis respektive eine Suppe.

 

Die kleine Speisekarte bot tatsächlich einige recht preiswerte Kleinigkeiten an. Der Reiseführer hatte also nicht gelogen. Suppe und Eis waren absolut OK, und was um uns herum so auf den Tellern prangte, sah auch sehr ansehnlich aus. Hier würden wir im Bedarfsfall sicher einen Magenfüller zu angemessenem Preis finden, sagten wir uns. Allerdings stand uns für den heutigen Abend eher der Sinn nach einem ordentlichen Bier in der Nähe unserer Bleibe.



Der Tagesausflug hatte sich in jeder Hinsicht gelohnt und so stiegen wir nach unserer Rückkehr ziemlich zufrieden unter die nun wieder funktionierende Dusche. Wobei hier unter Dusche eine Vorrichtung zu verstehen ist, die auf die beiden Wasserhähne für kalt und warm gepfropft wird und so die Mischung beider Zuleitungen zu einem warmen Duschstrahl bewerkstelligt. Etwas primitiv zwar, aber immerhin.


Außerdem auch noch brandgefährlich, wie ich feststellen durfte, als der Gummistopfen von der Heißwasserleitung unvermittelt herunterglitt und sich das für deutsche Verhältnisse undenkbar heiße Wasser in die Badewanne ergoss. Ich konnte gerade noch meine Füße vor dem Verbrennen retten und hatte vorerst genug von dieser merkwürdigen Duscharmatur.

 

Bermerkenswert erschien uns überdies auch die hölzerne Toilette, auf der Anke im Sitzen nicht einmal die Füße auf den Boden bekam. Wie schon bei unserer Reise 2004 konnten wir auch dieses Mal wieder feststellen, dass hiesige sanitäre Einrichtungen deutlich unterschiedlich zu kontinental-europäischen sind.



Sabrina freute sich mit uns über den gelungenen Tag und erbot sich, uns einen Tee zu kochen, was wir auch gern annahmen. Wir nahmen den Nachmittags-Tee stilvoll im Wohnzimmer ein. Sabrina hatte selbst gebackene Kekse dazu gereicht, die wirklich sehr gut schmeckten. Kaum vorstellbar, jeden Abend in einem solchen Zimmer mit all den antiken Möbelstücken und vor allem unter diesem mächtigen Ölportrait des Gastgeberpaares zuzubringen, die einen von der Wand herab zu betrachten schienen.



Wegen des wenig gelungenen Abendessens am Vortag schlug uns Sabrina dann vor, es einmal mit dem örtlichen Café oder Pub zu versuchen. Da das Café leider an Montagen und Dienstagen geschlossen war, entschieden wir uns letztlich für die Hotelküche, was sich wiederum als sehr gute Entscheidung erwies.

 

Wer in der Gegend um Ballater beispielsweise auf dem Weg von Aberdeen nach Balmoral Castle (der Sommerresidenz des britischen Könighauses) ein gutes Essen und/oder ein gutes Glas Bier zu sich nehmen möchte, ist im Loch Kinord Hotel absolut an der richtigen Adresse. Es scheinen umfassende Aktualisierungen der Räumlichkeiten vorgenommen worden zu sein, wie wir später beim Besuch der Toilette feststellen durften, welche tatsächlich eine Mischbatterie am Waschbecken hatte. Solche kommen in Großbritannien wirklich kaum vor.



Wir hatten das Vergnügen, in der Hotelbar den Barkeeper Rafael kennenzulernen, der einen wirklich tollen britischen Humor besitzt und mit dem wir uns prächtig unterhalten haben. Rafael fand es nach eigenen Worten sehr nett von uns, dass wir ihm den Arbeitstag mit ein paar witzigen Dialogen und bissigen Kommentaren zu seinen nicht ganz so professionell zu Werke gehenden Kollegen versüßten.

 

Wir fanden zum einen das Essen, insbesondere den wirklich ungewöhnlich guten gemischten Blattsalat mit Mozarella und Tomate, hervorragend und zum anderen das Bier ausgesprochen gut trinkbar. Dies um so mehr, da der gute Rafael soweit es seine Zeit zuließ ausgesprochen humorig von seinen diversen Talenten (Schriftstellerei, Computer) und Interessen (Musik) erzählte.



Die hohe Stellung unseres Gastgeberpaares wurde an diesem Abend insofern deutlich, dass Rafael von Marcus Humphrey als "Landlord" sprach. Dieser habe natürlich nachgefragt, ob seine Gäste wegen des bestehenden Wasserproblems notfalls hier im Hotel duschen dürften. Wahrscheinlich wäre das tatsächlich die Lösung gewesen, wenn die Wasserversorgung nicht rechtzeitig hätte wiederhergestellt werden können. Die Genehmigung wäre zweifellos gegeben worden.



Die Stunden vergingen wie im Fluge und so mussten wir sehr zum Bedauern unseres freundlichen Barkeepers den Weg nach Hause antreten. Nicht einmal ein Trinkgeld wollte er von uns nehmen - von Freunden nähme er keines, sagte er. Wir haben allerdings darauf bestanden und uns die Genehmigung erbeten, sein Foto zu publizieren.

 

Vielen Dank noch einmal für den gelungen Abend, lieber Rafael!

 

Etwas angeheitert fielen wir in die schon erwähnten weichen Betten und freuten uns auf den morgigen Abreisetag zum letzten Etappenziel: Edinburgh.