15.10.2019 :: ###SPRACHE### :: ###DRUCKVERSION###
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Stadtrundfahrten satt

Edinburgh live!

'Mac Tours' Bus
'The Edingburgh Tour' Bus
Oben im Tourbus
'Nur für Busse, Taxis und Fahrräder'!
Riesen-Kaffeetassen!
'Big Brother is watching you'!
Die Speisekarte im "Mamma's"
'Mamma's' Restaurant
Live-Musik - verlockend!
Grassmarket Bar am Abend
John Connor: klasse!

Von unserem ersten Schottlandaufenthalt wussten wir, dass die Tourbusse in Edinburgh in fast alle Stadtbezirke fahren und so einen guten Überblick darüber geben, was es alles zu besichtigen gibt.

 

Was wir nicht wussten: es gibt insgesamt 4 verschiedene Routen, die man jede einzeln oder aber alle zusammen buchen kann. Der Preisunterschied beträgt nur 3 Pfund pro Person (12 Pfund gegenüber 9 Pfund für das Einzelticket) und natürlich dauert jede Tour insgesamt ca. 1 Stunde, also muss man schon einen ganzen Tag einplanen, wenn man alle mitmachen möchte. Dafür gilt das Ticket dann aber auch komplette 24 Stunden, endet also erst am Folgetag zur selben Uhrzeit, an dem man es tags zuvor erworben hat.



Clever geplant, könnte man also die 4 Touren auf 2 Tage verteilen (Vorsicht: die letzte Tour geht gegen 7 Uhr abends). Das mag für diejenigen interessant sein, die von der Möglichkeit ausgiebig Gebrauch machen möchten, die Fahrt hie und da zu unterbrechen, um sich an interessanten Stationen umzusehen (beispielsweise in Museen, in Szenelokalen, am/im Schottischen Parlament oder an der Royal Yacht Britannica im Hafen).

 

Man kann überall unterwegs aus- und wieder einsteigen ("hopp on - hopp off" heißt der Slogan, der auch auf den Bussen angebracht ist). Zwei der Linien haben einen englischsprachigen Guide an Board, der einem die Sehenswürdigkeiten und dazugehörige Anekdoten live näherbringt (es darf nachgefragt werden!).

 

Die Damen und Herren sind individuell durchaus mit unterschiedlich ausgeprägtem Humor und Akzent ausgestattet, sodass wir es oft bedauert haben, die vielen Anspielungen und Witzeleien nicht völlig verstanden zu haben. Man merkt eben doch, dass Englisch nicht unsere Muttersprache ist.


Die beiden anderen Buslinien lassen ein sehr gut verständliches Tonband laufen. Einer dieser Tourbus-Linien (die schönen roten) wirbt sehr zu recht mit einer Führung in 7 Sprachen. Man bekommt beim Zustieg kostenlos kleine Kopfhörer, die man in die vorhandene Anlage an seinem Sitzplatz einstöpseln und später mit nach Hause nehmen kann (die passen beispielsweise auf MP3-Sticks, wie sie unsere Tochter benutzt - unserer Erfahrung nach haben Kopfhürer einen ziemlichen Verschleiß).

 

Die Sprachauswahl und Lautstärkeregelung funktioniert einwandfrei. Auf die individuellen Sprachwitzeleien muss man dann allerdings verzichten. Wir haben sie uns alle 4 Touren gegönnt (neben oben erwähnter Tour mit den rot-bunten, die grünen, die einen Schlenker durch die Neustadt fahren, Mactours und Majestic mit seiner Tour zur königlichen Yacht im Hafen von Leith) und es auch in diesem Jahr wieder nicht geschafft, zwischendruch auszusteigen.



Nach gut 4 Stunden kontinuierlicher Busfahrerei und dutzenden Fotos beendeten wir unseren Ausflug mit dem Vorhaben, die im Vorbeifahren wahrgenommenen Attraktionen am nächsten Tag zu Fuß zu erobern.



Am Grasmarket mit seinen hübschen Lokalen betraten wir zielsicher "Mamma's" Pizzeria und bestellten uns nach gründlichem Studium der üppigen Karte eine riesige Pizza. Neben der eindrucksvollen Größe überzeugte uns der wirklich hervorragende Geschmack. Hier bekommt sicher jeder etwas, was seinem Geschmack und Appetit entspricht. Unbedingt zu empfehlen!



Beim Gang nach Hause fiel uns ein, dass wir unseren abendlichen Durst nicht durch ein paar kühle Biere in unserer Unterkunft stillen können würden. Was also tun? Der rettende Einfall ergab sich in einer der Gassen, als wir die Ankündigung eines Live-Musikers lasen, der in einem der Pubs ab 21 Uhr spielen würde.

 

Stücke von Dire Straits, Santana und anderen standen auf dem Programm. Das klang doch gar nicht schlecht. Warum also nicht kurz einen Zwischenstopp "zu Hause" einlegen und dann noch einmal losgehen? Wenn es nichts wäre, könnten wir ja nach dem ersten Bier wieder verschwinden. Gesagt getan.

 

Kurz frischgemacht verabschiedeten wir uns von Erlend, der uns noch riet, nicht zu tief ins Glas zu gucken, und strebten dem möglichen musikalischen Höhepunkt unserer Reise zu.


Bei Betreten des Lokals vergewisserten wir uns zunächst, ob wir in der richtigen Pinte wären, denn es gab ganze zwei Gäste an der Theke und noch weitere zwei an einem Nebentisch - das war's. Das würde doch hoffentlich noch mehr werden, dachten wir uns mit einem Blick auf die Uhr. Die Uhrzeit stimmte auch. Wo waren die denn nur alle?

 

Erstmal ein Bier bestellen und dann mal sehen, was kommt. In einer Ecke am anderen Ende der Kneipe hatte der Angekündigte seine Anlage aufgebaut (Syntheziser, verschiedene Gitarren und beeindruckende Lautsprecher). Das Einstimmen war vielversprechend. Ja, versicherten wir auf die Nachfrage des Wirtes, wir seien wegen der Live-Music hergekommen. Große Freude.

 

Die beiden Herren am Nebentisch verlassen das Lokal, nachdem zuvor die beiden Herren an der Theke ebenfalls "geflüchtet" sind. Nun sind wir also ganz allein mit dem Herrn Musikus - so schlecht war das doch gar nicht, finden wir, und spenden eifrig ermutigenden Applaus für jedes Probestück.

 

Die Anlage sei an diesem Tage neu in Betrieb genommen, meinte der Künstler nach fast einer Stunde Herumprobieren, bei der wir immer neugieriger darauf wurden, wie sich dann erst die RICHTIGEN Stücke anhören würden. Der Mann war wirklich gut!



Später am Abend gesellte sich eine 5er-Gruppe ziemlich aufgekratzter Frauen zu uns (die sich vergeblich darum bemühten, uns zum Tanzen zu animieren) sowie ein paar Burschen, die wohl selbst Musiker waren - einer sogar mit befederter Kappe und Schottenlook. Wir trauten uns nicht, ihn zu knipsen, aber es war bestimmt ein hiesiges Original.

 

Mehr als eine handvoll Gäste zog es aber an diesem Abend nicht ins Lokal, und so mussten wir dem jungen Wirt unterstellen, es an entsprechender PR mangeln gelassen zu haben. Unser "Alleinunterhalter" allerdings war eine Wucht, gut bei Stimme und mit einer Anlage, die wirklich einen Sound nahe am Original produzierte.

 

Wir erbaten uns ein Foto und die Erlaubnis, es auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Der Mann war schlicht aus dem Häuschen und wollte sich noch unsere Adresse notieren, als er dann kurz vor 1 Uhr seinen Auftritt beendete. Aber er war sehr beschäftigt mit dem Abbau und wir zu müde, um darauf zu warten, dass er fertig würde.

 

Der Abend hatte sich jedenfalls wieder einmal gelohnt. Müde fielen wir in unsere Betten und freuten uns auf die Frühstücksüberraschung, die uns Erlend auf für diesen Morgen versprochen hatte.